Der Browser, den Sie nutzen, bietet nicht den nötigen Komfort und besitzt ggf. einige Sicherheitslücken, die neuere Browser nicht aufweisen. Bitte verwenden Sie den aktuellen Edge, Chrome, Firefox oder Safari.
Telefon-Zentrale: +49 221 149 0 Kontakt English
Teile diesen Artikel

Das geistige Eigentum an allen Texten, Bildern, Klang und Software auf dieser Website liegt bei REWE Group,
oder wurde mit Genehmigung des jeweiligen Inhabers der entsprechenden Rechte verwendet.
Es ist gestattet dieses Seite zu betrachten, Extrakte auszudrucken, auf die Festplatte Ihres Computers zu speichern und an andere Personen weiterzuleiten. Es ist jedoch nicht gestattet solche Inhalte kommerziell zu nutzen, Inhalte auch in Teilen in Publikationen zu verwenden. Weitergehende Rechte sind mit der Nutzung dieser Website nicht verbunden.
REWE Group ist nicht verantwortlich für fremde Inhalte von Websiten auf die von dieser Seite verwiesen wird.

2016

„Lebe den Moment und rede mit den Menschen“


Flüchtlinge und Mitarbeiter der Kölner REWE-Group-Standorte kamen miteinander ins Gespräch. Anlass war das vom Unternehmen initiierte „Sprachcafé“ zum Annähern an die deutsche Sprache. Vier Mitabeiter erzählen, wie das Sprachcafé für sie war und warum sie bei dem Projekt mitmachen.

Schüchtern kommen sie in den Tagungsraum am Kölner Standort Domstraße: Vier Frauen, 14 Männer, zwei Kinder und ein Baby im Kinderwagen. Der älteste 70 Jahre alt, die jüngste drei Monate. Zwei Hände voll Nationen, die in drei Kölner Flüchtlingsunterkünften des Deutschen Roten Kreuzes ein vorübergehendes Heim gefunden haben. Derweil stehen im Raum eng an den Wänden und zwischen den Stühlen 20 Erwachsene, so viele Frauen wie Männer, ein bisschen multikulti, wie es typisch ist für ein großes Unternehmen wie die REWE Group.

Kein Sprachkurs, sondern Sprechgelegenheit

Nicht typisch war die Situation: Erstmals trafen sich Mitte Juni 2016 Geflüchtete und ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter der Kölner Unternehmensstandorte zum so genannten Sprachcafé. Die Resonanz auf die Initiative, miteinander Deutsch zu lernen, war auf beiden Seiten unerwartet groß. Ziel des Pilotprojekts, das erst einmal aus sechs Terminen besteht: Denen, die hier Zuflucht gesucht haben, auch sprachlich eine Heimat zu geben. Nicht als Sprachkurs, sondern als Chance, zu sprechen und zu üben.

Paare, Trios, Kleeblätter

Derweil schauen sich 40 Menschen erwartungsvoll an. Die ersten gehen aufeinander zu, schütteln beherzt die Hand oder nicken freundlich, bedeuten sich gegenseitig mit Gesten oder wenigen Worten, dass sie gerne die nächsten eineinhalb Stunden miteinander verbringen wollen. „Ich habe sehr schnell einen Gesprächspartner gefunden.“ So wie Werkstudent Ahmed Limam geht es allen anderen REWE-Group-Freiwilligen: Nach der ersten Unsicherheit finden sich ganz schnell Paare und Kleeblätter zusammen, oder wie im Fall von Carola Wu, ein Trio.

Überraschende Gesprächspartner

Wu setzt sich mit den zwei Jungen zusammen und macht eine wichtige Erfahrung: Sie hatte sich im Vorfeld intensiv vorbereitet - auf eine Begegnung mit Erwachsenen ohne Deutschkenntnisse. Und trifft auf zwei wissbegierige Schuljungen, die stolz ihr Sprachwissen an ihr ausprobieren. „Für mich war das Sprachcafé eine echte Überraschung,“ so die Mitarbeiterin der REWE Group Buying.

