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17. Juni 2023

Jan-Oliver Heidrich im Interview: „Als EHA bieten wir Verlässlichkeit“

Lesezeit: 7 Min.

Die Energiepreise bleiben ein bestimmendes Thema für Händler, Produzenten und Verbraucher:innen. Als REWE Group setzen wir auch und gerade beim Thema Energie auf nachhaltiges Wirtschaften und Langfristigkeit. Dazu zählt u. a. die langjährige Portfolio-Management-Strategie unserer Energiegroßhandelstochter EHA. Im Interview spricht Jan-Oliver Heidrich, geschäftsführender Gesellschafter, über langfristige Einkaufsstrategien, kurzfristige Einflussfaktoren auf den Strompreis und Grünstrom der Zukunft.

Herr Heidrich, kaum ein Thema hat die Verbraucher:innen, aber auch Unternehmen und Politik im vergangenen Jahr derart beschäftigt wie die Energiepreise. Welche Auswirkungen hatte diese Krise für die EHA und ihre Kundschaft?

Jan-Oliver Heidrich: Die Tendenz, die wir im vergangenen Jahr erlebt haben, war schon vor dem Krieg in der Ukraine absehbar. Wir haben für die Versorgung unserer Kunden eine klare Strategie, und die heißt: vorbereitet sein. Deshalb kaufen wir langfristig auf dem Terminmarkt ein und hatten uns vor der Krise bereits für 2022 und auch große Teile der Jahre 2023 bis 2025 abgesichert. Das hat für uns den Vorteil, dass wir für diesen Anteil nicht auf dem kurzfristig agierenden Spotmarkt zu hohen Preisen Strom einkaufen mussten und müssen.

Porträt von Jan-Oliver Heidrich
Über:
Jan-Oliver Heidrich

Geschäftsführer der EHA Energie-Handels-Gesellschaft

Die Preise für Energie sind zuletzt stark gefallen, aber immer noch deutlich über dem Preisniveau der Finanzkrise von 2009, eine Entspannung ist also nur relativ erreicht. Welche Ziele verfolgt die EHA bezüglich der Energiebeschaffung in diesem Jahr?

Jan-Oliver Heidrich: Die aktuellen Erfahrungen bestärken uns darin, die Beschaffung möglichst breit aufzustellen und mittel- bis langfristig zu planen. In 2023 setzen wir zum Beispiel weiterhin auf Power Purchase Agreements – also Direktlieferungsvereinbarungen –, um zumindest Teile der Energieversorgung dauerhaft zu Festpreisen zu sichern. Darüber hinaus unterstützen wir unsere Kunden bei der Photovoltaikerzeugung. Innerhalb der REWE Group haben wir bereits zahlreiche PV-Anlagen installiert und werden das in diesem Jahr fortsetzen. So wollen wir unseren Teil zum Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen.

Wie wirkt sich das auf den Preis aus, den die EHA für Strom bezahlt?

Jan-Oliver Heidrich: Derzeit zeigt sich: Was wir in Zeiten schwankender Preise bieten, ist Verlässlichkeit. Indem wir Strom strukturiert und breit gestreut einkaufen, können wir günstige und verlässliche Preise anbieten, auf die kurzfristige Effekte wie Kraftwerksausfälle oder die wieder hochfahrende Wirtschaft nach Corona keinen oder wenig Einfluss haben.

Grundsätzlich ist es schon so, dass wir uns bei niedrigen Preisen, zum Beispiel während der Coronazeit, mit größeren Mengen auf dem langfristigen Terminmarkt eindecken. Umgekehrt lassen wir bei hohen Preisen die Finger vom langfristigen Terminmarkt. Das ist das Ergebnis von aktivem Portfoliomanagement.

Wenn Sie langfristig einkaufen, haben Sie schon jetzt einen Blick auf die zu erwartenden Strompreise in den kommenden Jahren. Wie sieht es da aus?

Jan-Oliver Heidrich: Derzeit kostet Strom für 2025 deutlich weniger als für das laufende Jahr. Offenbar gehen die Akteure auf dem Markt davon aus, dass die derzeitigen Preise sich langfristig nicht halten werden. Das kommt uns entgegen, weil wir aus den günstigen Konditionen der bereits realisierten Terminmarktmengen rauswachsen. Trotz aller Vorsorge rechnen wir kurz- und mittelfristig mit höheren Energiekosten für unsere Kund:innen, Lieferanten und auch für uns.

Viele Lieferanten verlangen weiterhin höhere Preise mit Verweis auf die gestiegenen Energiepreise. Wie berechtigt sind diese Forderungen noch?

