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8. März 2022

Mutig, prag­matisch, zu­packend: Frauen­stimmen aus der REWE Group

Frauen schlagen in der REWE Group vielfältige Karrierewege ein. Dabei erleben sie Diversity und Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsplatz dementsprechend individuell. Was sie alle eint: Sie packen’s an.

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Frauen in der REWE Group: Da geht schon einiges – aber noch viel mehr

Gut ausgebildet und dennoch schlechter bezahlt und in Spitzenposten immer noch in der Minderheit – überspitzt ist das immer noch der Status Quo mit Blick auf die Gleichstellung von Frauen in Deutschland. Immerhin: Seit Anfang der 1990er hat sich laut einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in Sachen Bildung einiges getan: Inzwischen machen mehr Frauen Abitur oder Fachhochschulreife als Männer. Auch haben Mädchen meist bessere Schulnoten als Jungs. Auch viele Unternehmen wollen mehr Frauen auf allen Hierarchie-Ebenen vertreten sehen und gemischte Teams fördern. So auch die REWE Group, die Frauen in allen Bereichen gezielt weiterentwickelt – nicht nur am Weltfrauentag.

Von der gestandenen REWE-Bereichsleiterin über die engagierte Marktleiterin bei toom bis zur angehenden einzigen weiblichen Berufskraftfahrerin im REWE-Lager – Frauen schlagen in der REWE Group vielfältige Karrierewege ein. Dabei machen sie ganz unterschiedliche Erfahrungen und erleben Diversity und Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsplatz dementsprechend individuell. Was sie aber alle eint: Sie packen’s an. Einige Stimmen.

„Es gibt Führungsseminare, und es gibt Führungsseminare für Frauen. Warum gibt es keine Führungsseminare für Männer?“

„Am meisten stört es mich, wenn das Geschlecht immer wieder Thema ist, sogar im Job aktiv forciert wird:  Zum Beispiel gibt es Führungsseminare, und es gibt Führungsseminare explizit für Frauen. Warum gibt es keine Führungsseminare für Männer? Ich sage immer: Die Ergebnisse am Ende des Jahres zeigen, ob man einen Markt gut leitet oder nicht. Da gibt es viele Kriterien. Umsatz und Gewinn, auch Mitarbeiter:innen- und Kund:innenzufriedenheit. Das Ergebnis muss stimmen, unabhängig vom Geschlecht.

Vieles hat sicher auch mit der Branche zu tun. Nach meinem Studium des internationalen Handelsmanagements war ich zunächst bei einem großen Elektrounternehmen, dort arbeiteten auch fast nur Männer. Ich bin damals gegangen, weil ich als junge Frau keine Aufstiegschancen und Perspektiven hatte. Das hat mich sehr getroffen. Danach habe ich mir versprochen: Dazu lasse ich es nie mehr kommen! Bei Toom ist das anders. Als Stützpunktmarktleiterin habe ich schon einen großen Sprung gemacht, und der nächste Schritt wäre der zur regionalen Verkaufsleiterin.

toom ist in Sachen Diversity und Frauen in Führung sehr aktiv und fortschrittlich, es werden immer mehr Marktleiterinnen und ich persönlich setze mich auch besonders dafür ein, geeignete Kolleginnen in meinem Umfeld zu fördern. In diesem Zusammenhang schätze ich auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bei toom. Und auch, wenn manche Kollegen vielleicht im ersten Moment irritiert sind, dass ich als Frau einen Baumarkt leite, legt sich das in der Regel sehr schnell und die gegenseitige Wertschätzung untereinander ist groß.”

Porträt von Agnieszka Brzezinska
Über:
Agnieszka Brzezinska

ist seit 2017 als Marktleiterin bei toom Baumarkt, und seit wenigen Monaten Stützpunktmarktleiterin bei toom in Troisdorf.


Handel ist weiblich

67 Prozent der etwa 3,1 Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel sind weiblich. Grund für diese hohe Quote ist nach Einschätzung des Handelsverband Deutschland (HDE) das große Angebot an Teilzeitarbeit in dieser Branche, denn immerhin 45 Prozent der Erwerbstätigen im Einzelhandel arbeiten in Teilzeit. Noch mehr Frauen sind nur im Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigt. Die wenigsten Frauen gibt es im Baugewerbe.

