Nachhaltigkeit

29. Januar 2024

Nachhaltigere Produktion: Das CO₂-freie Gewächshaus

Das innovative Konzept des Betriebs "Gemüsebau Steiner" nutzt die lokalen Gegebenheiten um möglichst regional, ressourcenschonend und umweltfreundlich Gemüse anzubauen.
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Seit zehn Jahren verbindet eine exklusive Partnerschaft „Gemüsebau Steiner“ und die bayerischen REWE-Märkte. Mit dem Energie- und Beleuchtungskonzept ihrer Gewächshäuser gelten sie als Vorzeigeunternehmen in ganz Europa. Wolfgang und Florian Steiner erzählen im Interview, was ihren Betrieb so einzigartig macht.

Auf dem REWE Group-Stand bei der Grünen Woche wurde Ihr Konzept als wegweisend für die ganze Branche vorgestellt. Was macht Ihre Gewächshäuser so besonders?

Wolfgang Steiner: Unsere Gewächshäuser werden zu 95 Prozent durch Erdwärme aus der benachbarten Geothermie-Anlage und dem Rücklauf des Fernwärme-Netz der Gemeinde Kirchweidach beheizt. Dies ist eine zuverlässige und konstante Wärmequelle, unabhängig von Wind und Wetter das ganze Jahr über. Die übrigen fünf Prozent werden aus der Abwärme einer naheliegenden Biogasanlage gewonnen. Mit Hilfe eines Wärmespeichertanks lässt sich die Wärme bedarfsgerecht einsetzen. Die Photovoltaik-Anlage für Eigenstrom auf dem Dach der Betriebshallen versorgt die Gewächshäuser mit Strom.

Florian Steiner: Wir verzichten auf chemischen Pflanzenschutz, setzen ausschließlich auf Nützlinge und verwenden biologisch abbaubare Schnüre. Wir sammeln Regenwasser sowie das Kondenswasser aus den Gewächshäusern in einem großen Becken und haben dadurch einen autarken Wasserhaushalt. Wir verbrauchen also weder CO₂ für die Wärmeversorgung noch kostbares Trinkwasser für die Bewässerung. Wir haben kurze Transportwege in die Lager von REWE und PENNY. Dies bedeutet: wir produzieren regional, ressourcenschonend und umweltfreundlich. Mit diesem nachhaltigen Konzept sind wir einzigartig in Deutschland.

2018 haben Sie sich dazu entschieden, auch Bio-Produkte anzubauen. Was ist der Unterschied im Anbau?

Florian Steiner: Der BIOhof Kirchweidach ist auch in Kooperation mit REWE entstanden, da es eine hohe Nachfrage nach regionalen Bio-Produkten gab. Beim konventionellen Anbau wachsen unsere Pflanzen auf einem Kokossubstrat, ein Abfallprodukt der Kokosnussproduktion. Die Bio-Pflanzen wachsen im nährstoffreichen Mutterboden und werden mit selbstgemachtem Kompost, der aus unseren Pflanzenresten entsteht, gedüngt. Das ergibt einen wunderbaren Nährstoffkreislauf.

In Emmerting haben Sie 2020 das erste Gewächshaus in Deutschland mit 100 Prozent LED-Beleuchtung in Betrieb genommen. Worin liegen die Vorteile?

Wolfgang Steiner: Damit können wir die geringeren Sonnenstunden im Winter kompensieren, erreichen eine längere, intensivere Reifezeit und können auch im Winter reife, süße Tomaten aus der Region anbieten. Im Vergleich zu den bisher üblichen Lampen sparen wir 38 Prozent Energie ein. Auch die Gemeinde Emmerting profitiert von der neuen Belichtungstechnik: Durch die Wärmeleitung zum Gewächshaus können viele Haushalte kostengünstig mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt werden.

Gewächshäuser vor Berglandschaft aus der Vogelperspektive

Ihr Unternehmen stößt immer wieder auf großes Medieninteresse, 2023 haben Sie den Sustainability Impact Award gewonnen. Worauf basiert ihr Erfolg?

Florian Steiner: Diese Auszeichnung macht uns sehr stolz, da sie unser Engagement für die Nachhaltigkeit würdigt. Und eigentlich sind wir ja noch ein Newcomer, unser Betrieb besteht erst seit knapp zehn Jahren! Doch es ist ein rundes Konzept, angefangen von der nachhaltigen Energiequelle über den natürlichen Pflanzenschutz bis hin zur guten Partnerschaft auf Augenhöhe mit REWE.

Wolfgang Steiner: Auch die Produktqualität trägt zu unserem Erfolg bei. Jeder Tag an der Pflanze zählt – unsere Früchte werden vollreif geerntet. Der Geschmack steht bei uns ganz oben, noch vor der Nachhaltigkeit. Damit müssen wir bei den Kund:innen überzeugen.

An welchen Projekten arbeiten Sie im Jahr 2024?

Wolfgang Steiner: Wir haben mittlerweile unseren eigenen Geothermie-Brunnen gebohrt, mit dem wir uns selbst mit Fernwärme versorgen können. Dieser wird im Herbst in Betrieb genommen. Damit stellen wir auch ein Fernwärmekonzept für die ganze Region auf die Beine. Daneben möchten wir noch weitere Produkte ins Sortiment nehmen.