{"id":1739,"date":"2020-02-19T10:00:19","date_gmt":"2020-02-19T09:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rewe-group.com\/?p=1739"},"modified":"2023-01-24T12:49:42","modified_gmt":"2023-01-24T11:49:42","slug":"umweltpsychologin-katharina-beyerl-im-interview-ausbrechen-kostet-ueberwindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/presse-und-medien\/newsroom\/stories\/umweltpsychologin-katharina-beyerl-im-interview-ausbrechen-kostet-ueberwindung\/","title":{"rendered":"Umweltpsychologin Katharina Beyerl im Interview: \u201eAusbrechen kostet \u00dcberwindung\u201c"},"content":{"rendered":"\n
Ab morgen konsequent nachhaltig leben? So einfach ist das nicht, betont Katharina Beyerl. Die Umweltpsychologin am Institut f\u00fcr transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), Potsdam, erl\u00e4utert, warum wir uns so schwer tun, auf lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten und was passieren muss, damit wir unser Verhalten im Sinne der Umwelt und zum Wohl des Lebens auf unserem Planeten ver\u00e4ndern. <\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n <\/div><\/div>\n\n\n\n
Wir alle wissen, dass es die Umwelt schont, wenn wir seltener fliegen, weniger M\u00fcll produzieren oder unseren Fleischkonsum einschr\u00e4nken. Warum f\u00e4llt es uns trotzdem h\u00e4ufig so schwer, uns einen Ruck zu geben und nachhaltiger zu leben?<\/p>\n<\/div>\n
Katharina Beyerl:<\/strong> Wer konsequent nachhaltig leben m\u00f6chte, muss eine Vielzahl lieb gewonnener Gewohnheiten \u00fcberpr\u00fcfen. Dabei geht es neben Fragen der Mobilit\u00e4t und Ern\u00e4hrung auch um Themen wie Wohnen, Kleidung oder auch die Geldanlage. Kurzum: Wir m\u00fcssen unseren gesamten Lebensstil hinterfragen. Es ist also leider nicht mit einem Ruck getan. Denn wir verhalten uns meist so, wie wir es gewohnt sind und wie es am einfachsten ist. Um Ver\u00e4nderung leicht zu machen, braucht es gute Alternativen, denn sonst ist uns das vielfach zu aufw\u00e4ndig.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n \n Katharina Beyerl <\/p>\n\n \n \n ist Umweltpsychologin am Institut f\u00fcr transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam. <\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n Man k\u00f6nnte klein anfangen.<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl<\/strong>: Ja, manchmal ist das sogar sehr einfach. Zum Beispiel, wenn ich mich entscheide, zu einem \u00d6kostrom-Anbieter zu wechseln. Das ist schnell getan und setzt mich nicht jeden Tag erneut unter Entscheidungsdruck. Anders ist das bei Fragen wie: Bus oder eigener PKW? Zertifizierte Lebensmittel oder nicht? Mit dem Flugzeug in den Urlaub? Oder: Was macht die Bank mit meinem Geld? Die Beantwortung solcher Fragen erfordert viel Zeit und Wissen. Wer mit zwei Kindern und unter Zeitdruck im Supermarkt einkauft, hat nicht die Mu\u00dfe, Produktbeschriftungen zu studieren und abzuw\u00e4gen, wie ein Produkt hergestellt wurde, wie es verpackt ist und welche sozialen und \u00f6kologischen Effekte es hat. Stattdessen wird er oder sie aus Gewohnheit zu bekannten, bew\u00e4hrten, m\u00f6glichst preiswerten, aber h\u00e4ufig nicht unbedingt nachhaltigen Artikeln greifen.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n Ist das nicht zu einfach? Es gibt Nachhaltigkeitssiegel, die bei der Orientierung helfen.<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl: <\/strong>Verbraucher f\u00fchlen sich aufgrund der Vielzahl von Siegeln oft verunsichert. Und eine genaue Recherche kostet Zeit. Viel besser w\u00e4re doch, wenn Konsumenten sicher sein k\u00f6nnten, dass die angebotenen Produkte grunds\u00e4tzlich nachhaltig sind. M\u00f6glichst regionale Produkte, \u00f6kologisch und sozial fair produziert, zu erschwinglichen Preisen. Das sollte eigentlich der Standard sein und nicht die Ausnahme.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n Preise m\u00fcssten soziale und \u00f6kologische Kosten widerspiegeln.<\/p>\n<\/blockquote>\n <\/div>\n Katharina Beyerl<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n Katharina Beyerl<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n Das hei\u00dft, die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen sind gefordert, es den Verbrauchern leichter zu machen, ihre Komfortzone zu verlassen?<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl:<\/strong> So sehe ich das. Es geht doch immer um Zahl und Qualit\u00e4t der Alternativen. Wenn die Fahrt zur Arbeit mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln drei Mal so lange dauert wie mit dem eigenen Auto und dazu noch teuer ist, werden nur wenige Menschen umsteigen. Politik und Wirtschaft m\u00fcssen eine Infrastruktur schaffen, die es den Menschen ohne gro\u00dfen Aufwand m\u00f6glich macht, sich nachhaltig zu verhalten. Und wir Verbraucher sind in der Pflicht, das st\u00e4rker einzufordern. Sowohl politisch, aber auch, indem wir beim Einkauf immer wieder nach nachhaltigen Produkten und alternativen Verpackungsm\u00f6glichkeiten fragen \u2013 bis Hersteller und Handel merken, dass es daf\u00fcr einen Markt gibt.