Eine wohl gelungene Überraschung, denn beim nächsten Sprachcafé-Termin würde sie gerne wieder mit den beiden Teens sprechen. Das geht auch Azubi David Müller so, der sich intensiv und mit Hilfe der bereit gestellten Übungsmaterialien mit einem jungen Iraker austauschte: „Schön wäre es, wenn ich ihn beim nächsten Mal wieder treffe.“

Eine gute Initiative für alle

Denn nicht nur die Flüchtlinge haben vom ersten Sprachcafé profitiert. „Mein Gesprächspartner möchte unbedingt wieder kommen. Mir hat es auch großen Spaß gemacht“, lobt Müller die „gute Initiative“, die bei den Mitarbeitern sehr gut ankam, worüber sich Andrea Dederichs, Organisatorin des Sprachcafés von REWE Group-Seite, sehr freut: „Wir haben nach der Infoveranstaltung sehr viele Anmeldungen erhalten, so dass alle kommenden Termine ausgebucht sind.“

 

„Man muss dem Arzt die Beschwerden selbst erklären können“ Ahmed Limam, Werkstudent der REWE Group

Ahmed Limam: "Meine Familie kommt aus Tunesien, in meinem Umfeld gibt es viele einstige oder aktuelle Flüchtlinge, Themen wie Flucht, Heimat, Verlust, Sprache und Kommunikation sind mir vertraut.
 
Mein Gesprächspartner kommt aus dem Irak, er hat dort als Geschichtslehrer gearbeitet und alles aufgegeben, als er aus seinem Land floh. Der Heimatverlust, der Neuanfang, das hat ihn deprimiert.
Daher habe ich anfangs mit ihm auf arabisch kommuniziert. Um seine Geschichte zu verstehen und um ihm Mut zu machen.

Danach haben wir auf Deutsch weitergemacht, er hatte sich vorbereitet und war sehr motiviert. Ich habe ihn gefragt, was er lernen möchte. Erst wollte er die Fragewörter wissen, also wann, wie, warum. Dann haben wir die Uhrzeiten geübt und uns die Übungsblätter, die auslagen, vorgenommen. Er wollte immer wissen: Was brauche ich an Sprachkenntnissen? Ich habe gesagt: Niemand verlangt, dass du perfekt Deutsch sprichst. Aber es ist wichtig, zu sprechen und zu verstehen. Dass du zum Beispiel dem Arzt deine Beschwerden selbst beschreiben kannst. Ein anderer steckt ja nicht in deinem Körper drin.“
 
Die Artikel - der, die, das - sind auch wichtig, 90 Prozent muss man auswendig lernen, zehn Prozent macht man mit Bauchgefühl richtig. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, ich bin zwar in Deutschland geboren, habe als Kind aber einige Jahre in Tunesien gelebt. Daher habe ich zu meinem Sprachcafé-Partner gesagt, er solle lernen, sich aber nicht zu sehr verbeißen.
 
Lebe den Moment, hab ich gesagt, rede mit den Menschen und nutze diese Situationen. Alles andere kommt mit der Zeit, wenn er einen Integrationskurs macht. Ich hoffe, das hat etwas Druck von ihm genommen."

„Ein superspannendes Angebot, mit Flüchtlingen in Kontakt zu kommen“ Kristina Clausen, Interne Kommunikation, PENNY Markt GmbH

Kristina Clausen: "Das Thema Flüchtlinge beschäftigt mich schon länger, und ich glaube, dass das Thema unsere Gesellschaft immer mehr begleiten wird. Bislang hatte ich aber noch keinen Ansatz, wie und wo ich mich engagieren könnte. Daher hab ich das superspannende Angebot des Arbeitgebers gerne angenommen, mit den Menschen in direkten Kontakt zu kommen.

Der erste Moment war seltsam, als alle in den Raum kamen und keiner wusste, wie es nun losgeht. Aber dann hat sich das schnell aufgeteilt: Mit einer Kollegin, die ich auch erst vor Ort kennen lernte, und zwei Familienvätern aus Albanien bildeten wir eine Vierer-Konstellation. Das war für alle angenehm: Wir Kolleginnen konnten uns bei der Themenfindung abwechseln, die beiden Männer halfen sich gegenseitig, denn der jüngere sprach recht gut Deutsch. Das Gespräch begann damit, uns kennenzulernen: Woher kommt ihr, wie heißt ihr, die Familie, typisches Essen... Und dann ging es natürlich irgendwann um Fußball, an dem Abend spielte Frankreich gegen Albanien.
 
Ich habe mir danach zum ersten Mal Gedanken über das Land Albanien gemacht, über die Beweggründe der Menschen, von dort fortzugehen, wie sie hier in einem Raum leben mit einer vierköpfigen Familie, ob sie eine Chance haben, hier anerkannt zu werden, wie es für sie weitergeht…"

„In Deutschland kann man ruhig schlafen“ David Müller, Azubi der REWE Zentral AG

David Müller: "Ich fand es wirklich gut. Und ich glaube, den Flüchtlingen war klar, dass es nicht um Sprachunterricht geht, sondern darum, sich zu unterhalten. Mein Gesprächspartner kam aus dem Irak, er war sehr, sehr motiviert. Ich hatte einiges ausgedruckt vorab, und er hatte eine arabisch-deutsche Sprach-App auf seinem Handy. Zudem konnte er etwas englisch und es gab ja reichlich Übungsmaterial vor Ort.