Jan-Oliver Heidrich: Das kann man pauschal nicht beantworten. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob das jeweilige Unternehmen auf billige Preise am Spotmarkt gesetzt oder sich langfristig vorbereitet und mit Energie eingedeckt hat. Wenn wir der Logik folgen, dass höhere Energiepreise auch höhere Produktpreise nach sich ziehen, dann müssten Lieferanten auch die Preise senken, wenn die Energiepreise runtergehen. Das war bislang aber nicht der Fall.

Die REWE Group versorgt ihre Märkte bereits seit 2008 komplett mit Strom aus regenerativen Quellen. Künftig wird sie als erster Lebensmittelhändler auch Grünstrom aus einem Windpark in der Nordsee beziehen. Welche Idee steckt dahinter?

Jan-Oliver Heidrich: Mit diesem Projekt haben wir eine aktivere Rolle übernommen, um die Energiewende voranzutreiben. Seit 2008 versorgen wir die REWE Group mit Grünstrom und waren damit schon Vorreiter im deutschen Einzelhandel. Mit dem langfristigen Liefervertrag für Grünstrom aus dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 übernehmen wir weitere Verantwortung. Solche Direkt-Lieferungs-Vereinbarungen leisten einen deutlich größeren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele.

Windkraftanlagen im Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 1, in dessen Nähe der Bau von Borkum Riffgrund 3 geplant ist

Mit dem langfristigen Liefervertrag für Grünstrom aus dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 übernehmen wir weitere Verantwortung.

In welchem Umfang wird die REWE Group Grünstrom aus dem Nordsee-Windpark beziehen?

Jan-Oliver Heidrich: Borkum Riffgrund 3 wird eine Gesamtkapazität von 900 Megawatt haben. Vereinbart ist eine jährliche Kapazität von rund 100 Megawatt. Das entspricht der Verbrauchsmenge von etwa 1.500 Märkten der REWE Group und macht etwa 15 Prozent des gesamten Strombedarfs in Deutschland aus.

Warum tun sich viele andere Unternehmen, auch aus dem Handel, schwer, solche langfristigen Lieferverträge für Strom aus einem Wind- oder Solarpark abzuschließen?

Jan-Oliver Heidrich: Das Interesse in der Branche ist groß, denn für alle steigt der Druck, klimaneutral zu werden. Aber um ein solches Projekt zu stemmen, braucht es hohe Kompetenz im Energiehandel – sei es im eigenen Haus oder bei einem zu beauftragenden Dienstleister. Die REWE Group besitzt in diesem Punkt mit der Tochtergesellschaft EHA einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Wir verfügen über die notwendigen Prozesse. Für unsere Abwicklung macht es keinen Unterschied, ob wir Strom vom Termin- oder Spotmarkt beziehen oder aus einem Windpark. Dennoch bin ich mir sicher, dass andere Unternehmen unserem Beispiel folgen werden. So stoßen wir bei der REWE Group eine Entwicklung an, die dazu beiträgt, die gesamte Energiewende zu beschleunigen.

Im vergangenen Winter waren die Bundesbürger:innen und auch Unternehmen aktiv zum Energiesparen aufgerufen. Spürt die EHA als Energieunternehmen diese Maßnahmen?

Jan-Oliver Heidrich: Ja, wir spüren das. Die REWE Group hat erfolgreich Energie eingespart. Das merken wir deutlich an den geringeren Strommengen, die wir einzudecken haben.

Über die EHA Energie-Handels-Gesellschaft

Die EHA Energie-Handels-Gesellschaft mit Sitz in Hamburg ist der 360°-Energiedienstleister für Unternehmen mit vielen Standorten in Deutschland und Österreich. EHA sorgt in einer immer komplexeren Energiewelt für Orientierung. An der Seite der Kunden erzielt das Unternehmen individuellen Mehrwert durch die Versorgung mit Grünstrom und Gas, Messstellenbetrieb, Energiedatenmanagement sowie Energieeffizienzberatung. Die digitalen Systemlösungen ermöglichen dauerhafte Verbrauchs- und Kostenreduzierungen. Das Know-how von Prozessen der kritischen Infrastruktur qualifiziert EHA zudem für weitere Aufgaben rund um das Gebäudemanagement.

Klimaschutz ist für EHA mehr als ein Lippenbekenntnis. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden im Bereich Erneuerbarer Energien mit der Einbindung von Power Purchase Agreements (PPA) in die Beschaffung. Darüber hinaus betreibt es deutschlandweit Photovoltaikanlagen. So vollzieht EHA gemeinsam mit den Kunden die Energiewende.

EHA wurde 1998 als Joint Venture der damaligen Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW), später Vattenfall GmbH, und der REWE Group gegründet. Seit 2014 ist das Unternehmen eine 100-prozentige Tochter der REWE Group und deren zentraler Ansprechpartner für alle Energiethemen

Weitere Informationen unter www.eha.net