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n Wie w\u00e4re es, wenn der Preis eine st\u00e4rkere Steuerungsfunktion \u00fcbernehmen w\u00fcrde? Wenn zum Beispiel tropische Fr\u00fcchte deutlich teurer w\u00e4ren oder Fl\u00fcge nach Mallorca nicht schon f\u00fcr zeitweise 29 Euro zu haben w\u00e4ren, w\u00fcrden viele Menschen ihr Konsumverhalten allein mit Blick auf ihr Portemonnaie \u00fcberdenken.<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl<\/strong>: Tats\u00e4chlich kann eine andere Preisgestaltung nachhaltiges Verhalten einfacher und umsetzbarer machen. Preise m\u00fcssten soziale und \u00f6kologische Kosten widerspiegeln. Denn negative Folgen von Ausbeutung und Umweltzerst\u00f6rung tragen wir alle, w\u00e4hrend Profite nur wenigen zugutekommen. Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen m\u00fcssten preiswerter sein als nicht nachhaltige, um das zu \u00e4ndern. Eine Preisgestaltung allein reicht jedoch nicht aus. Wie erw\u00e4hnt, m\u00fcssen auch attraktive Alternative geschaffen werden. Und soziale Normen m\u00fcssen sich \u00e4ndern.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n Was hei\u00dft das?<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl:<\/strong> Unter sozialen Normen verstehen Psychologen die Verhaltensstandards, die innerhalb einer Gruppe oder der gesamten Gesellschaft gelten. Menschen verhalten sich h\u00e4ufig so, wie sie denken, dass andere, die ihnen wichtig sind, es erwarten. Wer ahnt, dass ihn Freunde und Bekannte schr\u00e4g anschauen, wenn er T-Shirts f\u00fcr 3 Euro kauft oder Einweg-Kaffeebecher benutzt, wird eher darauf verzichten.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n Den meisten Menschen ist der kurzfristige pers\u00f6nliche Genuss einer Urlaubsreise mit dem Flugzeug nach wie vor wichtiger als die negativen Folgen f\u00fcr das Klima.<\/p>\n<\/blockquote>\n <\/div>\n Katharina Beyerl<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n Katharina Beyerl<\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n Wie l\u00e4sst sich die f\u00fcr nachhaltiges Verhalten g\u00fcltige soziale Norm nach oben anpassen?<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl<\/strong>: Soziale Vorbilder k\u00f6nnen zeigen, dass es chic, m\u00f6glich und erschwinglich ist, sich nachhaltig zu verhalten. Jeder Mensch ist ein Vorbild! Eine gro\u00dfe Rolle spielt auch die Berichterstattung der Medien und die Werbung. Sie pr\u00e4gt unser Bewusstsein, was angesagt ist. Das Wichtigste jedoch ist Bildung: Wer wei\u00df, welche Folgen das eigene Verhalten und was f\u00fcr Alternativen es dazu gibt, ist bestens ger\u00fcstet, nachhaltiger zu handeln. Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass schon Kinderg\u00e4rten und Schulen mehr Aufkl\u00e4rungsarbeit in Sachen Nachhaltigkeit leisten. Und, ein Satz noch zur Rolle der Medien: Sie sollten nicht nur \u00fcber die sozio\u00f6kologische Krise an sich \u00a0informieren, sondern immer auch L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge machen.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n Das klingt nach einem langen Weg. Noch scheint es gesellschaftlich in Ordnung zu sein, f\u00fcr einen Kurztrip nach Mallorca ins Flugzeug zu steigen.<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl<\/strong>: Kein Wunder, wenn solche Flugtickets ab 29 Euro gro\u00dffl\u00e4chig beworben werden und bequem mit wenigen Mausklicks zu kaufen sind. Da ist die Verlockung trotz vielleicht guter Vors\u00e4tze gro\u00df, sich etwas zu g\u00f6nnen. Daher ist es wichtig, dass die sozialen und \u00f6kologischen Kosten eines solchen Flugs im Preis und in der Werbung klar widergespiegelt werden.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n Flugscham allein wird nicht bewirken, dass weniger Menschen fliegen?<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl<\/strong>: M\u00f6glich, dass der eine oder andere Vielflieger gegen\u00fcber Freunden und Bekannten zunehmend unter Rechtfertigungsdruck ger\u00e4t. Allein die Tatsache, dass es das Wort \u201eFlugscham\u201c gibt, zeigt, dass das Bewusstsein f\u00fcr die negativen Auswirkungen dieser Form des Reisens gestiegen ist. Aber den meisten Menschen ist der kurzfristige pers\u00f6nliche Genuss einer Urlaubsreise mit dem Flugzeug nach wie vor wichtiger als die negativen Folgen f\u00fcr das Klima. Einen m\u00f6glichen Ansatz sehe ich jedoch bei Reise-Regelungen von Institutionen \u2013 egal ob Unternehmen oder staatliche Einrichtung. Gemeinsam beschlossen, lassen sich Ziel wie ein CO2<\/sub>-Budget besser einhalten und setzen gleichzeitig neue soziale Normen.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n Wer es sich bequem macht, wird sagen: Ob ich fliege oder nachhaltige Lebensmittel kaufe, wird die Welt nicht retten. Ihre Antwort darauf?<\/p>\n<\/div>\n Katharina Beyerl<\/strong>: Viele Umweltprobleme sind durch menschliches Handeln verursacht. Somit ist unser Verhalten auch der Schl\u00fcssel zur Ver\u00e4nderung dieser Verh\u00e4ltnisse. Jeder kann dazu beitragen \u2013 als Privatperson, in der Familie, im Verein oder im Beruf. Denn viele k\u00f6nnen viel bewegen.<\/p>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n\n
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