Politik

27. Mai 2022

Meinungs­beitrag – die Stim­me des Mon­ats:­ „Tourismus­politik muss Querschnitts­thema sein“

DER Touristik CEO Sören Hartmann über Herausforderungen und Gestaltungswillen in der Tourismusbranche.

Die Tourismusbranche ist divers, krisengeprüft und innovativ – und nach mehr als zwei Jahren Pandemie zeigt ihr Weg wieder bergauf. Doch an Herausforderungen mangelt es ihr gleichsam nicht, zu nennen wären hier u.a. Klimaschutz, Digitalisierung und die Resilienz der Branche. Entscheidend wird zukünftig sein, dass die Reisebranche – im Besonderen von der Politik – in ihrer Komplexität gesamthaft betrachtet wird. Tourismuspolitik muss endlich als Querschnittsthema verstanden werden und somit auf allen Ebenen abgestimmte Rahmenbedingungen schaffen und Regulierung mit Augenmaß vornehmen.

Der Reisesektor war und ist von COVID-19 auf besondere Art betroffen, dabei ist die Branche von jeher durchweg krisengeübt. Doch im Nachgang zu den Rückholaktionen aus aller Welt, haben uns die Wellenbewegungen der Pandemie in einem stetigen Auf und Ab enorm gefordert. Bei der DER TOURISTIK sind wir stolz und dankbar ein Teil der REWE Group zu sein, die uns als genossenschaftliches Unternehmen, getragen von 1.800 selbständigen Kaufleuten, als starker Partner zur Seite gestanden hat. So konnten wir – abgesehen vom in der Pandemie auch für uns unvermeidlichen Kurzarbeitergeld – auf staatliche Hilfen verzichten, im Gegensatz zu anderen Branchenteilnehmern.

Nach nunmehr zwei Jahren ist die Reiselust der Verbraucher:innen wieder nahezu ungebrochen und wir bewegen uns auf Vorkrisenniveau. Dies darf aber nicht dazu führen, sich unternehmensseitig wie politisch zurückzulehnen. Einerseits müssen Resilienzen erhöht werden. Anderseits erwarten wir einen Plan für den Herbst und Winter, wir müssen dank besserer Strategien vor die nächste Welle kommen. Eine Vollbremsung mit Schließungen ganzer Branchen darf zukünftig nicht mehr das Mittel der Wahl sein.

Agieren und nicht Reagieren muss auch die Devise beim Klimaschutz lauten! Dies sollte für die Reisebranche wie für die Politik gleichsam gelten. Die Klima-Transformation ist alternativlos. Als Tourismusunternehmen müssen wir diese konsequenter und innovativer treiben, dies gehört zu unserer Verantwortung. Die Voraussetzungen für diesen Fortschritt müssen aber auch politisch gelegt werden. Wir erreichen die notwendige Dynamik nach den schwierigen Coronajahren nur mit Förderinstrumenten und finanziellen Anreizen.

Doch Klimaschutz ist eine globale Herausforderung und sollte als solche auch angegangen werden: Es bedarf daher internationaler politischer Lösungen. Auch die Menschen in den Zielgebieten müssen in diesen Prozess einbezogen werden, um wirksame Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass es sich aus dem deutschen Wohnzimmer leicht(er) über Klimaschutz sprechen lässt als in manchen Zielregionen. Die Reisebranche hat das Potenzial als Vorbild voranzugehen, Nachhaltigkeit international vorzuleben und gleichzeitig zu mehr Toleranz und Weltoffenheit beizutragen.

Die Reisebranche hat das Potenzial als Vorbild voranzugehen, Nachhaltigkeit international vorzuleben und gleichzeitig zu mehr Toleranz und Weltoffenheit beizutragen.

Sören Hartmann
Porträt von Sören Hartmann
Sören Hartmann

Die Herausforderungen der Tourismuswirtschaft sind enorm, deshalb begrüßen wir den im Koalitionsvertrag betonten Fortschritts- und Gestaltungswillen mit Blick auf die Tourismuspolitik sehr. Es gilt den Tourismussektor zukunftsfest zu machen und dabei die gesamte Kette einzubeziehen.

Als Arbeitgeber für 9.400 Mitarbeiter:innen wie als Reiseveranstalter für unsere Gäste, sehe ich es aber auch als unsere Verantwortung, unsere Erfahrung aktiv und transparent in den politischen Prozess einzubringen. Ich bin überzeugt, dass wir als Praxischeck für politische Vorhaben fungieren können – ganz konkret auch bei der geplanten Nationalen Plattform Zukunft Tourismus und bei der Nationalen Tourismusstrategie. Deshalb ist es mir auch eine besondere Freude, dem Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) seit nunmehr fast 100 Tagen als Präsident vorzustehen und somit die Branche im Gesamten gegenüber der Politik repräsentieren zu dürfen. Denn nur gemeinsam lassen sich die Herausforderungen unserer Branche meistern, davon bin ich überzeugt.

Ihr
Sören Hartmann

Porträt von Sören Hartmann
Über:
Sören Hartmann

ist CEO der DER Touristik Group und seit März diesen Jahres Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).

Die DER Touristik Group

Die DER Touristik Group mit Sitz in Köln ist die Reisesparte der REWE Group. Sie zählt zu den führenden Reisekonzernen in Europa. Unter das Dach der DER Touristik Group gehören über 130 Unternehmen. Sie beschäftigt 9.400 Mitarbeiter:innen in 16 europäischen Ländern. Jährlich verreisen Millionen Gäste mit einem ihrer Reiseveranstalter oder Spezialisten. Zur DER Touristik Group zählen u. a. die Veranstalter DERTOUR, Jahn Reisen, ITS, Meiers Weltreisen, Travelix, Kuoni, Helvetic Tours, ITS Coop Travel, Billa Reisen, Koning Aap, Apollo, Exim Tours und Fischer, über 2.300 Reisebüros (u.a. DERTOUR, DERPART, Kuoni, Exim, Fischer sowie Franchise- und Kooperationspartner), die Hotelmarken Sentido, Aldiana, Calimera und Cooee sowie das Online-Reiseportal Prijsvrij Vakanties. Auch vor Ort ist die DER Touristik Group für ihre Gäste aktiv: Mit 74 Büros ist das konzerneigene Agenturnetzwerk in 29 Reiseländern präsent. Die Mitarbeiter:innen der Zielgebietsagenturen betreuen die Gäste der DER Touristik Group von der Ankunft bis zum Abflug am Urlaubsort.