Anhand der Abbildungen habe ich ihm Wörter erklärt, die übertrug er dann in eine Art arabische Lautschrift und las mir anschließend vor, ob seine Aussprache verständlich war. Dabei habe ich versucht, Zusammenhänge darzustellen. Wenn zum Beispiel ein Bild von einer Gabel zu sehen war, habe ich auch das Wort „Essen“ erklärt.

Das ging erstaunlich gut. Denn ich hatte vorher doch etwas Angst, wie ich an die Situation heran gehen sollte. Aber ich habe mich drauf eingelassen, und die Flüchtlinge haben sich auch drauf eingelassen. Und so hat es gut funktioniert. Mit der Zeit wurden wir natürlich lockerer. Neben uns saß ein Landsmann meines Gesprächspartners, ein etwa 70jähriger Schneider, der anfangs sehr zurückhaltend war. Dann begannen beide, über den Irak zu sprechen, über das Leben dort, über die Fluchtgründe. Deutschland sei super, sagten sie, denn hier könne man ruhig schlafen. Ohne „Bumbum“ Nacht für Nacht.
 
Warum ich beim Sprachcafé mitmache? Ich habe schon länger nach einer Möglichkeit gesucht, mich für Flüchtlinge zu engagieren. Ich möchte gerne etwas von unserer Grundsicherheit in Deutschland weitergeben. Ich meine, in Deutschland muss sich keiner Sorgen machen oder Angst haben. Und das hätte, meiner Meinung nach, jeder Mensch verdient."

„Sie sind stolz auf ihr Wissen, wie alle Kinder auf der Welt“ Carola Wu, Assistentin im Vollsortiment Weineinkauf bei der REWE Group Buying

Carola Wu: "Durch Zufall saß ich mit zwei Jungen zusammen, Brüder, 12 und 13 Jahre alt. Ich hatte unter anderem eine Weltkarte dabei, damit haben sie mir gezeigt, welchen Weg sie genommen haben vom Irak nach Deutschland: Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich, von dessen Bergen sie sehr schwärmten. Seit acht Monaten sind sie hier, seit vier Wochen gehen sie zur Schule
Und sie konnten besser Deutsch als gedacht, worauf sie sehr stolz waren. Sie brannten darauf, mir alles vorzuführen, was sie bisher gelernt hatten: welchen Schulweg sie nehmen, was sie schon alles schreiben und bis wieviel sie zählen können... Die beiden waren wie alle Kinder auf der Welt: Sie möchten zeigen, was sie schon wissen, spielen gerne auf ihrem Handy und möchten abends nicht ins Bett.
 
Ich kannte die Flüchtlingsthematik nur aus den Nachrichten und wusste sehr wenig, daher hatte ich mir mehr Berührungspunkte gewünscht. Das Sprachcafé passt auch sehr gut für mich, da ich einen Englisch-Stammtisch besuche, wo das Sprechen und die Sprache im Vordergrund stehen."

Sprachcafé in Kürze

Das „Sprachcafé“ für Flüchtlinge ist ein Pilotprojekt, das die REWE Group mit dem Büro für Bürgerengagement der AWO im Rahmen der Zusammenarbeit der Börse für soziales und ökologisches Engagement ins Leben gerufen hat. Idee ist, dass ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter Flüchtlingen aus Kölner Notunterkünften helfen, sich der deutschen Sprache anzunähern. Denn ohne (Grund)Kenntnisse der Sprache bleibt Deutschland den Menschen, die sich zu uns geflüchtet haben, ein Buch mit sieben Siegeln. Ein Sprachkurs soll das Sprachcafé aber nicht sein: „Es soll den Mitarbeitern ein soziales Engagement in ihrer Freizeit ermöglichen, das mit den Arbeitszeiten vereinbar ist“, so Andrea Dederichs, Funktionsbereichsleiterin Corporate Media / Sponsoring. „Dies war uns bei der Entwicklung des Pilotprojektes wichtig.“

Im Juni 2016 ging es los, insgesamt gab es fünf weitere Sprachcafétermine.

Neben dem neu geschaffenen Angebot des Sprachcafés finden sich zahlreiche Engagementgesuche weiterer Einrichtungen aus Köln und dem Umland in der Börse für soziales und ökologisches Engagement.