{"id":40776,"date":"2024-09-23T13:52:59","date_gmt":"2024-09-23T11:52:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/?post_type=3questions&p=40776"},"modified":"2025-09-24T12:42:20","modified_gmt":"2025-09-24T10:42:20","slug":"ariane-desiree-kari-zum-stand-des-tierschutzes-in-deutschland","status":"publish","type":"3questions","link":"https:\/\/www.rewe-group.com\/de\/presse-und-medien\/newsroom\/drei-fragen\/ariane-desiree-kari-zum-stand-des-tierschutzes-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Ariane D\u00e9sir\u00e9e Kari zum Stand des Tierschutzes in Deutschland"},"content":{"rendered":"\n
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    Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand vom Tierschutz in Deutschland?<\/h2>\n
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    Bei einem schnellen Blick ist Deutschland in Sachen Tierschutz auf dem Papier recht weit vorne. So haben wir ein Tierschutzgesetz, das im Gegensatz zu anderen L\u00e4ndern auch landwirtschaftlich genutzte Tiere vollumf\u00e4nglich sch\u00fctzt. Dar\u00fcber hinaus ist Tierschutz hierzulande sogar ein Rechtsgut mit Verfassungsrang, also im Grundgesetz verankert.<\/p>\n

    Wenn man genauer hinschaut, wird aber deutlich, dass das Tierschutzgesetz dringend \u00fcberarbeitet werden muss.<\/p>\n

    Das sieht man beispielsweise daran, dass landwirtschaftlich genutzte Tiere weiterhin stark durch Amputationen an Haltungssysteme angepasst werden, weil es im Gesetz zu viele Ausnahmen vom Amputationsverbot gibt.<\/p>\n

    Auch fehlt es an tierschutzkonformen, rechtlich verankerten Mindestanforderungen f\u00fcr die Haltung, Bet\u00e4ubung und T\u00f6tung von landwirtschaftlich genutzten Tieren. So verbringen zum Beispiel Schweine ihr Leben in St\u00e4llen oft auf harten, unbequemen Betonvollspaltb\u00f6den, in denen sie ihre Toilette nicht richtig von ihrem Schlafplatz trennen k\u00f6nnen und in denen ihnen kaum Besch\u00e4ftigungsmaterial angeboten wird. Dabei ist die Sauberkeit im Stall sowie das W\u00fchlen und Suhlen f\u00fcr die reinlichen und klugen Tiere extrem wichtig.<\/p>\n

    Dar\u00fcber hinaus sind tage- und sogar wochenlange Tiertransporte in Deutschland und aus Deutschland heraus nach wie vor an der Tagesordnung. Dabei leiden die Tiere auf den Transportwegen unter einem mangelhaften Zugang zu Futter, Wasser, Bewegung und medizinischer Versorgung. Auch werden sie nicht selten in solche Drittstaaten exportiert, in denen so gut wie gar keine Tierschutzstandards herrschen und in denen sie oft bei vollem Bewusstsein geschlachtet werden.<\/p>\n

    Aber nicht nur in der landwirtschaftlichen Tierhaltung herrschen zahlreiche Missst\u00e4nde. Im Heimtierbereich k\u00e4mpfen wir unter anderem mit einer explodierenden Stra\u00dfenkatzenpopulation, \u00fcberf\u00fcllten Tierheimen und dem illegalen Handel mit Heimtieren.<\/p>\n

    Der Blick in die Realit\u00e4t zeigt also: Den Tieren in Deutschland geht es alles andere als gut. Deshalb ist die derzeit stattfindende \u00dcberarbeitung des Tierschutzgesetzes auch so wichtig.<\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n

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    Blicken wir auf die geplante Novellierung des Tierschutzgesetzes: Das darin vorgesehene Auslaufen der Anbindehaltung nach einer \u00dcbergangsfrist von zehn Jahren besch\u00e4ftigt derzeit viele kleinere landwirtschaftliche Betriebe, insbesondere in S\u00fcddeutschland. Wie beurteilen Sie das Auslaufen der Anbindehaltung und die damit verbundenen Herausforderungen f\u00fcr milcherzeugende Betriebe?<\/h2>\n
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    Selbstverst\u00e4ndlich sehe ich, dass das Ende der Anbindehaltung gerade kleinere landwirtschaftliche Betriebe in S\u00fcddeutschland vor enorme Herausforderungen stellt. Wer nur verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenige Rinder im Stall stehen hat, tut sich schwer, viel Geld in Umbauten zu investieren. Ich pl\u00e4diere daher in meinen Gespr\u00e4chen mit Entscheidungstr\u00e4ger:innen f\u00fcr umfangreiche staatliche Umbauhilfen gerade f\u00fcr diese Kleinstbetriebe. Auch ist mir ein rechtlich verankertes Pr\u00fcf- und Zulassungssystem f\u00fcr Haltungssysteme ein gro\u00dfes Anliegen, um Planungs- wie Rechtssicherheit f\u00fcr Tierhaltende zu generieren.<\/p>\n

