{"id":1914,"date":"2019-07-03T10:00:00","date_gmt":"2019-07-03T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rewe-group.com\/?p=1914"},"modified":"2021-07-09T17:17:21","modified_gmt":"2021-07-09T15:17:21","slug":"friedel-huetz-adams-suedwind-und-fachbeirat-nachhaltigkeit-der-rewe-group-die-genaue-herkunft-der-waren-muss-bekannt-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/presse-und-medien\/newsroom\/stories\/friedel-huetz-adams-suedwind-und-fachbeirat-nachhaltigkeit-der-rewe-group-die-genaue-herkunft-der-waren-muss-bekannt-sein\/","title":{"rendered":"Friedel H\u00fctz-Adams, S\u00dcDWIND und Fachbeirat Nachhaltigkeit der REWE Group: \u201eDie genaue Herkunft der Waren muss bekannt sein\u201c"},"content":{"rendered":"\n
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Je l\u00e4nger und komplexer Lieferketten sind, umso h\u00f6her ist das Risiko f\u00fcr Menschenrechtsverletzungen. Gem\u00e4\u00df internationalen Abkommen stehen zwar zun\u00e4chst die jeweiligen Regierungen in der Pflicht, Kinderarbeit, Hungerl\u00f6hne und moderne Formen der Sklaverei zu verhindern, doch wo dies nicht geschieht, m\u00fcssen Unternehmen handeln. Friedel H\u00fctz-Adams, Mitarbeiter bei S\u00dcDWIND und Mitglied im Fachbeirat Nachhaltigkeit der REWE Group mit Fokus auf das Thema Menschenrechte, erl\u00e4utert die komplexen Anforderungen im globalen Handel und welche Antworten Unternehmen darauf finden k\u00f6nnen. <\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n <\/div><\/div>\n\n\n\n

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\u201eRisiken steigen, je l\u00e4nger die Lieferkette ist\u201c<\/h2>\n

Wer einen Supermarkt betritt, findet dort Produkte aus unterschiedlichsten L\u00e4ndern. Ein gro\u00dfer Teil dieser Produkte wird unter vertretbaren Bedingungen angebaut oder hergestellt, doch es gibt zugleich in vielen Bereichen \u00f6kologische und soziale Probleme. \u00d6kologische Missst\u00e4nde, darunter Pestizidbelastungen, Abholzung von W\u00e4ldern oder hohe Treibhausgasemissionen, sind in der Regel relativ gut erfassbar. Wesentlich kontroverser wurde dagegen lange \u00fcber die Frage gestritten, wer f\u00fcr Menschenrechtsverletzungen in der Produktionskette verantwortlich ist \u2013 und wer handeln muss, um diese zu beenden.<\/p>\n

Diese Menschenrechtsverletzungen m\u00fcssen nicht irgendwo weit weg geschehen \u2013 auch in Europa sind wir nicht davor gefeit. Doch grunds\u00e4tzlich ist es so, dass die Risiken steigen, je l\u00e4nger die Lieferkette ist. Insbesondere, wenn Produkte aus weit entfernten L\u00e4ndern stammen, wird die Verantwortung f\u00fcr Missst\u00e4nde gerne zwischen staatlichen Stellen, dem Gesetzgeber und den an der Wertsch\u00f6pfungskette beteiligten Unternehmen hin und her geschoben. Dabei ist aber immer zu bedenken: Kinderarbeit, Hungerl\u00f6hne, moderne Formen der Sklaverei etc. sind dort, wo sie vorkommen, gem\u00e4\u00df nationalem Recht wie auch internationalen Abkommen verboten.<\/p>\n <\/div>\n\n <\/div>\n<\/div>\n\n

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\n \"Portr\u00e4t\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n
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\u00dcber:<\/h2>

\n Friedel H\u00fctz-Adams <\/p>\n\n

Experte f\u00fcr Soziales und Arbeit im Fachbeirat Nachhaltigkeit<\/p>\n \n

\n Friedel H\u00fctz-Adams ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des S\u00dcDWIND e. V., Institut f\u00fcr \u00d6konomie und \u00d6kumene. Dort besch\u00e4ftigt er sich mit den Zusammenh\u00e4ngen zwischen Armut und Missst\u00e4nden in Entwicklungsl\u00e4ndern einerseits und dem Verhalten von Wirtschaft, Politik, Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland andererseits. Derzeit ist Friedel H\u00fctz-Adams unter anderem auch im Lenkungsausschuss des Forums Nachhaltiger Kakao t\u00e4tig. <\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n

