{"id":43685,"date":"2025-04-28T10:07:20","date_gmt":"2025-04-28T08:07:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/?post_type=3questions&p=43685"},"modified":"2025-09-24T10:52:59","modified_gmt":"2025-09-24T08:52:59","slug":"clement-tischer-zur-ernaehrung-der-zukunft","status":"publish","type":"3questions","link":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/presse-und-medien\/newsroom\/drei-fragen\/clement-tischer-zur-ernaehrung-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Cl\u00e9ment Tischer zur Ern\u00e4hrung der Zukunft"},"content":{"rendered":"\n
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    Als Head of FoodTech sind Sie immer auf der Suche nach den neuesten Trends f\u00fcr eine nachhaltigere Ern\u00e4hrung. Welche Innovation hat Sie zuletzt aufhorchen lassen?<\/h2>\n
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    Eine Innovation, die mich zuletzt besonders begeistert hat, kommt von Project Eaden. Dieses Startup hebt pflanzliche Fleischalternativen auf ein v\u00f6llig neues Niveau, sowohl geschmacklich als auch technologisch. Mit einer einzigartigen Fasertechnologie gelingt es ihnen, die Textur und den Biss von Fleisch so authentisch nachzubilden, dass selbst eingefleischte Schinken- und Wurstliebhaber \u00fcberrascht sind.<\/p>\n

    Besonders spannend finde ich den Ansatz: Hoch skalierbare Hightech aus der Textilindustrie trifft auf FoodTech, um eine nachhaltige L\u00f6sung mit echtem Mehrwert zu schaffen. Denn wenn wir unser Ern\u00e4hrungssystem wirklich ver\u00e4ndern wollen, m\u00fcssen Alternativen nicht nur umweltfreundlich und kompromisslos lecker sein, sondern auch f\u00fcr alle erschwinglich sein.<\/p>\n

    Ebenso vielversprechend sind die Fortschritte in der Fermentationstechnologie. Neben unserer neuesten Kooperation mit Project Eaden pflegen wir daher auch Partnerschaften mit Infinite Roots und Formo. Zwei Unternehmen, die mit innovativen Fermentationsprozessen nachhaltige Lebensmittel der n\u00e4chsten Generation entwickeln. Diese und viele weitere Technologien, die wir aktiv verfolgen, haben das Potenzial, die Lebensmittelindustrie grundlegend zu transformieren und den Zugang zu umweltfreundlicheren, resilienteren Produkten zu erleichtern.<\/p>\n

    Infinite Roots beispielsweise kombiniert traditionelle Fermentationstechniken mit innovativen Ans\u00e4tzen, um nachhaltige Lebensmittel auf Basis von Pilzbiomasse herzustellen. Ihre lokal hergestellten Proteinprodukte sind umweltfreundlich und \u00fcberzeugen gleichzeitig durch ihre hohe sensorische Qualit\u00e4t.<\/p>\n

    Formo hingegen ist ein Berliner BioTech-Startup, das sich auf die Entwicklung tierfreier K\u00e4sealternativen spezialisiert hat. Mithilfe von Pr\u00e4zisionsfermentation stellt Formo echte Milchproteine ohne Einsatz von K\u00fchen her und produziert so K\u00e4se, der in Geschmack und Textur nicht von herk\u00f6mmlichem K\u00e4se zu unterscheiden ist.<\/p>\n

    Auch Planet A Foods, ein M\u00fcnchner Startup, mit dem wir kooperieren, nutzt die Fermentationstechnologie f\u00fcr eine innovative Schokoladenalternative namens ChoViva. Diese kommt ohne Kakaobohnen aus und basiert stattdessen auf regional angebauten Zutaten wie Sonnenblumenkernen, die durch ein einzigartiges Verfahren verarbeitet werden. Das Endprodukt \u00e4hnelt herk\u00f6mmlicher Schokolade in Geschmack und Konsistenz, hat aber einen deutlich geringeren CO\u2082-Fu\u00dfabdruck.<\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n

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    Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Suche nach alternativen Proteinen sind vielf\u00e4ltig. Tierwohl und Umweltschutz, aber auch die Anforderungen der Verbraucher:innen haben sich in den zur\u00fcckliegenden Jahren ver\u00e4ndert. Auch in vielen Parteiprogrammen zur Bundestagswahl wurde die Erforschung und F\u00f6rderung von klimafreundlicheren Technologien begr\u00fc\u00dft. Was spricht daf\u00fcr, dass sich dieser Markt sukzessive raus aus der Nische bewegt?<\/h2>\n
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    Alternative Proteine treffen zunehmend auf Akzeptanz bei den Verbraucher:innen, da das Bewusstsein f\u00fcr den eigenen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck und f\u00fcr ethische Aspekte gestiegen sind. Diese steigende Nachfrage f\u00fchrt zu verst\u00e4rkten Investitionen und einer intensiveren Forschung. Technologisch und geschmacklich sehen wir derzeit enorme Fortschritte, sodass pflanzliche Produkte etwa auf Basis von Erbsen- und Weizenprotein zunehmend attraktiver und wettbewerbsf\u00e4higer werden. Neue Technologien, wie zuvor beschrieben, bieten gro\u00dfes Potenzial, verbleibende geschmackliche, sensorische und funktionale Unterschiede weiter zu verringern.<\/p>\n