„Den Geschäftspartnern immer auf Augenhöhe zu begegnen, ist das A und O – ist der Respekt erst einmal da, dann bleibt er auch“

„Traditionell ist es im muslimischen Tunesien schon noch so, dass Männer im Job eine größere Rolle spielen – auch wenn das Land zunehmend moderner wird. Die Menschen sind es hier heute – noch – nicht gewohnt, dass Frauen in Führungspositionen arbeiten. Gerade in der Hotellerie. Den nötigen Respekt und die Akzeptanz muss man sich als Frau durch ein sicheres und kompetentes Auftreten erst einmal erarbeiten. Wenn dieser Schritt dann geschafft ist, wird einem auch langfristig Respekt entgegengebracht. Professionelles Arbeiten wird hier sehr geschätzt.

Als ich nach anderthalb Jahren als Reiseleitung mit 23 Jahren Destination Managerin auf Djerba wurde, war das für das Team dort erst einmal ungewöhnlich. Mir hat sehr geholfen, dass ich aus der Hotellerie komme, so hatte ich eine gute fachliche Grundlage. Und ich wurde hier im Team toll aufgenommen, die Zusammenarbeit funktioniert fast ohne Worte. Autoritätsmäßig gab es nie Probleme, auch wenn es erst einmal neu für die Kolleg:innen war. So einige Male wurde man auf die Probe gestellt…

In den seltenen unangenehmen Situationen, in denen Geschäftspartner Anspielungen auf mein Alter oder mein Geschlecht machen, reagiere ich bestimmt und professionell. Ich lasse mich nie verunsichern und bleibe immer auf Augenhöhe – denn den Spruch „Wie es in den Wald hineinruft, so kommt es auch zurück“ könnte man hier beinahe schon als Lebensmotto bezeichnen. Ich liebe meinen vielseitigen Arbeitsalltag mit immer neuen Herausforderungen und auch privat habe ich auf Djerba mein Glück gefunden. Ich bin angekommen.“

Porträt von Melanie Ackermann
Über:
Melanie Ackermann

ist Destination Managerin der DER Touristik Destination Service AG auf Djerba und unterstützt das Digital Content Management in Destination.


Schnell zurück nach der Babypause

Immer mehr Frauen sind erwerbstätig. Der Anteil der weiblichen Erwerbstätigkeiten an allen Frauen zwischen 15 und 65 Jahren hat sich seit der Jahrtausendwende über alle Altersgruppen fast kontinuierlich erhöht. Das Statistische Bundesamt beziffert die Quote für 2020 auf 71,8 Prozent. Im Jahr 2000 war es 57,7 Prozent gewesen. Bei den Männern waren zuletzt 79 Prozent der betreffenden Altersquote erwerbstätig. Die größten Unterschiede in der Beteiligung der Geschlechter am Erwerbsleben gibt es bei den 30- bis unter 35-Jährigen mit einem um zwölf Prozentpunkte höheren Männeranteil. Die stetig steigende Erwerbstätigenquote der 35- bis unter 40-jährigen Frauen spricht nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit dafür, dass diese im Anschluss an die Familiengründung schnell wieder einen Anstieg ins Erwerbsleben suchen.

„Das passende Modell gefunden“

„Schon als ich Abitur gemacht habe, wusste ich, dass ich etwas mit Informatik studieren wollte und habe mich für Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Softwareentwicklung entschieden. Nachdem ich nach dem Studium einige Jahre im Release- und Konfigurationsmanagement gearbeitet und die Themenverantwortung für das Deployment innehatte, leite ich nun seit knapp einem Jahr disziplinarisch ein rein männliches Team. Die Stelle wurde im Rahmen von Symphony ausgeschrieben. Ich habe die Chance gesehen und sie wahrgenommen. Dass ich eine der wenigen Frauen bin, spielt im Alltag überhaupt keine Rolle. Egal wo man in der IT arbeitet, die Leistung muss stimmen – unabhängig vom Geschlecht. Dennoch wäre es wünschenswert, dass sich mehr Frauen und Mädchen für IT interessieren. Aber das geht meiner Meinung nach nur, wenn wir sie für die Themen begeistern und besser erklären, wie die berufliche Praxis aussieht.