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Auch Unternehmen m\u00fcssen sich k\u00fcmmern<\/h2>\n

Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat im Jahre 2011 die Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte<\/q> verabschiedet. In diesen wird festgestellt, dass die \u00dcberwachung der Einhaltung von Menschenrechten in erster Linie Aufgabe von Regierungen ist. Kommen sie dieser Aufgabe nicht nach, m\u00fcssen Unternehmen aktiv werden, um in ihrer Wertsch\u00f6pfungskette Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.<\/p>\n

Dies stellt Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel vor gro\u00dfe Herausforderungen. Unternehmen beziehen alleine f\u00fcr ihre Eigenmarken tausende Produkte aus unterschiedlichsten Staaten von einer gro\u00dfen Zahl von Lieferanten. Dazu geh\u00f6ren nicht nur Fabriken, in denen Produkte gefertigt werden, sondern auch weltweit Landwirte, die letztendlich nichts anderes als kleine selbst\u00e4ndige Betriebe sind.<\/p>\n <\/div>\n\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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Unternehmen sollten ein mehrstufiges Verfahren etablieren<\/q><\/p>\n<\/blockquote>\n <\/div>\n

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Friedel H\u00fctz-Adams, Experte f\u00fcr Soziales und Arbeit im Fachbeirat Nachhaltigkeit<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n

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\n \"Portr\u00e4t\n<\/div>\n <\/div>\n

Friedel H\u00fctz-Adams, Experte f\u00fcr Soziales und Arbeit im Fachbeirat Nachhaltigkeit<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n

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In den Leitprinzipien der Vereinten Nationen wird festgehalten, dass alle Unternehmen eine Sorgfaltspflicht (\u201edue diligence\u201c) f\u00fcr ihre Lieferketten haben und st\u00e4ndig kontrollieren m\u00fcssen, ob es zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Unternehmen sollen ein mehrstufiges Verfahren etablieren inklusive: (a) einer Grundsatzverpflichtung, ihrer Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte nachzukommen; (b) eines Verfahrens zur Gew\u00e4hrleistung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht, das darauf abstellt, die Auswirkungen auf die Menschenrechte zu ermitteln, zu verh\u00fcten und zu mildern sowie Rechenschaft dar\u00fcber abzulegen, wie sie diesen begegnen; (c) Verfahren, die die Wiedergutmachung etwaiger nachteiliger menschenrechtlicher Auswirkungen erm\u00f6glichen, die sie verursachen oder zu denen sie beitragen<\/q>.<\/p>\n <\/div>\n\n <\/div>\n<\/div>\n\n

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Internationale Standards geben die Richtung vor <\/h2>\n

Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung<\/q> (OECD), in der 36 Industrie- und Schwellenl\u00e4nder Mitglied sind, hat die Vorgaben der Vereinten Nationen \u00fcbernommen und Leits\u00e4tze f\u00fcr die Unternehmen formuliert. Dar\u00fcber hinaus gibt es eine gemeinsam von der OECD und der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen<\/q> (FAO) verfasste Richtlinie, wie speziell im f\u00fcr die REWE Group so wichtigen Agrarsektor die Leitprinzipien der Vereinten Nationen umgesetzt werden sollen.<\/p>\n <\/div>\n\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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Die Kooperation mit standardsetzenden Organisationen ist ein Anfang.<\/q><\/p>\n<\/blockquote>\n <\/div>\n

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Friedel H\u00fctz-Adams, Experte f\u00fcr Soziales und Arbeit im Fachbeirat Nachhaltigkeit<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n

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\n \"Portr\u00e4t\n<\/div>\n <\/div>\n

Friedel H\u00fctz-Adams, Experte f\u00fcr Soziales und Arbeit im Fachbeirat Nachhaltigkeit<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n

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Sowohl die Vereinten Nationen als auch die OECD halten fest, dass Menschenrechte nicht teilbar sind. Unternehmen k\u00f6nnen daher nicht in den einzelnen Bereichen ihrer Wertsch\u00f6pfungskette Vorzeigeprojekte vorantreiben, in anderen dagegen unt\u00e4tig bleiben. Es k\u00f6nnen auch nicht einzelne Gesch\u00e4ftsbereiche von Unternehmen aus der Verantwortung ausgeklammert werden.<\/p>\n <\/div>\n\n <\/div>\n<\/div>\n\n

