Unternehmen

8. Juli 2024

„Die Mitarbeitenden fühlen sich aufgehoben“ 

Drei Mitarbeitende aus Markt, Verwaltung und Logistik, berichten wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie für sie aussieht.
Lesezeit: 9 Min.

Für ihre zukunftsfähige Mitarbeitendenpolitik erhielten die PENNY Markt GmbH sowie die REWE Markt GmbH mit allen Filialen und teilnehmenden Kaufleuten erneut das Zertifikat audit berufundfamilie. Damit zeigen sie sich bereit, für weitere drei Jahre Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben umzusetzen. Wie die Umsetzung von Vereinbarkeit in der Praxis aussieht und welche Bedeutung sie für den Teamgeist und die Bindung der Mitarbeitenden hat, berichten drei Mitarbeitende von REWE und PENNY aus den Bereichen Markt, Verwaltung und Logistik.

Für die Mitarbeitenden sind die positiven Veränderungen durch die Maßnahmen deutlich spürbar. So auch für Katharina Niedzial, die für die PENNY-Region Ost das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie verantwortet.

Frau Niedzial, Sie begleiten die Entwicklung der Vereinbarkeitsthemen bei PENNY Ost seit der erstmaligen Zertifizierung 2018. Was hat sich seither verändert und was braucht es noch?

Katharina Niedzial: Ob es nun mit dem Zertifikat zusammenhängt oder ob es einfach an der Zeit war, auf jeden Fall sind seit der Zertifizierung tatsächlich sehr viele Vereinbarkeitsmaßnahmen bei uns entstanden. Viel mehr Kolleg:innen, auch in den Märkten, nehmen ein Sabbatical, meist aufgrund der notwendigen Ansparzeit für ein oder zwei Monate. Mehr Väter gehen in Elternzeit, darunter auch viele Führungskräfte, wie unsere Bezirksleiter. Das gab es vorher nicht. Auch bei der Pflegeauszeit hat sich unsere Unternehmenskultur verändert. Wenn jemand sie nehmen muss, ist das für alle selbstverständlich.

Mit Blick auf die Märkte kann ich sagen, dass die Führungskräfte heute vermehrt versuchen, durch eine verbindliche Personaleinsatzplanung alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen innerhalb des Spannungsfelds, dass der Markt ja trotzdem funktionieren muss: Wie wird die Mutter mit den kleinen Kindern eingeteilt, wie der Kollege, der freitags nachmittags gerne seinem Hobby nachgehen möchte, oder die Mitarbeiterin mit der pflegebedürftigen Mutter zu Hause.

Porträt von Katharina Niedzial
Über:
Katharina Niedzial
HR-Partnerin der PENNY-Region Ost und verantwortlich für das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Haben sich die Maßnahmen über die Jahre verändert?

Katharina Niedzial: Ich glaube, weniger die einzelnen Maßnahmen haben sich verändert, sondern die Haltungen der Führungskräfte, der Markt- und Bezirksleitungen, die immer wieder hingucken und das Gespräch suchen.

Die Haltung der Führungskräfte hat sich verändert

Katharina Niedzial, HR-Partnerin der PENNY-Region Ost und verantwortlich für das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Porträt von Katharina Niedzial
Katharina Niedzial, HR-Partnerin der PENNY-Region Ost und verantwortlich für das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Welche Maßnahmen braucht es Ihrer Meinung nach noch?

Katharina Niedzial: Es braucht gar nicht mehr von diesen Maßnahmen. Wir haben wirklich schon viele. Aber was wir haben, müssen wir verstärkt in Richtung Mitarbeitende kommunizieren. Und wir müssen die Maßnahmen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit prüfen: Werden sie von den Mitarbeitenden in Anspruch genommen, funktionieren sie gleichermaßen gut in der Stadt und auf dem Land, und so weiter? Und schön wäre abschließend, wenn sich das Verständnis der Führungskräfte für die Vereinbarkeitsthemen quer durch alle Regionen und Ebenen angleichen würde.