    Wir sind \u00fcberzeugt, dass die Entwicklungen der n\u00e4chsten Jahre dazu f\u00fchren werden, dass Ersatzprodukte f\u00fcr tierische Erzeugnisse und auch Alternativen f\u00fcr kritische Rohstoffe zunehmend wirtschaftlich attraktiv und preislich konkurrenzf\u00e4hig werden. Dadurch wird es wahrscheinlicher, dass diese Alternativen ihren Nischenstatus hinter sich lassen und den Massenmarkt erreichen.<\/p>\n

    So freue ich mich auch immens \u00fcber die k\u00fcrzlich verabschiedete Proteinstrategie der REWE Group. Sie untermauert, mit wie viel \u00dcberzeugung wir das Thema angehen. Dazu geh\u00f6rt etwa, dass wir unsere Sortimente weiter optimieren und noch gezielter in Richtung unserer Kund:innen kommunizieren. Dabei werden wir tierische und alternative Proteine nicht gegeneinander ausspielen. Dies ist auch ein wichtiges Zeichen in Richtung der heimischen Landwirtschaft.<\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n

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    Blicken wir ins Ausland: In D\u00e4nemark oder den Niederlanden werden teilweise schon hohe F\u00f6rdersummen f\u00fcr Startups im Bereich alternativer Proteine ausgesch\u00fcttet. Auch im Bundeshaushalt wurden Summen bereitgestellt. Ende 2024 haben Deutschland und D\u00e4nemark die EU-Kommission aufgefordert, eine europ\u00e4ische Proteinstrategie zu formulieren. Sie arbeiten eng mit Startups zusammen: Wie bewerten Sie die Ausgangslage f\u00fcr diese hierzulande und welche weiteren politischen Schritte w\u00e4ren w\u00fcnschenswert?<\/h2>\n
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    Deutschland hat gro\u00dfes Potenzial, ein f\u00fchrender Standort f\u00fcr nachhaltige Lebensmittelinnovationen zu werden. Die Kundenakzeptanz ist hoch und die FoodTech-Szene hierzulande ist weltweit mitf\u00fchrend bei der Entwicklung innovativer Technologien, die jedoch oft sehr kapitalintensiv und langwierig sind. Um die Zeit bis zur Marktreife oder Marktzulassung zu \u00fcberbr\u00fccken, sind Wagniskapital und alternative F\u00f6rderma\u00dfnahmen entscheidend.<\/p>\n

    Die bisher bereitgestellten F\u00f6rdermittel sind ein guter Start, doch es braucht weitere Unterst\u00fctzung. Dazu z\u00e4hlen etwa Reallabore, wirtschaftliche Anreize f\u00fcr pflanzliche Alternativen und gezielte F\u00f6rderungen f\u00fcr die Skalierung innovativer Ans\u00e4tze. Gleichzeitig ist eine vereinfachte und transparente Regulatorik unerl\u00e4sslich, um Startups den Markteintritt zu erleichtern und die Kommerzialisierung neuer Technologien zu beschleunigen.<\/p>\n

    Besonders die aktuellen Zulassungsverfahren und regulatorischen Prozesse bei Innovationen, die unter die Novel-Food-Regularien fallen, stellen nach wie vor gro\u00dfe H\u00fcrden dar. Diese m\u00fcssen dringend optimiert werden, da langwierige Verfahren hohe Kapitalreserven erfordern und Startups erheblich belasten. Auch drohen sonst Abwanderungen ins Ausland, was den Technologiestandort Deutschland schw\u00e4chen w\u00fcrde. Wer es mit einer ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion hierzulande ernst meint, der sollte auch das Vertrauen in die Innovationskraft und Sicherheitsstandards heimischer Unternehmen st\u00e4rken. Hier stehen wir an der Seite unserer Kooperationspartner.<\/p>\n

    Um das Potenzial der erw\u00e4hnten Zukunftstechnologien voll aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen, sind klare, transparente und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen erforderlich. Die Kooperation zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist entscheidend, um die Entwicklung einer zukunftsf\u00e4higen Ern\u00e4hrungswirtschaft zu f\u00f6rdern.<\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n <\/ul>\n\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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    \u00dcber:<\/h2>

    \n Cl\u00e9ment Tischer <\/p>\n\n

    Head of Food Tech REWE Group<\/p>\n \n

    \n Cl\u00e9ment Tischer leitet den FoodTech-Bereich der REWE Group. <\/p>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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