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Die REWE Group wird an vielen Stellen aktiv<\/h2>\n

Die REWE-Group ist schrittweise dabei, diese Vorgaben umzusetzen. Es wurde eine Grundsatzerkl\u00e4rung Menschenrechte<\/a>\u00a0verfasst, die viele der Vorgaben der Vereinten Nationen aufgreift. Ein weiterer Schritt war die Erstellung einer Leitlinie f\u00fcr Fairness<\/a>, die einen Plan zur Umsetzung der Vorgaben der Vereinten Nationen umrei\u00dft.<\/p>\n

Dar\u00fcber hinaus lie\u00df das Unternehmen Risikoanalysen f\u00fcr eine Vielzahl von Produktgruppen erstellen, was wiederum R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Bereiche zul\u00e4sst, in denen die gr\u00f6\u00dften Risiken bez\u00fcglich der Menschenrechte bestehen. F\u00fcr eine ganze Reihe von als sehr risikoreich identifizierten Produkten wurden eigene Leitlinien erarbeitet, darunter etwa f\u00fcr Kaffee<\/a>, Kakao<\/a>, Palm\u00f6l<\/a>, Orangensaft<\/a> und Textilien<\/a>.<\/p>\n

Hinzu kommt eine Vielzahl von Projekten in verschiedensten Bereichen, mit denen Missst\u00e4nde gezielt angegangen werden sollen. Dazu geh\u00f6ren auch erste Pilotprojekte zur Durchsetzung existenzsichernder L\u00f6hne und Einkommen, beispielsweise bei der Produktion von Orangensaft in Brasilien.<\/p>\n

Letztendlich ist die Voraussetzung f\u00fcr die Beendigung von Menschenrechtsverletzungen in Wertsch\u00f6pfungsketten, dass die genaue Herkunft der Waren bekannt ist. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, wird neben eigenen Anstrengungen die Kooperation mit standardsetzenden Organisationen ausgebaut. Dabei ist allerdings allen Beteiligten klar, dass dies nur die Voraussetzung f\u00fcr Verbesserungen ist, f\u00fcr die jedoch h\u00e4ufig noch viel mehr getan werden muss als die standardsetzenden Organisationen leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n <\/div>\n\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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\n \"Aufgeschnittene\n<\/div>\n <\/a>\n <\/div>\n <\/div>\n
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Um die Wahrung der Menschenrechte zum Beispiel auf Kakaoplantagen konsequent zu gew\u00e4hrleisten, sind Investitionen n\u00f6tig.<\/p>\n<\/div> <\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n

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Ausblick: Gesetze schaffen einheitliche Rahmenbedingungen<\/h2>\n

Eben dies weist aber auf die vorhandenen Probleme hin: Eine konsequente Umsetzung der Leitprinzipien der Vereinten Nationen erfordert Investitionen. Wo erforderlich, m\u00fcssen h\u00f6here Preise gezahlt werden, damit beispielsweise auf den Kakaoplantagen keine Kinder mehr arbeiten m\u00fcssen, sondern deren Eltern sich erwachsene Erntehelfer leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n

Im \u00e4u\u00dferst umk\u00e4mpften deutschen Einzelhandelssektor, in dem der Wettbewerb sehr stark \u00fcber Preise ausgetragen wird, drohen immer wieder Kompromisse zwischen dem, was eigentlich notwendig w\u00e4re, und dem, was \u201eam Markt\u201c durchzusetzen ist. Die REWE Group sollte ihre Bem\u00fchungen weiterhin intensivieren, um jedes einzelne Produkt auf menschenrechtliche Risiken hin zu durchleuchten.<\/p>\n

Letztendlich wird ein freiwilliger Ansatz aber nicht reichen. In etlichen L\u00e4ndern wurden in den letzten Jahren Gesetze erlassen, die die Einhaltung zumindest grundlegender Menschenrechte in den Wertsch\u00f6pfungsketten vorschreiben. Auch in Deutschland wird ein solcher Schritt diskutiert. Letztendlich ist der \u00dcbergang von freiwilligen Schritten zur Umsetzung der Vorgaben der Vereinten Nation, die derzeit nicht eingeklagt werden k\u00f6nnen, hin zu rechtlich bindenden Regelungen dringend notwendig. Dies sollte die REWE Group von der Bundesregierung sowie von der EU einfordern.<\/p>\n <\/div>\n\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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