Warum ist der Kölner Kulturfonds aus Ihrer Sicht ein wichtiger Impuls für Köln?
Interview mit Dr. Juana von Stein zum Start des Kölner Kulturfonds
Mit dem Kölner Kulturfonds entsteht ein neues Förderinstrument, das Kulturakteur:innen den Zugang zu zusätzlichen Fördermitteln erleichtern soll. Ermöglicht durch die Unterstützung der REWE GROUP, setzt der Fonds ein starkes Zeichen für die Förderung der Freien Kulturszene und den Kulturstandort Köln. Im Interview spricht Juana von Stein (Leiterin des Kölner Kulturamts) über die Bedeutung des Fonds und die Chancen, die sich daraus für die Kölner Kultur ergeben
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Dr. Juana von Stein: Mich überzeugt an dem Kulturfonds vor allem seine Hebelwirkung. In der Freien Szene gibt es viele hervorragende Ideen. Aber manchmal fehlt ausgerechnet der Eigenanteil, der notwendig ist, um Fördermittel von Bund oder EU überhaupt beantragen zu können. Genau da setzt der Fonds an. Mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln können wir ermöglichen, dass deutlich größere Fördersummen nach Köln kommen. Aus einem Euro für den Fonds können so im besten Fall mehrere Euro für die Kultur in Köln werden. Das ist ein sehr konkreter und wirkungsvoller Impuls.
Welche Rolle spielt die Freie Kulturszene für unsere Stadt?
Dr. Juana von Stein: Die Freie Szene gehört zur kulturellen DNA Kölns. Sie ist experimentierfreudig, vielfältig, manchmal unbequem – und genau das braucht eine lebendige Kulturstadt. Hier entstehen neue Ideen, neue Formate und oft auch internationale Verbindungen. Vieles von dem, was Köln kulturell spannend und unverwechselbar macht, beginnt in der Freien Szene. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass gute Ideen nicht an fehlenden finanziellen Spielräumen scheitern.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit zwischen Stadt Köln, Kölner Kulturrat und REWE GROUP bei diesem Projekt?
Dr. Juana von Stein: Was mir an dieser Zusammenarbeit besonders gefällt, ist, dass jeder Partner etwas anderes einbringt. Die Stadt kennt die Kultur- und Förderlandschaft und bringt ihre fachliche Expertise ein. Der Kölner Kulturrat agiert an der Schnittstelle und kennt die Bedarfe auf beiden Seiten sehr genau. Und die REWE GROUP hat mit ihrem Engagement von 100.000 Euro den entscheidenden Anstoß gegeben, aus einer guten Idee ein konkretes Instrument zu machen. Das zeigt, was möglich ist, wenn ganz verschiedene Akteure gemeinsam Verantwortung für Köln übernehmen.
Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für den Kulturstandort Köln durch den Kölner Kulturfonds?
Dr. Juana von Stein: Ich wünsche mir, dass der Fonds Türen öffnet. Zu Förderprogrammen, zu größeren Projekten, aber auch zu neuen Kooperationen und internationalen Partnerschaften. Wenn es uns gelingt, zusätzliche Bundes- und EU-Mittel nach Köln zu holen, stärken wir damit nicht nur die Freie Szene. Der Mehrwert kommt unmittelbar den Kölnerinnen und Kölnern zugute. Denn am Ende entstehen daraus neue Produktionen, Veranstaltungen und kulturelle Angebote, die das Publikum erleben kann und die die kulturelle Vielfalt unserer Stadt bereichern. Der Fonds schafft also Möglichkeiten für Künstler*innen und zugleich neue kulturelle Erlebnisse für die Menschen in Köln. Und natürlich wäre es großartig, wenn das Engagement der REWE GROUP weitere Unternehmen und Stiftungen motiviert, sich ebenfalls zu beteiligen und diese Wirkung gemeinsam zu vergrößern.
Wenn Sie einige Jahre in die Zukunft blicken: Was würden Sie sich wünschen, dass der Kölner Kulturfonds für Köln bewirkt hat?
Dr. Juana von Stein: Mein Wunsch wäre, dass wir irgendwann sagen können: Aus diesem Fonds sind Projekte entstanden, die es sonst nicht gegeben hätte. Dass wir ein Vielfaches der eingesetzten Mittel nach Köln holen konnten und Künstler*innen Chancen bekommen haben, die ihnen vorher verschlossen waren. Und ich würde mir wünschen, dass aus dem heutigen Start ein dauerhaftes Bündnis für die Kultur in Köln geworden ist – mit vielen Partnern, die gemeinsam dafür sorgen, dass gute Ideen in dieser Stadt nicht am fehlenden Eigenanteil scheitern.
Dr. Juana von Stein
Kulturamtsleiterin der Stadt Köln
Dr. Juana von Stein leitet seit 2025 das Kulturamt der Stadt Köln. Nach der Promotion in Romanistik war sie für das Goethe-Institut tätig: zunächst mit einem Schwerpunkt auf Kulturprojekten weltweit, dann als Direktorin des Goethe-Instituts Bonn. Dr. Juana von Stein ist 41 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie mitten in Köln.