Der Arbeitsplatz ist mehr als ein Ort, an dem man Geld verdienen muss

Deborah Dessi  ist seit zehn Jahren als stellvertretende Marktleiterin bei REWE Dirk Pfleger in St. Augustin bei Bonn. Im Interview spricht sie über die Vereinbarkeitsmaßnahmen in ihrem Markt und über die Auswirkungen auf den Teamgeist.

Frau Dessi, warum hat das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben solch einen Stellenwert in Ihrem Markt?

Deborah Dessi: Der Arbeitsplatz ist heute mehr als nur ein Ort, an dem man Geld verdienen muss. Eine gute Atmosphäre, ein freundlicher Umgang mit Vorgesetzten und Kolleg:innen tragen viel zur Zufriedenheit bei – und zur Produktivität des Personals. Die gelebte Vereinbarkeit von Beruf und Familie hilft, Mitarbeitende zu finden und zu binden. Es ist zwar nicht immer leicht, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Doch wir stellen uns der Herausforderung.

Porträt von Deborah Dessi
Über:
Deborah Dessi
Stellvertretende Marktleiterin bei REWE Dirk Pfleger in St. Augustin bei Bonn.

Welche Vereinbarkeitsmaßnahmen gibt es in Ihrem Markt und wie wirken diese sich aus?

Deborah Dessi: Vor einiger Zeit sammelten wir mit unseren Mitarbeitenden, welche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie wir an unserem Arbeitsplatz haben. Das Flipchart war schnell vollgeschrieben, das Team zählte viele Maßnahmen auf, die uns dabei helfen, Beruf und Privates zu vereinbaren, darunter zum Beispiel: Arbeitskleidung, die uns gestellt und zudem gereinigt und gebügelt wird, Mitarbeitendenrabatt, Inflationsausgleich, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die Personalpläne drei Wochen im Voraus. Wir haben Betriebsfeste, verlässliche Arbeitszeiten, aber auch Not-Auszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten, Renten-Zusatzversicherung, vielfältige Gesundheitsangebote. Während Corona bekamen wir Tests und Masken gestellt. Nicht zuletzt finden wir immer wieder kleine Aufmerksamkeiten in unserem persönlichen Fach.

Es tut dem Teamgeist und der Stimmung gut zu wissen, was alles möglich ist.

Deborah Dessi, Stellvertretende Marktleiterin bei REWE Dirk Pfleger in St. Augustin bei Bonn.
Porträt von Deborah Dessi
Deborah Dessi, Stellvertretende Marktleiterin bei REWE Dirk Pfleger in St. Augustin bei Bonn.

Kennen Ihre Kolleg:innen all diese Angebote?

Deborah Dessi: Im Februar habe ich die Kolleg:innen erstmals zu einem Beruf-und-Familie-Informationstag eingeladen, Fragen beantwortet und die Angebote von REWE vorgestellt. Mein Ziel ist, diese Infotage einmal im Quartal durchzuführen. Es tut dem Teamgeist und der Stimmung gut zu wissen, was alles möglich ist. Das macht es leicht, untereinander zu tauschen oder füreinander einzuspringen, ohne immer über unseren Chef zu gehen. Natürlich ist nicht immer alles Sonnenschein, den perfekten Job gibt es nicht. Aber es geht fair zu – und die Bürotür des Chefs steht immer offen für uns.

Die Vereinbarkeitsmaßnahmen wirken sich also positiv auf den Teamgeist aus?

Deborah Dessi: Ja. Das Miteinander ist wichtig. Bestes Beispiel ist die Kassencrew, die sich regelmäßig alle paar Wochen sonntags zum Brunch trifft und gemeinsam die Seele baumeln lässt. Wie wichtig Teamgeist ist, zeigte sich auch vor zwei Jahren. Ein Brand im Markt zwang uns, für drei Monate zu schließen. In der Zeit ermöglichte unser Chef uns Fortbildungen. Wir besuchten die Höfe unserer regionalen Produzenten, knuddelten beim Strohwohl-Bauern Schweine oder guckten beim Käsemachen zu. Um den Kontakt zur Kundschaft aufrecht zu halten, haben wir zwei Mal pro Woche vor dem Markt selbstgebackenen Kuchen verkauft, regionale Lieferanten haben ihre Produkte zur Verkostung vorgestellt, wir organisierten ein Kinderfest.


