Porträt von Christoph Debus

Unternehmen

26. August 2026

„Ein Signal für Qualität, Verlässlichkeit und Schutz“

Ein Gütesiegel für Pauschalreisen, dies fordert Christoph Debus, CEO der DERTOUR Group. Wie der Deutsche Reisesicherungsfonds, die Absicherung für Pauschalreisen, konkret weiterentwickelt werden könnte und welches Land hier als Vorbild taugt, erläutert Christoph Debus in unserem Format „Stimme des Monats“.

Lesezeit: 5 Min.

Liebe Leser:innen,

wenn Menschen ihren Urlaub buchen, investieren sie nicht nur Geld, sondern auch Vorfreude, Vertrauen und oft die wertvollste Zeit des Jahres. Deshalb ist für mich wichtig, die jüngste Diskussion um den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) richtig einzuordnen: Der DRSF ist richtig und notwendig. Er steht für Schutz, Sicherheit und Orientierung, zentrale Werte für Verbraucher:innen bei der Buchung einer Pauschalreise. Seit dem 1. November 2021 sorgt der DRSF als zentraler Absicherer für Verlässlichkeit: Im Insolvenzfall erhalten Reisende ihr Geld zurück oder werden vor Ort betreut und sicher nach Hause gebracht. 

Der DRSF ist gleichzeitig nur ein Baustein eines viel größeren Sicherheitsversprechens: Die Pauschalreise. Wer eine Pauschalreise bucht, entscheidet sich als Verbraucher:in für das am besten geschützte Produkt am Markt. Reisende profitieren von klaren gesetzlichen Ansprüchen, einem verlässlichen Ansprechpartner vor und während der Reise sowie Unterstützung in Ausnahmesituationen wie Flugausfällen, Hotelmängeln, Extremwetterereignissen oder sogar geopolitischen Krisen. Die jüngste Irankrise hat diesen Wert für alle betroffenen Reisenden sehr deutlich gezeigt.  

Dieses Sicherheitsversprechen ist sehr stark und funktioniert.  Wer eine Pauschalreise bucht, kauft nicht nur Urlaub, sondern auch Sicherheit, Orientierung und Unterstützung, wenn etwas mal nicht nach Plan läuft.  Und zu diesem Versprechen stehen wir als DERTOUR Group, dem zweitgrößten Touristikunternehmen in Europa, weiterhin. Dies ist mir wichtig zu betonen. Ebenso wie: Der DRSF kann noch mehr sein.  

Meine Vision für den Fonds? Künftig sollte der DRSF stärker als Gütesiegel für die Pauschalreise verstanden werden: ein sichtbares Zeichen dafür, dass Verbraucher:innen nicht nur abgesichert sind, sondern bei der Buchung einer Pauschalreise auch von einem umfassenden Leistungssystem profitieren, von Krisenbetreuung bis zu verlässlichen Ansprechpartnern entlang der gesamten Reise. Gerade in einem zunehmend unübersichtlichen Markt kann ein solches Gütesiegel Orientierung geben. Der DRSF kann hier zum klaren Anker werden, als Signal für Qualität, Verlässlichkeit und Schutz.  

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt Großbritannien. Mit dem „ATOL Protected“-Siegel existiert dort ein etabliertes System, das Verbraucherinnen und Verbrauchern unmittelbar signalisiert: Diese Reise ist abgesichert. Die Erfahrung zeigt: Sichtbarkeit schafft Vertrauen und stärkt die Nachfrage nach abgesicherten Pauschalreisen. Daraus lässt sich eine klare Lehre ziehen: Verbraucherschutz entfaltet seine Wirkung erst dann voll, wenn er auch verständlich und erkennbar kommuniziert wird. Genau hier liegt meiner Überzeugung nach eine zentrale Entwicklungsstufe für den DRSF.  

Verbraucherschutz entfaltet seine Wirkung erst dann voll, wenn er auch verständlich und erkennbar kommuniziert wird. Genau hier liegt meiner Überzeugung nach eine zentrale Entwicklungsstufe für den DRSF. 

Christoph Debus, CEO der DERTOUR Group

Porträt von Christopher Debus

Christoph Debus, CEO der DERTOUR Group

So klar die Zielsetzung ist, so deutlich sind auch die strukturellen Schwächen, die es jetzt beim Fonds zu beheben gilt. Wie lassen sich beispielsweise Verbraucherschutz und faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen miteinander vereinbaren? Für uns ist klar: Ein Sicherungssystem wie der Deutsche Reisesicherungsfonds darf nicht zu nachträglichen Belastungen oder Planungsunsicherheit bei Reiseveranstaltern wie der DERTOUR Group führen. Vertrauen und Verlässlichkeit sind zentrale Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln. Doch die Entgeltberechnung bei der Fondsgründung erfüllt diese Voraussetzungen leider nicht: Umsätze, die bereits abgesichert waren, wurden erneut herangezogen – mit der Folge einer faktischen Doppelbelastung. Für uns Reiseveranstalter hatte dies bereits erhebliche finanzielle Konsequenzen.  

Andere Reformschritte im Rahmen des DRSF sind angestoßen und Entgelte wurden gesenkt. Das ist der richtige Weg. Dies kann jedoch nur ein Anfang sein. Als Branche haben wir rund eine Milliarde Euro in den Fonds eingebracht. Daraus ergibt sich der Anspruch, die Strukturen weiterzuentwickeln: mit niedrigeren Sicherheiten, einer effizienteren Mittelverwendung und insgesamt ausgewogeneren Rahmenbedingungen.  

Der Fonds hat das Potenzial, weit mehr zu sein als ein Sicherungsinstrument für Verbraucher:innen. Er kann zum zentralen Qualitätsmerkmal der Pauschalreise werden und damit sowohl Reisende schützen als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Branche stärken. Dafür braucht es einen konstruktiven Dialog zwischen Politik, Aufsicht und Branche. Unser Ziel ist klar: den DRSF gemeinsam weiterzuentwickeln zu einem System, das immer den Verbraucherschutz unserer Gäste im Blick hat und gleichzeitig für die Branche transparent und fair ausgestaltet ist. Dabei setzen wir ausdrücklich auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem DRSF und allen beteiligten Akteuren.  

Ihr Christoph Debus

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Christoph Debus

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