Politik

1. Februar 2023

„Wir verstehen uns beim Thema bewusster Ernährung als Partner unserer Kund:innen.“

Von Nährwertkennzeichnung, Ernährungsbildung und dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung: Charlotte Rosendahl, Geschäftsleitung Ware Qualitätsmanagement der REWE Group, über das Eckpunktepapier „Weg zur Ernährungsstrategie der Bundesregierung“ und die Novellierung der Nährwertkennzeichnung.
Lesezeit: 7 Min.

Liebe Leser:innen,

kurz vor Weihnachten hat die Bundesregierung die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegten Eckpunkte für die Ernährungsstrategie beschlossen. Damit sollen die Leitlinien für die geplante Ernährungsstrategie der Bundesregierung bestimmt werden, sowohl inhaltlich als auch prozedural. Bis Ende 2023 die Ernährungsstrategie von der Bundesregierung beschlossen wird, müssen aus meiner Sicht einige Eckpunkte kritisch hinterfragt werden.

Für die REWE Group ist seit jeher klar, dass sich die Verbraucher:innen einfacher und schneller für gesunde und ausgewogene Produkte entscheiden können, wenn sie ausreichend und verständlich informiert werden. Als Lebensmitteleinzelhändler sieht sich die REWE Group als wichtigen Akteur bei der Umsetzung einer Transformation des Ernährungssystems. In diesem Kontext befürworten wir das politische Ziel, Verbraucher:innen zu gesunden wie nachhaltigen Ernährungsweisen zu motivieren. Die REWE Group ist sich ihrer Verantwortung bei der Schaffung vorteilhafter Ernährungsumgebungen bewusst. Durch die über Jahrzehnte etablierten Prozesse unseres Qualitätsmanagements ist unser Engagement bei der Beteiligung an entsprechenden Strategien hoch. Unterstützungsangeboten wie etwa Lebensmittelkennzeichnungen kommt eine besondere Bedeutung zu. So haben wir als erster Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland entschieden, den Nutri-Score auf unseren Eigenmarken zu implementieren. Wir sind davon überzeugt, dass der Nutri-Score eine gute Hilfestellung bietet, eine vereinfachte Darstellung und damit eine Orientierungshilfe für die Endverbraucher:innen innerhalb einer Produktgruppe zu geben. Mittlerweile sind über 80 Prozent des Eigenmarken-Sortiments von REWE und PENNY mit dem Nutri-Score gekennzeichnet, bis Mitte des Jahres wollen wir alle Eigenmarken umgestellt haben.

Um eine Nährwertkennzeichnung jedoch in der Breite umzusetzen, braucht es vor allem Erklärungsarbeit bei den Verbraucher:innen, die sich nicht so sehr mit ihrer Ernährung beschäftigen. Der Nutri-Score ist nicht selbsterklärend: Es bedarf umfassender, politisch flankierter Informationskampagnen, um die Wirkweise des Nutri-Scores zu erklären; gerade dann, wenn es – wie es aktuell passiert – Anpassungen im Algorithmus des Nutri-Scores gibt. Dies kann nicht allein Aufgabe der Handelsunternehmen sein.

Um die Vergleichbarkeit innerhalb einer Produktgruppe zu ermöglichen, müssen möglichst viele Produkte mit einem solchen Label gekennzeichnet werden. Neben einigen EU-Mitgliedstaaten, die sich gegen eine Kennzeichnung aussprechen, gibt es immer noch zahlreiche Unternehmen, die den Nutri-Score nicht auf ihren Produkten platzieren möchten. Die REWE Group begrüßt die Anstrengungen der Bundesregierung, sich für ein europaweit einheitliches, verbindliches Nährwertkennzeichen, bestenfalls den Nutri-Score, stark zu machen. Mir ist bewusst, dass diese Debatte in Europa mit vielen Emotionen geführt wird und sich zahlreiche Länder massiv gegen das Modell des Nutri-Scores wehren. Eine Anerkennung des Nutri-Scores in allen europäischen Mitgliedsstaaten halte ich dennoch für ein erstrebenswertes (Zwischen-)Ziel.

Die REWE Group begrüßt die Anstrengungen der Bundesregierung, sich für ein europaweit einheitliches, verbindliches Nährwertkennzeichen, bestenfalls den Nutri-Score, stark zu machen.

Charlotte Rosendahl, Geschäftsleitung das Qualitätsmanagement der REWE Group
Porträt von Charlotte Rosendahl
Charlotte Rosendahl, Geschäftsleitung das Qualitätsmanagement der REWE Group

Die Einführung des Nutri-Scores bei der REWE Group ist nur eine Säule unseres Engagements. Wir beobachten an den Kaufentscheidungen unserer Kund:innen, dass gewisse Themen sich über die Jahre zu Trends entwickelt haben, wie beispielsweise Substitute für Milch oder Fleischalternativen. Pflanzliche Ernährung spielt dabei in unserem Gesamtmarketing und in unserer Eigenmarkenstrategie eine große Rolle. Wir versuchen unter anderem, die Käufer:innen, die Bio-Produkte bevorzugen, durch unsere Produkte von „REWE Bio+vegan“ oder Naturgut (bio) beziehungsweise Food For Future (vegan) gleichzeitig von ökologischer und veganer Ernährung zu überzeugen. Unabhängig davon ist es als breit aufgestellter Lebensmittelkonzern seit jeher unser Anspruch, den Kund:innen der REWE Group ein vielfältiges Sortiment anbieten zu können. Daran wollen wir auch in Zukunft festhalten und unsere Sortimente weiter ausbauen.