Wichtig ist, dass die Mitarbeitenden sich aufgehoben und wertgeschätzt fühlen

PENNY-Logistikleiter Andreas Krämer und sein Führungsteam setzen Austausch und Wertschätzung. Welchen positiven Effekt das auf das Recruting von neuen Mitarbeitenden hat, berichtet er im Gespräch.

Andreas Krämer: Es macht mir sehr viel Spaß, Verantwortung für meine 184 Logistik-Mitarbeitenden zu tragen. Wir sind stolz auf sie und auf das, was sie tagtäglich hier leisten. Allein für das Abarbeiten der ganzen Kolli haben sie unseren höchsten Respekt verdient. Das ist hier schon eine schwere Arbeit, die den Körper über die Jahre enorm belastet. Der Altersdurchschnitt liegt bei ca. 43, 7 Jahren, von daher ist Gesunderhaltung, arbeitsmedizinische Vorsorge und regelmäßige Aufklärung ein sehr wichtiges Thema, zum Beispiel Rückenschulungen, Rückenstützgurte, richtiges Heben und Tragen.

Wichtig ist bei uns, dass die Mitarbeitenden sich aufgehoben und wertgeschätzt fühlen. Dass sie immer mit allem auf uns Führungskräfte zukommen können, das wissen sie mittlerweile. Auch bei der Führungsebene ist die Betreuung der Mitarbeitenden im Tagesgeschäft ein wichtiger Bestandteil geworden und wird täglich auch so gelebt. So verändert sich der Arbeitsalltag Stück für Stück.

Porträt von Andreas Krämer
Über:
Andreas Krämer
Betriebsleiter des PENNY-Logistikzentrums Neuhausen, Region Süd

Für mich gilt: Jeder Mensch, der vor mir steht, hat meinen Respekt verdient.

Andreas Krämer, Betriebsleiter des PENNY-Logistikzentrums Neuhausen, Region Süd
Porträt von Andreas Krämer
Andreas Krämer, Betriebsleiter des PENNY-Logistikzentrums Neuhausen, Region Süd

Andreas Krämer: Ein Beispiel: Einen Kollegen aus der Spätschicht, bei dem sich familiär Veränderungen ergeben haben, teilten wir in die Frühschicht ein, anderenfalls hätte er das Unternehmen verlassen. Nun ist er zufrieden und wir haben einen guten Mitarbeiter im Unternehmen halten können. Ein offenes Ohr ist hier ganz wichtig. Ein anderes Beispiel: Der Vater eines Kollegen wurde leider zum Pflegefall, dieser musste nun viel organisieren und wollte daher gerne eine Zeitlang nur bis 14 Uhr arbeiten. Sein Teamleiter sagte: ,In der Zeit bekommst Du aber nicht alles geregelt, wir vereinbaren für vier Wochen einen Feierabend um 12.30 Uhr. In der Zeit kümmerst Du dich um Behördengänge und den Umzug ins Pflegeheim.` Man konnte dem Mitarbeiter förmlich ansehen, wie er dachte: ,Hoppla, hier bin ich wichtig und werde wertgeschätzt.´ Zusätzlich haben wir unterstützende Projekte wie LoS!, die GemeinsamTopfit-App oder gesundheitsfördernde Angebote, die die Mitarbeitenden nutzen können.

Gespräche auf Augenhöhe sind eine Voraussetzung für ein vertrauensvolles Miteinander, Klima und Bewerberzulauf sind bei uns in Neuhausen gut. Die meisten Bewerbungen kommen von Freunden und Bekannten unserer Mitarbeitenden. Für uns als Vorgesetzte ist das eine Auszeichnung, und mit diesen Neuzugängen lässt es sich meist gut arbeiten. Natürlich kann der Ton bei uns auch schon mal rauer werden. Das bleibt bei so vielen Leuten und so viel unterschiedlichen Kulturen nicht aus. Den Großteil der Mitarbeitenden haben wir schon gut abgeholt, was die Gesprächsbereitschaft angeht. Und für mich gilt: Jeder Mensch, der vor mir steht, hat meinen Respekt verdient.