Nachhaltigkeit

25. September 2025

Leitlinie für Fisch und Meeresfrüchte

Lesezeit: 7 Min.

Fisch ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Etwa 20 Kilo pro Jahr pro Kopf werden weltweit konsumiert. Zudem haben Fischerei und Aquakulturen eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung, denn sie bieten 59,5 Millionen Menschen eine Lebensgrundlage. Doch beide Produktionszweige bringen negative ökologische, soziale und ökonomische Auswirkungen mit sich, zu deren Beseitigung und Verringerung wir aktiv beitragen wollen.

Der Hintergrund

Die Arbeitsbedingungen und Einhaltung internationaler Standards – etwa in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz – variieren von Land zu Land erheblich. Problematisch sind hierbei vor allem Regionen in Asien oder Afrika. Auf Fangschiffen kann es zu Missbrauch bis hin zu Mord und Menschenhandel kommen. 35 Prozent der kommerziell genutzten Wildfischbestände gelten global als überfischt, 65 Prozent als maximal genutzt. Jedes Jahr sterben etwa 650.000 Meeressäugetiere wie Wale und Delphine sowie zehn Millionen Haie als Beifang. Eine tierartgerechte Tötung ist sowohl beim Wildfischfang als auch in Aquakulturbetrieben oftmals nicht Realität. Die Berücksichtigung von Tierwohlaspekten in der Aquakultur, insbesondere bei Fischen und Krustentiere wie Garnelen, Hummer & Co., sind komplex. Im Fokus stehen vor allem die Wasserqualität im Lebensraum der Aquakulturtiere, das Futterbedürfnis je nach Wachstumsphase, ein schonender und stressfreier Umgang mit den Tieren, der Sauerstoffanteil im Wassertank beim Lebendtransport sowie die geeignete, schonende Betäubung von Aquakulturtieren vor der Schlachtung. Zudem kann die Minimierung großer Raubfischarten die Zusammensetzung mariner Ökosysteme verändern. Die rasant wachsende Zahl an Aquakulturfarmen vereinnahmt immer mehr Flächen mit Folgen für die Biodiversität, etwa in Küstenregionen tropischer und subtropischer Länder. Nähr- und Schadstoffe in ihren Abwässern können die aquatischen Ökosysteme belasten.

Unsere Ziele

Um aktiv zur Verringerung und Beseitigung negativer ökologischer, sozialer und ökonomischer Auswirkungen in der Lieferkette von Fisch und Meeresfrüchten beizutragen, wollen wir als REWE Group folgende Ziele erreichen:

  • Zu 100 Prozent zertifizierte Eigenmarken-Fischprodukte in den Bereichen Tiefkühlung, Convenience, Frische und Konserve in Deutschland nach

    Marine Stewardship Council (MSC)

    GLOBALG.A.P.

    Aquaculture Stewardship Council (ASC)

    oder Bio-Zertifizierung, sofern verfügbar.

  • Zudem sollen alle Fisch-Monoartikel langfristig über Tracking-Codes auf den Verpackungen verfügen. Über diese erhalten Kund:innen detaillierte Informationen zur Herkunft und Weiterverarbeitung des Fischs.

Die Maßnahmen

Um diese Ziele zu erreichen, verpflichten wir unter anderem unsere Fischlieferanten, die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation zu befolgen, um die Wahrung der Menschenrechte und die Einhaltung fundamentaler Sozial- und Arbeitsschutzstandards in der gesamten Lieferkette sicherzustellen. Zudem müssen sämtliche Verarbeitungsbetriebe in Risikoländern fortlaufend eine soziale Auditierung nach Standards wie der amfori BSCI belegen – und damit die Einhaltung sozialer Mindestanforderungen. Für die im Handel eingesetzten Wildfischarten halten wir uns beim Einkauf von Fisch an eine Positivliste, die systematisch die Gesundheit des Fischbestandes, die Empfehlungen führender Umweltorganisationen (zum Beispiel des WWF), das eingesetzte Fanggerät, vorhandene Zertifizierungen sowie – bei bestimmten Arten – mögliche soziale Risiken bewertet. In der Aquakultur wird mit dem Einkauf aus zertifizierten Quellen (Bio, GLOBALG.A.P. und ASC) unter anderem sichergestellt, dass Fisch- und Garnelenfarmen alle gesetzlichen Vorschriften im Produktionsland erfüllen. Zudem setzen wir als REWE Group mit diesem Zertifizierungsziel auch beim Tierwohl Maßstäbe: Schon heute werden alle bio-zertifizierten Garnelen ohne Augenstiel-Manipulation angeboten. Mit dem Einkauf von ASC-zertifizierten Weißfussgarnelen (L.vannamei) werden bis 2030 100% und Black Tiger Garnelen (P. monodon) werden bis 2031 100% ohne Augenstiel-Manipulation angeboten. Der Verzicht auf die Augenstiel-Manipulation bei Garnelen wird von vielen unserer Lieferanten bereits erreicht. Aufgrund der flächendeckenden Umsetzung der Standards ist vereinzelt jedoch eine längere Übergangsfrist notwendig. Wir streben an, eine Umsetzung in unseren EM-Lieferketten möglichst bis 2027 zu erreichen.

Darüber hinaus erfolgt bereits heute vor der Beschaffung von Eigenmarken-Garnelen eine interne Bewertung. Des Weiteren setzen wir uns als REWE Group dafür ein, dass die eingesetzten Betäubungsverfahren bei Garnelen im Einklang mit dem Tierwohl stehen, um zusätzliches Leid möglichst zu vermeiden. Unser Ziel ist es, möglichst bis 2027 auf ein geeignetes fachgerechtes Betäubungskriterium bei den Standardgebern hinzuwirken, um eindeutige Vorgaben in der Praxis sicherzustellen.

Aktuell prüfen wir außerdem intern, in welchem Umfang vertretbare Tötungsverfahren unter Berücksichtigung von Tierwohlaspekten bei Fisch und Krustentiere auf Fangschiffen zum Einsatz kommen. Den Verkauf bestimmter Fisch und Krustentiere wie bspw. wildgefangener Hummer und Oktopus aus Aquakultur schließen wir aus.

Zudem verlangen wir für eine vollständige Rückverfolgbarkeit von unseren Lieferanten, dass diese bei Bedarf ihre komplette Lieferkette offenlegen können.

Unser Engagement

Als Mitglied der „Global Seafood Alliance“ fördern wir als REWE Group verantwortungsvolle Praktiken im Bereich Fisch und Meeresfrüchte.

Seit 2018 setzen wir uns als REWE Group als Gründungsmitglied des „Initiativkreises Tierschutzstandards Aquakultur (ITA)“ für die Integration von Tierwohlaspekten im Rahmen der Zertifizierung ein. Dieses gemeinsame Engagement trägt Früchte, wichtige Label-Organisationen haben ihre Anforderungen an das Tierwohl in den letzten Jahren deutlich verschärft (ASC und GGN). Bei Naturland-Fisch und Krustentieren galten schon lange strengere Vorgaben (bspw. das Verbot der Augenstiel-Manipulation bei Garnelen). In der Fischerei setzt die REWE GROUP auf die MSC-Zertifizierung. Letztere setzt eine Minimierung negativer Einflüsse der Fischerei auf andere Arten (Beifang) voraus.

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