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Sebastian Stein: Vom nahkauf-Vertriebschef zum REWE-Kaufmann
Sebastian Stein weiß die Kennzahlen seines Marktes aus dem Effeff und verbindet sie mit kaufmännischem Geschick, Gespür für Kund:innen und Menschenkenntnis. Seine Laufbahn führte ihn vom Kassierer über den Marktleiter bis zum Vertriebsleiter bei nahkauf. Heute ist er selbstständiger REWE-Kaufmann in Nieheim.
Lesezeit: 5 Min.
Auch wenn es mit dem IT-Studium am Ende nichts geworden ist: Seinen Bezug zu Zahlen hat sich Sebastian Stein bewahrt. Er hat sie nach wie vor im Blick – buchstäblich zusammen mit seiner Frau Sandra auf dem PC-Monitor im Marktleiterbüro, aber auch jederzeit im Gespräch. Fragt man ihn nach den Kennziffern seines REWE-Marktes, kommen sie wie aus der Pistole geschossen. Kein Wunder: Zahlen, Daten und Fakten begleiten den 40-Jährigen sein ganzes bisheriges Berufsleben. Zusammen mit kaufmännischem Geschick und einem feinen Gespür für Kund:innenwünsche bildet das Zahlenverständnis die solide Grundlage für seinen Einstieg in die Selbstständigkeit.
Warum zurück in den Markt?
Ganz offen gesagt: die Fahrzeiten und die Arbeitszeiten
, berichtet Stein. Als Vertriebsleiter bei nahkauf habe er 40 bis 50 Übernachtungen pro Jahr gehabt, viele Sitzungen, lange Tage. “Zwölf bis 14 Stunden unterwegs – das war mir irgendwann schlicht zu viel. Ich habe einen vierjährigen Sohn, den ich auch mal ins Bett bringen möchte.“
Der richtige Zeitpunkt: Familie und Neubau
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist der Richtige gewesen, keine Frage. Ich kann Familie und Beruf viel besser unter einen Hut bringen – das war der Hauptgrund. Der andere war der Standort mit der tollen Perspektive des Neubaus direkt gegenüber
, so Stein. Endlich können wir unseren Kund:innen den vollen Service bieten.
Der alte Markt sei über 30 Jahre am Netz gewesen und wurde zuletzt umgebaut, als er noch Azubi war. Als Nieheim vakant wurde, ging alles schnell: Assessment Center, Standortkommission, und neun Wochen später wusste ich, dass ich den Markt zum 1. Januar übernehmen konnte.
Rückhalt und Netzwerk
Seine Frau Sandra arbeitet an seiner Seite und unterstützt ihn im Büro. Wenn sie nicht hinter mir gestanden hätte, hätte ich das nicht gemacht. Dafür wäre mir der Preis zu hoch gewesen.
Geholfen hat ihm auch sein Netzwerk aus der Außendienstzeit: Bei nahkauf habe ich den Umgang mit Kommunen gelernt, mit Bauträgern und vielen Stakeholdern. Ein Termin mit dem Bürgermeister ist heute Routine – man geht offener und besser vorbereitet in solche Gespräche. Auch Menschenkenntnis und Diplomatie helfen, gemeinsame Ziele zu erreichen.
Welche Rolle spielt die REWE als Genossenschaft? Ohne die REWE hätte ich mich nicht so einfach selbstständig machen können
, ist er sicher. Vieles sei exzellent vorbereitet, jeder Schritt klar aufgezeigt. Ich kann über mein Außendienst-Team nur sagen, dass es hervorragend funktioniert. Mario Voigt, Gebietsmanager Ware, hat mir extrem gut beim Einrichten der Theke geholfen und das Team geschult. Dazu ist er mindestens einmal die Woche bei uns, um das neue Thekenteam zu unterstützen.
Zusammenhalt und Gemeinsamkeit
Mit der Genossenschaft verbindet Stein „Gemeinsamkeit, Zusammenhalt und Netzwerk“. Besonders schätzt er die Mitbestimmung: Ich war als Vertriebsleiter und als Betriebsberater auf vielen Genossenschaftstagungen. Da bringen Kaufleute Themen ein und gestalten als
Themenexpert:innen mit – das gibt es so bei anderen Unternehmen nicht. Wenn mein Markt zwei Jahre am Netz ist, würde ich gerne als Themenexperte Ware oder IT aktiv werden.
Sein Rat: einfach durchziehen
Nach seiner Beobachtung beschäftigen sich viele mit der Selbstständigkeit, machen das Assessment Center – und bewerben sich dann doch nie final. Sein dringender Rat: Wenn man das einmal durchgezogen hat, lohnt es sich, sein eigener Chef zu sein. Das macht richtig Spaß. Natürlich trägt man Verantwortung – für die Familie, die Mitarbeitenden und die Kund:innen. Aber wenn man Bock auf Menschen und auf den Handel hat, ist das der richtige Schritt.