    Andererseits muss aber auch ganz klar gesagt werden: Die Anbindehaltung verst\u00f6\u00dft schon heute gegen geltendes Tierschutzrecht. Das haben zahlreiche aktuelle verwaltungsgerichtliche Urteile best\u00e4tigt.<\/p>\n

    Sowohl die ganzj\u00e4hrige als auch die saisonale Anbindehaltung in den Wintermonaten schr\u00e4nkt nicht nur das Laufbed\u00fcrfnis von Rindern enorm ein. Beide Haltungsformen machen auch eine Vielzahl an nat\u00fcrlichem Sozial-, Ruhe-, Erkundungs- sowie Eigenk\u00f6rperpflegeverhalten unm\u00f6glich. Sie reduzieren das Leben der Tiere auf Fressen, Trinken, Koten, Urinieren, Stehen und Liegen \u2013 auf einem Platz so gro\u00df wie ein Billardtisch! Dass dies in keinem Fall mit einer nur ann\u00e4hernd tierschutzgerechten Tierhaltung gleichgesetzt werden kann, liegt auf der Hand.<\/p>\n

    Dies best\u00e4tigte im vergangenen Jahr \u00fcbrigens die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit EFSA in einem Gutachten und empfahl den Ausstieg aus dieser Haltungsform. Und: Auch der Bayerische Bauernverband bezeichnete die Anbindehaltung schon im Jahr 2017 \u2013 also vor sieben Jahren \u2013 als \u201eAuslaufmodell\u201c.<\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n

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    Die REWE Group engagiert sich in zahlreichen Initiativen f\u00fcr mehr Tierwohl. So haben wir als erster Lebensmitteleinzelh\u00e4ndler das gesamte Schaleneier-Sortiment unserer Eigenmarken in allen Haltungsformen auf Eier \u201eohne K\u00fckent\u00f6ten\u201c umgestellt. Welche Rolle schreiben Sie dem Lebensmitteleinzelhandel bei Tierschutz zu?<\/h2>\n
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    Der Lebensmitteleinzelhandel spielt eine ganz wesentliche Rolle beim gesamtgesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Tierschutz. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die von Tierschutzorganisationen ins Leben gerufene Masthuhn-Initiative. Hier engagieren sich unter anderem Lebensmitteleinzelh\u00e4ndler, indem sie sich freiwillig dazu verpflichten, Tierschutzstandards in der Haltung von Masth\u00fchnern \u00fcber das gesetzlich vorgeschriebene Mindestma\u00df hinaus zu erh\u00f6hen. Das ist insbesondere deshalb von enormer Bedeutung, weil in Deutschland mehr als 600 Millionen Masth\u00fchner pro Jahr gem\u00e4stet und geschlachtet werden. Trotzdem gibt es nur sehr unzureichende Mindeststandards in der Gefl\u00fcgelhaltung.
    \nUnd selbstverst\u00e4ndlich macht ein solches Engagement f\u00fcr mehr Tierschutz auch aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden f\u00fcr den Einzelhandel Sinn. So ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch und Kuhmilch in Deutschland seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig. Ein wesentlicher Grund daf\u00fcr ist laut zahlreichen Umfragen, dass Menschen ihren Konsum tierischer Produkte sowohl reduzieren als auch bewusster gestalten. Ich begr\u00fc\u00dfe es sehr, wenn dieses ge\u00e4nderte Verbraucherverhalten von Lebensmitteleinzelh\u00e4ndlern als Ansporn daf\u00fcr gesehen wird, dem Schutz unserer tierischen Mitgesch\u00f6pfe einen h\u00f6heren Stellenwert in der eigenen Firmenpolitik einzur\u00e4umen. Meines Erachtens nach, liegt hier ein enormes \u2013 derzeit oft noch ungenutztes \u2013 Potenzial.<\/p>\n <\/div>\n <\/li>\n <\/ul>\n\n

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    \u00dcber:<\/h2>

    \n Ariane D\u00e9sir\u00e9e Kari <\/p>\n\n

    ist Tierschutzbeauftragte der Bundesregierung<\/p>\n \n <\/div>\n <\/div>\n<\/div>\n <\/div>\n <\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

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      Pressemitteilung<\/p>\n

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      6. August 2026<\/p>\n

      Tierwohl intelligent analysieren: REWE Group b\u00fcndelt Expertise aus Praxis und Wissenschaft<\/h3> <\/div>\n <\/div>\n <\/a>\n <\/button>\n<\/div>\n <\/li>\n
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