{"id":45401,"date":"2025-09-09T11:54:35","date_gmt":"2025-09-09T09:54:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/?post_type=3questions&p=45401"},"modified":"2025-09-24T10:50:43","modified_gmt":"2025-09-24T08:50:43","slug":"ludwig-theuvsen-zur-agrarpolitik-der-neuen-bundesregierung","status":"publish","type":"3questions","link":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/presse-und-medien\/newsroom\/drei-fragen\/ludwig-theuvsen-zur-agrarpolitik-der-neuen-bundesregierung\/","title":{"rendered":"Ludwig Theuvsen zur Agrarpolitik der neuen Bundesregierung"},"content":{"rendered":"\n
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    Wie bewerten Sie den Start der Koalition aus CDU\/CSU und SPD im Hinblick auf die Agrarpolitik? Gibt es Punkte, die Sie besonders hervorheben w\u00fcrden? <\/h2>\n
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    Zu Beginn seiner Amtszeit hat Bundeslandwirtschaftsminister Rainer den im Wahlkampf durch die Unionsparteien angek\u00fcndigten Kurswechsel eingeleitet: mehr Fokus auf Ern\u00e4hrungssicherung und heimische Nahrungsmittelproduktion sowie St\u00e4rkung der Landwirtschaft. Ausdruck dieses Kurswechsels sind unter anderem die Wiedereinf\u00fchrung der Agrardieselregelung, die Abschaffung der Stoffstrombilanz als Beitrag zur Entb\u00fcrokratisierung sowie die Verl\u00e4ngerung der \u00dcbergangsfrist beim Tierhaltungskennzeichnungsgesetz. Auch die in Teilen bereits erfolgte Anerkennung des g\u00fcnstigen Erhaltungszustands des Wolfs ist ein wichtiges Signal in Richtung Weidetierhalterinnen und -halter sowie Menschen im l\u00e4ndlichen Raum.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n

    In einem so komplexen Politikfeld wie der Agrarpolitik gibt es nat\u00fcrlich auch einzelne gegenl\u00e4ufige Entwicklungen, beispielsweise die absehbare deutliche Erh\u00f6hung des Mindestlohns, die der SPD sehr am Herzen liegt. Der weitere Anstieg der Mindestl\u00f6hne wird vor allem den heimischen Obst-, Wein- und Gem\u00fcsebau unter erheblichen Anpassungsdruck setzen.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n

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    Angesichts des zuletzt hohen Frusts in der Landwirtschaft, der sich in den Bauernprotesten Anfang 2024 manifestierte, sehen Sie in der neuen Bundesregierung eine Chance f\u00fcr eine deutliche Verbesserung des Verh\u00e4ltnisses der Branche zur Politik? <\/h2>\n
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    Die schlechte Stimmung in der Branche hat verschiedene Ursachen, von der mangelnden Wertsch\u00e4tzung der Landwirtschaft in Teilen der Bev\u00f6lkerung und der Medien \u00fcber den wirtschaftlichen Druck, unter dem die Betriebe stehen, bis zum \u00dcberma\u00df an B\u00fcrokratie, mit dem die Politik die Landwirtschaft drangsaliert. Bauernproteste haben daher im Winter 2023\/24 nicht nur in Deutschland, sondern in fast allen EU-Mitgliedstaaten stattgefunden. Der durch Bundeslandwirtschaftsminister Rainer eingeleitete Kurswechsel ist das Signal an die Landwirtschaft, dass die Politik wieder an ihrer Seite steht.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n

    Die bisher umgesetzten Ma\u00dfnahmen reichen nat\u00fcrlich f\u00fcr einen vollst\u00e4ndigen Stimmungsumschwung bei weitem noch nicht aus. Eine durchgreifende, auf den Betrieben sp\u00fcrbar werdende Befreiung von b\u00fcrokratischen Lasten sowie der Abbau von Investitionshemmnissen, namentlich im Bau- und Immissionsschutzrecht, werden von zentraler Bedeutung sein, damit Landwirtinnen und Landwirte wieder optimistischer nach vorne blicken und in ihre Betriebe investieren.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n

    In Br\u00fcssel muss nat\u00fcrlich derselbe Weg eingeschlagen werden. Auch seitens der EU braucht es dringend ein Belastungsmoratorium und Beitr\u00e4ge zur Entb\u00fcrokratisierung. Last but not least muss auch die Wirtschaft selbst einen Beitrag zum Stimmungsumschwung leisten, denn viele b\u00fcrokratische Anforderungen haben sich nicht Politikerinnen und Politiker in Br\u00fcssel und Berlin, sondern die Wertsch\u00f6pfungspartner unserer Landwirtschaft ausgedacht.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n

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    Eine aktuelle Presseinformation der Landwirtschaftlichen Rentenbank gibt Anlass zur Hoffnung: Danach stieg im ersten Halbjahr 2025 das Neugesch\u00e4ft bei F\u00f6rderkrediten um 77 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr an. Die Stimmung in der Landwirtschaft scheint sich aufzuhellen \u2013 das ist ein gutes Zeichen.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n

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    Das staatliche Tierhaltungskennzeichen bleibt ein zentrales Thema f\u00fcr Tierhalter:innen, Verarbeiter und den Lebensmitteleinzelhandel. Die Bundesregierung hat die \u00dcbergangsfrist f\u00fcr die Kennzeichnung von frischem Schweinefleisch nun bis zum 1. M\u00e4rz 2026 verl\u00e4ngert. F\u00fcr einen echten Mehrwert in puncto Tierwohl und Verbraucherinformation ist jedoch aus Sicht des Lebensmitteinzelhandels eine Ausweitung auf weitere Tierarten und Vertriebswege notwendig. Wie sch\u00e4tzen Sie die Chancen f\u00fcr die im Koalitionsvertrag angek\u00fcndigte Reform der staatlichen Kennzeichnung ein? <\/h2>\n
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    Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz stand massiv in der Kritik, unter anderem weil es nicht ausreichend mit bestehenden privatwirtschaftlichen Initiativen verzahnt war und erhebliche Vollzugsdefizite drohten. Von daher war die Verl\u00e4ngerung der \u00dcbergangsfrist alternativlos. Die Koalitionspartner haben vereinbart, das Gesetz unter Einbeziehung aller Beteiligten entlang der Wertsch\u00f6pfungskette grundlegend zu reformieren. Bundeslandwirtschaftsminister Rainer hat praxistauglichere und b\u00fcrokratie\u00e4rmere Regelungen angek\u00fcndigt.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n

    Au\u00dferdem hat sich der Berichterstatter der Union f\u00fcr den Agrarhaushalt im Zuge der diesj\u00e4hrigen Haushaltsberatungen daf\u00fcr ausgesprochen, mehr Borchert zu wagen. Das Konzept der Borchert-Kommission sieht die Einbeziehung aller Tierarten und Vertriebswege vor.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n

    Ich bin daher vorsichtig optimistisch, dass die Reform des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes auch dank der breiten Beteiligung der Praxis in die richtige Richtung gehen wird. Es kann jedoch in keinem Fall schaden, wenn Vertreter aller Wertsch\u00f6pfungsstufen \u2013 von der Landwirtschaft bis zum Einzelhandel \u2013 in dieser Frage den engen Austausch mit der Politik suchen.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n <\/ul>\n\n

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    \n \"Portr\u00e4t\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n
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    \u00dcber:<\/h2>

    \n Ludwig Theuvsen <\/p>\n\n

    ehemaliger Hochschullehrer und Staatssekret\u00e4r im Landwirtschaftsministerium Niedersachen a.D.<\/p>\n \n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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