Wir verstehen uns beim Thema bewusster Ernährung als Partner unserer Kund:innen. Daher beteiligt sich die REWE Group von Beginn an der vom BMEL initiierten Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten. 2018 haben wir ein internes Programm zur Zucker- und Salzreduzierung ins Leben gerufen. Wir stellen unsere Eigenmarkenprodukte kontinuierlich im Hinblick auf ihre Nährwerte zwecks Optimierung auf den Prüfstand, immer unter Berücksichtigung der Qualität. Kinder stehen nicht im Fokus unserer Marketingaktivitäten, bei den genannten Reduktionsprogrammen achten wir aber selbstverständlich auf die spezifischen Bedürfnisse. Wir sind der festen Überzeugung, dass man das Entscheidungsvermögen der Verbraucher:innen nicht unterschätzen sollte. Neben unseren Reduktionsprogrammen sind wir daher seit Jahren in verschiedenen Gremien aktiv. Die Forcierung von Ernährungsbildung und Informationskampagnen sehen wir als Schlüssel, damit unsere Kund:innen – jung wie alt – aufgeklärte Entscheidungen treffen.

Die Forcierung von Ernährungsbildung und Informationskampagnen sehen wir als Schlüssel, damit unsere Kund:innen – jung wie alt – aufgeklärte Entscheidungen treffen.

Charlotte Rosendahl, Geschäftsleitung das Qualitätsmanagement der REWE Group
Porträt von Charlotte Rosendahl
Charlotte Rosendahl, Geschäftsleitung das Qualitätsmanagement der REWE Group

Das im Eckpunktepapier erklärte Ziel der Bundesregierung, Lebensmittelverluste in jedem Sektor zu reduzieren, begrüßen wir als Händler grundsätzlich. Gleichzeitig stellen wir immer wieder fest, wie viel Verantwortung dem Handel beim Thema Lebensmittelverschwendung übertragen wird und wie wenig die privaten Haushalte in den Blick genommen werden. REWE und PENNY verkaufen im Jahresdurchschnitt bereits 98 Prozent der angebotenen Lebensmittel. Es liegt in unserem ureigensten Interesse – ökonomisch, ökologisch wie sozial –, möglichst viele Waren zu verkaufen. So optimieren wir unsere Logistik- und Lagerkapazität mit dem Ziel, Verluste weitgehend zu vermeiden. Von den übrigen zwei Prozent spendet die REWE Group einen großen Teil an die bundesweiten Tafelinitiativen in Deutschland – und das bereits seit 1996. Auch möchte ich betonen, dass in den Containern des Lebensmitteleinzelhandels häufig nur Produkte landen, die nicht mehr für den Verzehr geeignet sind. Dies können schadhafte Artikel, zum Beispiel mit Schimmelbildung, oder gar Produkte aus einem Rückruf sein, von denen sogar eine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit ausgehen kann. Daher bewertet die REWE Group die Praxis des Containerns als sehr kritisch. Vielmehr plädieren wir dafür, dass die Bundesregierung karitative Einrichtungen wie die Tafeln infrastrukturell und finanziell unterstützt, um Lebensmittelspenden im großen Stil zu ermöglichen.

Auf dem Weg zur Ernährungsstrategie der Bundesregierung beteiligen wir uns jederzeit gerne.

Ihre
Charlotte Rosendahl

Porträt von Charlotte Rosendahl
Über:
Charlotte Rosendahl
Geschäftsleitung das Qualitätsmanagement der REWE Group

verantwortet als Geschäftsleitung das Qualitätsmanagement der REWE Group.

Über die REWE Group

Die genossenschaftliche REWE Group ist einer der führenden Handels- und Touristikkonzerne in Deutschland und Europa. Im Jahr 2023 erzielte das Unternehmen einen Gesamtaußenumsatz von über 92 Milliarden Euro. Die 1927 gegründete REWE Group ist mit ihren rund 390.000 Beschäftigten in 21 europäischen Ländern präsent.

 

Zu den Vertriebslinien zählen Super- und Verbrauchermärkte der Marken REWE, REWE CENTER sowie BILLA, BILLA PLUS und ADEG, der Discounter PENNY, IKI, die Drogeriemärkte BIPA sowie die Baumärkte von toom. Hinzu kommen die Convenience-Märkte REWE To Go und die E-Commerce-Aktivitäten REWE Liefer- und Abholservice sowie Zooroyal und Weinfreunde. Die Lekkerland Gruppe umfasst die Großhandels-Aktivitäten der Unternehmensgruppe im Bereich der Unterwegsversorgung. Zur Touristik gehören unter dem Dach der DERTOUR Group über 2.100 Reisebüros, Veranstalter sowie Hotelmarken und Online-Reiseportale.