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22. November 2017

„Die REWE-Sprache ist eine Herausforderung“


Ibrahim Dourra Maiga, 36, Integrationskoordinator der Region Süd bei REWE, über die Herausforderung, Geflüchtete langfristig für eine Tätigkeit bei REWE zu gewinnen, die Zusammenarbeit mit Behörden und die Wahrnehmung der Integrationsarbeit von REWE am Arbeitsmarkt.

Ibrahim Dourra Maiga, Integrationskoordinator der Region Süd bei REWE

Herr Maiga, Arbeitsmarktexperten beklagen, dass die Integration der in den vergangenen Jahren aus Syrien und anderen Ländern geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt nur schleppend vorangeht. Wie verläuft der Prozess bei REWE?
Ibrahim Dourra Maiga: 
Wenn beispielsweise bei uns in Bayern 21 Geflüchtete eine Ausbildung absolvieren und 13 weitere junge Menschen berufsbegleitende Maßnahmen durchlaufen, mag das auf den ersten Blick wenig erscheinen. Aber gemessen an den Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, haben wir schon einen kleinen Erfolg erzielt. Wirklich zufrieden bin ich aber erst, wenn möglichst viele ihre Ausbildung auch erfolgreich abschließen.

Welche Hürden gibt es?
Ibrahim Dourra Maiga: 
Zunächst einmal müssen wir die Geflüchteten für eine Ausbildung bei REWE begeistern. Das ist nicht immer einfach, weil viele falsche Vorstellungen von einem Job im Handel haben. Wenn die jungen Leute dann bei uns sind, müssen wir sie intensiv betreuen, Behördengänge erledigen, mit den Berufsschulen reden – diese Dinge erfordern einen großen Aufwand.

Abgesehen von den Auszubildenden….
Ibrahim Dourra Maiga:
 …haben wir in Bayern über unser Programm KIMAT (Konzept zur Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt und die Teams) vergleichsweise wenige Geflüchtete eingestellt. Über meinen Schreibtisch sind elf Einstellungen für Märkte und acht für die Logistik gegangen. Da würde ich mir mehr wünschen. Aber auch hier gilt: Viele Bewerber haben unrealistische Vorstellungen von der Arbeit bei REWE. Mitunter fehlt auch die Arbeitsgenehmigung. 

Viele Unternehmen lehnen Bewerbungen von Geflüchteten aufgrund fehlender Deutsch-Kenntnisse ab.
Ibrahim Dourra Maiga:
 Ja, die Sprache ist sicher eine große Herausforderung. Viel schwieriger ist es jedoch häufig für Geflüchtete, die spezifische Handels- und REWE-Sprache zu erlernen. Allein die vielen Abkürzungen…

Was lässt sich da verbessern?
Ibrahim Dourra Maiga:
 Bilder und Videos können helfen, Fachbegriffe zu vermitteln. Das packen wir gerade an. Wichtig ist auch, dass neue Mitarbeiter aus anderen Ländern die Leitideen unseres Unternehmens und unsere Kultur kennenlernen. Nur dann besteht eine Chance, dass sie auch langfristig bei REWE bleiben.

"Als es hieß, es kommen zwei neue Kollegen aus Syrien, reagierten die Mitarbeiter zunächst reserviert. Aber als die Geflüchteten da waren, entwickelte sich sehr schnell ein reger Austausch auch über Religion und Kultur. Das zeigt wieder einmal: Vorurteile lassen sich nur abbauen, wenn man miteinander ins Gespräch kommt." Ibrahim Dourra Maiga

Manche Mitarbeiter in den Märkten haben Vorbehalte gegenüber Kollegen aus Syrien oder anderen Flüchtlingsländern. Was lässt sich dagegen unternehmen?
Ibrahim Dourra Maiga: 
Genau das haben wir gerade in einem Markt in Nordbayern erlebt: Als es hieß, es kommen zwei neue Kollegen aus Syrien, reagierten die Mitarbeiter zunächst reserviert. Aber als die Geflüchteten da waren, entwickelte sich sehr schnell ein reger Austausch auch über Religion und Kultur. Das zeigt wieder einmal: Vorurteile lassen sich nur abbauen, wenn man miteinander ins Gespräch kommt. Das möchten wir fördern. Deshalb haben wir in Nordbayern ein Pilot-Patenschaftsprogramm aufgesetzt. So hat jeder Geflüchtete, der neu in einen Markt kommt einen festen Ansprechpartner, der sich um seine Belange kümmert. Dieses Modell wollen wir flächendeckend ausrollen. 

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Behörden?
Ibrahim Dourra Maiga:
 Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind schwieriger geworden, weil die 3 plus 2-Regelung in vielen Fällen nicht konsequent umgesetzt wird.

Das heißt?
Ibrahim Durra Maiga:
 Wer sich drei Jahre lang ausbilden lässt, dann als Flüchtling nicht anerkannt, sondern nur geduldet wird, darf mindestens zwei Jahre danach in Deutschland arbeiten. Die Arbeitsgenehmigung wird jedoch aufgehoben, sobald der Asylantrag abgelehnt wird oder ein Geflüchteter nicht an dem Prozess seiner Identifikation mitwirkt. Somit besitzen die Märkte keine Planungssicherheit, wenn sie einen Geflüchteten einstellen, über dessen Asylantrag noch nicht entschieden wurde. Hinzu kommt, dass sich die Liste der Länder, die die Bundesregierung als sicher einstuft, zuletzt häufig geändert hat. 

Wie wird die Integrationsarbeit von REWE nach Ihrer Beobachtung am Arbeitsmarkt wahrgenommen? 
Ibrahim Dourra Maiga: 
Ohne zu übertreiben lässt sich sagen: REWE gilt auf diesem Feld als Vorzeigeunternehmen. Wir arbeiten nach einem strukturierten, nachhaltigen Konzept, während sich viele andere nur punktuell engagieren. Ein Gradmesser für die Wertschätzung, die wir erfahren, sind auch die zahlreichen Einladungen zu Vorträgen und Diskussionsrunden, die ich erhalte, um unsere Integrationsaktivitäten vorzustellen.