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Drei Fragen an NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann
Ob die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder Maßnahmen, die Inklusion fördern und bei der Pflege von Angehörigen unterstützen: Karl-Josef Laumann, langjähriger Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, treibt diese Themen mit viel Überzeugung und persönlichem Engagement voran – auch im direkten Austausch mit Unternehmen wie der REWE Group. In unserem Format „Drei Fragen an…“ erläutert er, wie er die REWE Group bei diesen Themenfeldern wahrnimmt und inwiefern derlei Maßnahmen auch dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken.
Lesezeit: 6 Min.
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Ihr Ministerium hat sich den Claim „Mit Menschen für Menschen“ gegeben. Wenn Sie diesen Ansatz auf Arbeitgeber übertragen, auf welche Werte und Maßnahmen legen Sie besonderen Wert?
Für unser Ministerium – und auch für mich persönlich – bedeutet unser Leitbild, im Dienst der Menschen in Nordrhein-Westfalen zu stehen.
Unser Ziel ist es, eine gerechte Sozialpolitik und gute gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu gestalten. Das treibt uns jeden Tag an.
Nach diesem Leitbild und als Anhänger der christlichen Soziallehre erwarte ich von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, dass ihre Beschäftigten ihren fairen Anteil an Unternehmensgewinnen erhalten und gut leben können. Die Beschäftigten machen die wirtschaftlichen Erfolge möglich, ihnen stehen stabile und fair entlohnte Arbeitsverhältnisse und gute Arbeitsbedingungen zu. Das sind für mich die Grundpfeiler für die wirtschaftliche und soziale Stabilität in unserem Land.
Außerdem halte ich die betriebliche Mitbestimmung der Beschäftigten für essentiell. Sie gehört zur DNA Nordrhein-Westfalens und ich bin überzeugt: wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Entscheidungen einbezogen werden, fühlen sie sich wertgeschätzt und sind motivierter, sich für die gemeinsamem Ziele einzusetzen. Studien zeigen außerdem klar: Unternehmen mit aktiver Mitbestimmung sind erfolgreicher, innovativer und resilienter.
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Als 500. Betrieb hat die REWE Group kürzlich die Charta zur „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ unterzeichnet. Eine Initiative Ihres Hauses, bei der sich Unternehmen, Behörden und Organisationen verpflichten, sich besonders für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege einzusetzen und damit auch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten. Ein emotionales und forderndes Thema. Von Ihrem Austausch auch mit anderen Unternehmen, welche Projekte sind Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?
Also erst einmal freue ich mich sehr, was bei der REWE Group alles umgesetzt wird. Als erstes großes Handelsunternehmen hat sie sich beim NRW-Landesprogramm zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege engagiert. Das ist besonders relevant vor dem Hintergrund, dass zwei Drittel der Beschäftigten Frauen sind, die den Hauptanteil bei der Pflege stemmen. Das etablierte REWE-Konzept von lebensphasenorientierter Selbsthilfekompetenz LoS! und das im Rahmen des Landesprogramms bewährte Modell Betrieblicher Pflege-Guides unterstützen Erwerbstätige mit privater Pflegeverantwortung außerdem ganz niedrigschwellig.
Mit Blick auf andere Unternehmen gefällt es mir in mittelständischen Familienbetrieben besonders, wenn den Beschäftigten ganz handfest beim Ausfüllen von Formularen und im Kontakt mit Pflegekassen und Dienstleistern geholfen wird. Das ist besonders für die, die keinen Bürojob haben, eine spürbare Erleichterung.
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Ein weiteres Thema, das Ihnen sehr am Herzen liegt, ist das der Inklusion. Die „Gemeinsamen Initiative zur Stärkung der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt Nordrhein-Westfalens“ war kürzlich zu Gast bei REWE-Kaufmann David Hegemann in Meerbusch. Sie konnten dort in der Praxis erleben, wie die Zusammenarbeit von Unternehmen und Unterstützungssystemen Menschen mit Behinderung in Arbeit bringen und wie die REWE-Region West hier mit einem eigenen Projekt Maßstäbe setzt. Was haben Sie von diesem Besuch mitgenommen und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Der Besuch hat mir erneut gezeigt, wie wichtig gelungene Zusammenarbeit zwischen engagierten Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern und den Unterstützungssystemen ist: Wenn alle an einem Strang ziehen, kann echte Teilhabe am Arbeitsleben gelingen. Beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich Inklusion bereits gelebt wird. Ich habe einen jungen Mann kennengelernt, der als erster Auszubildender mit Beeinträchtigung im REWE-Markt Hegemann gestartet ist. Herr Hegemann berichtetet mir außerdem, dass er für sich und seine Beschäftigten mit Behinderung die Möglichkeit einer dreimonatigen Probebeschäftigung über die Agentur für Arbeit nutzt. Ich glaube, dieses Modell stärkt die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt.
Gerade in Zeiten des Arbeits- und Fachkräftemangels dürfen wir das Potenzial von Menschen mit Behinderungen nicht ungenutzt lassen. Während wir in Nordrhein-Westfalen etwa 130.000 offene Stellen haben, waren im April 56.740 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Das kann nicht sein. Deshalb haben wir die Inklusionsinitiative gestartet. Unternehmen wie REWE Hegemann zeigen, dass es mit Offenheit, Motivation und dem Mut, neue Wege zu gehen, möglich ist, Vorbehalte abzubauen und Barrieren zu überwinden. Die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, dem Inklusionsamt und weiteren Partnern ist ein vorbildhaftes Erfolgsmodell – für viele andere Betriebe in Nordrhein-Westfalen.
Ich wünsche mir, dass Inklusion am Arbeitsplatz zur Selbstverständlichkeit wird und wir noch mehr Unternehmen motivieren können, diesen Weg zu gehen. Unser Ziel als Land ist es, gemeinsam mit unseren Partnern die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, damit Menschen mit Behinderungen die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten – und Unternehmen von ihrer Vielfalt profitieren.
Über:
Karl-Josef Laumann
Karl-Josef Laumann (CDU) ist seit 2017 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.