Glücklicherweise habe ich auch in meinem privaten Umfeld das passende Modell gefunden. Mein Mann hat den Großteil der Elternzeit übernommen und arbeitet jetzt in Teilzeit, während ich in Vollzeit weiterarbeite. Das war vor allem an Anfang eine spannende Zeit und wir mussten beide erst in den Familienalltag mit inzwischen zwei Kinder hineinwachsen. Der Rückhalt zu Hause ist eine der wichtigsten Stützen für meinen Job.“

Porträt von Heidi Rajcsanyi
Über:
Heidi Rajcsanyi

ist Principal Engineer, DevOps & APM, bei der REWE Systems.


Teilzeit ist Frauensache

Teilzeitarbeit und Minijobs sind Frauendomänen. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit arbeiten in Deutschland (über alle Branchen hinweg) beinahe viermal so viele Frauen wie Männer in Teilzeit. Knapp zwei Drittel aller ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten im Alter zwischen 15 und 65 Jahren sind weiblich. Im Einzelhandel ist der Anteil noch höher. 84 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Das Angebot an Teilzeit- und Minijob-Plätzen ist im Einzelhandel überdurchschnittlich groß. Nach Zahlen des Handelsverband Deutschland (HDE) sind gut 1,1 Millionen der insgesamt etwa 3,1 Millionen Arbeitsplätze Teilzeitstellen und gut 800 000 Minijobs.

„Ein dickes Fell muss man schon mitbringen“

„Ja, ich höre immer mal wieder doofe Sprüche. Aber damit kann ich umgehen. Ein dickes Fell muss man schon mitbringen. Deshalb ignoriere ich das oder kontere mit einem Kommentar. Aber die meisten, die mich fahren sehen, sagen mir: ‚Respekt, wie du das machst‘. Mein Prüfer in der Fahrschule war total geflasht davon, wie ich meine Fahrprüfung absolviert habe.“

Porträt von Joulina Gertlowski
Über:
Joulina Gertlowski

ist angehende Berufskraftfahrerin – die erste im REWE-Lager in Breuna. Demnächst wirbt sie für die REWE im Rahmen einer Arbeitgeberkampagne.


Öfter auch mal Chefin

Im Einzelhandel werden Führungspositionen sehr viel häufiger mit Frauen besetzt als im Durchschnitt der gesamten deutschen Wirtschaft. Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) bekleiden sie 38 Prozent der Positionen auf der ersten Führungsebene; Insgesamt beträgt die Quote lediglich 26 Prozent. Auch auf der zweiten Führungsebene liegt der Einzelhandel mit einem Frauenanteil von 65 Prozent deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 40 Prozent. Als Gründe nennt der HDE den „traditionell hohen Frauenanteil“ in der Branche sowie „gute Karrierechancen“.

„Mutig sein, an sich selbst glauben und Vorurteilen keinen Raum geben“

„Eigentlich mag ich keine Vergleiche und sehe auch keinen Grund für Vorurteile. Ich bin mit zwei älteren Brüdern groß geworden, da habe ich früh gelernt, mich zu behaupten. Ich habe nie erlebt, dass ich etwas nicht erreicht oder geschafft habe, nur weil ich eine Frau bin.

Frauen haben eine andere Herangehensweise und einen anderen Blick auf die Dinge als Männer. Die eine Vorgehensweise ist nicht besser als die andere. In der Kombination ist es sehr bereichernd. Ich habe meine Laufbahn in der Marktforschung begonnen, da brauchte es einen analytisch-mathematischen Fokus. Mit der Zeit hat mein Weg mich in den Einkauf geführt. Meine aktuelle Aufgabe im Bereich Ware, für mich das Herzstück des Handels, bereitet mir viel Spaß. Ich erlebe das Geschäft von der operativen Seite aus, kann aber auch die strategische Perspektive einnehmen und über den Tellerrand hinausschauen.

Frauen tendieren dazu, sehr selbstkritisch zu sein. Doch wenn man an sich selbst glaubt, seinen Weg geht und seine Ziele erreicht, strahlt man das aus. Damit nimmt man Vorurteilen den Raum. Unternehmen wie die REWE können nur profitieren, wenn mehr Frauen in Führungspositionen sind und wir uns stärker durchmischen.“

Porträt von Ulrike Zanker
Über:
Ulrike Zanker

ist als Bereichsleiterin Ware zuständig für den REWE-Einkauf der Sparte Trockensortiment 1.