Nachhaltigkeit

4. Juni 2024

Kooperation mit Fairtrade: toom goes Kenia

Lesezeit: 6 Min.

Als erster Händler in Deutschland startete toom 2022 mit Fairtrade Deutschland ein Pilotprojekt für mehr Stecklinge mit Fairtrade-Siegel. Für die Arbeiter:innen bringt die Fairtrade-Zertifizierung viele Vorteile wie feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Mindestlohn und Prämien. Unsere Kollegin Ribanna Jansen ist bei toom für das Thema zuständig und war vor Ort in Kenia. Welche Eindrücke sie von ihrer Reise mitgebracht hat, und wie die weiteren Pläne für das Projekt sind, hat sie uns im Interview erzählt.

Was viele Menschen hierzulande nicht wissen: Ursprünglich stammt der Weihnachtsstern nicht aus Europa, sondern aus Ostafrika, wo die Stecklinge teils unter schwierigen Bedingungen für die Arbeiter:innen produziert werden. Damit sich das ändert, vertreibt toom deutschlandweit bereits seit 2015 ausschließlich Fairtrade zertifizierte Weihnachtssterne. Auch REWE bietet zu Weihnachten Fairtrade zertifizierte Weihnachtssterne an.

Durch das gemeinsame Pilotprojekt von toom und Fairtrade Deutschland werden die Fairtrade-Prämieneinnahmen der Arbeiter:innen in Ländern des globalen Südes erhöht, die Kosten im globalen Norden reduziert und so Fairtrade- Stecklinge zu einer echten nachhaltigeren Alternative zu herkömmlichen Stecklingen.

Für die Arbeiter:innen bringt die Fairtrade-Zertifizierung viele Vorteile: Feste Arbeitsverträge und Mutterschutz sind zwei ganz entscheidende Aspekte. Zudem erhalten sie einen Mindestlohn und profitieren von der Fairtrade-Prämie. Ergänzend zur regulären Fairtrade-Prämie zahlt toom außerdem eine Extra-Prämie. Dies wird von der unabhängigen Zertifizierungsorganisation FLOCERT bei den Importeuren und bei toom überprüft.

Im Zuge des Projekts wurden Stecklingsfarmen in Kenia Fairtrade-zertifiziert. Als Team Lead Sustainability & Business Operations Plants ist Ribanna zuständig für sämtliche Nachhaltigkeitsthemen rund um Topfpflanzen bei toom, REWE und PENNY, und arbeitet in unserem Pflanzenlager in Bottrop. Um das Fairtrade -Versprechen von toom zu gewährleisten, ist sie nach Kenia geflogen, um sich mit den Gegebenheiten auf den Stecklingsfarmen vertraut zu machen. Wir haben sie danach interviewt.

Pflanztische im Gewächshaus mit Pflanzen darauf

Gewächshaus in Kenya

Ribanna, aus welchen Gründen genau bist du nach Kenia geflogen?

Ribanna Jansen: In erster Linie, um mir vor Ort ein Bild von den Farmen zu machen. Aber es war auch wichtig, mit dem Managementteam der Farmen darüber zu sprechen, wie Prozesse weiter verbessert werden können. Von den Arbeiter:innen wollte ich erfahren, was Fairtrade für sie bedeutet und was sie mit den Prämieneinnahmen machen möchten und schauen, wie wir das Thema gemeinsam mit den Farmen, den Jungpflanzenunternehmen, die die Farmen im globalen Süden betreiben, und auch mit Fairtrade selbst weiter nach vorne treiben können.

 

Porträt von Ribanna Jansen
Über:
Ribanna Jansen

ist Team Lead Sustainability & Business Operations Plants bei toom Baumarkt.

Was hast du dir alles angesehen?

Ribanna Jansen: Insgesamt habe ich mir vier Stecklingsfarmen und eine Schnittrosenfarm angesehen. Bei den beiden neu Fairtrade-zertifizierten Farmen haben wir eine umfangreiche Besichtigung gemacht. So habe ich mir neben den Gewächshäusern auch gleich die Sozialeinrichtungen ansehen können.

Die Farmen bieten einem Teil der Belegschaft Wohnmöglichkeiten auf dem Farmgelände. Darüber hinaus gibt es dort oft Einrichtungen wie einen Kindergarten, eine Vorschule, eine Arztpraxis oder eine Kantine. Eine Farm verfügte über eine Naturkläranlage sowie ein System zur Trinkwasseraufbereitung, die wir uns angesehen haben. Das ist unglaublich viel wert! Denn die Region Naivasha, wo viele Stecklingsfarmen angesiedelt sind, liegt im Rift Valley, also am Großen Afrikanischen Grabenbruch. Die Region hat sehr Fluorid-haltiges Wasser, was zu Schäden an den Zähnen und porösen Knochen bei den Menschen führt, die das Wasser ungefiltert zu sich nehmen.

Darüber hinaus habe ich auch das Büro von Fairtrade Africa in Naivasha besucht, und mich mit den Fairtrade-Mitarbeitenden dort über das Pilotprojekt ausgetauscht.

Was hat dich am meisten beeindruckt? Und was ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Ribanna Jansen: Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Gespräche mit den Vertreter:innen der Fairtrade Prämienkomitees der beiden neu Fairtrade zertifizierten Farmen. Die Mitarbeiter:innen sind sehr stolz darauf, nun auf einer Fairtrade zertifizierten Farm zu arbeiten und setzen viel Hoffnung in das Projekt. Bewegend war zu hören, was sie mit den ersten Prämieneinnahmen machen möchten. So möchte ein Komitee eine Bushaltestelle für den Schulbus bauen, damit die Kinder der Arbeiter:innen nicht mehr morgens und abends im Dunkeln und über ungesicherte Straßen drei Kilometer von der Farm zur Schule und zurück laufen müssen. Das sind Themen, mit denen wir uns in Deutschland zum Glück nicht beschäftigen müssen. Dort sind sie aber Realität und ich bin froh, dass nach Lösungen gesucht wird.

Mit am bewegendsten war für mich der Besuch eines Kinderheims, welches von einer der beiden neu Fairtrade zertifizierten Farmen finanziell unterstützt wird. Dort wohnen ca. 45 Jungen, welche aus diversen Gründen von ihren Familien getrennt wurden und auf der Straße lebten, bevor sie in die Einrichtung kamen. Die Kinder bekommen im Heim regelmäßige, einfache Mahlzeiten und Schulunterricht. Zudem wird versucht, sie wieder mit ihren Familien zusammenzuführen.

Bei einer Farmführung bei Florensis Kenya ging es insbesondere um die Qualitätsanforderungen und die Vorgehensweise bei der Stecklingsernte.

Wie wird es mit dem Projekt weitergehen?

Ribanna Jansen: Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Pilotprojekt für den diesjährigen Fairtrade Award in der Kategorie Wirtschaft nominiert sind. Die Verleihung findet im Juni in Berlin statt. In 2024 liegt unser Fokus darauf, das Fairtrade Sortiment bei toom weiter auszubauen, derzeit auf knapp 100 Artikel. Zudem arbeiten wir mit Fairtrade Deutschland und Fairtrade International daran, die im Pilotprojekt erprobten Maßnahmen und Vorgehensweisen in den allgemeinen Fairtrade Zierpflanzenstandard zu überführen und so dem Markt zugänglich zu machen. Damit zukünftig noch mehr Arbeiter:innen auf Stecklingsfarmen im globalen Süden von dem Fairtrade System profitieren.