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2016

Einkäufer Florian Handke: Die Milch macht‘s


Lebensmittel ohne Gentechnik – das ist immer mehr Kunden wichtig. „Das Thema nachhaltiger Konsum ist in den Köpfen angekommen,“ sagt Florian Handke. Der 39-Jährige ist bei der REWE Group für den Einkauf von Milch verantwortlich und erklärt, warum REWE und PENNY ihr Sortiment an gentechnikfreien Produkten systematisch ausweiten.

Florian Handke, 39. Er ist bei der REWE Group für den Einkauf von Milch verantwortlich

In diesem Sommer war es, da standen vor dem Brandenburger Tor in Berlin tausende leerer Gummistiefel – eine Protestaktion verzweifelter Landwirte, die wegen der niedrigen Michpreise ihre Höfe stilllegen mussten. Das Fernsehen zeigte aufgebrachte Bauern, die fässerweise Milch wegschütteten. Und die Zeitungen waren voll mit Geschichten über den Niedergang der Milchwirtschaft. All das zeigte wieder einmal: Wenn es um Milch geht, sind immer auch Emotionen im Spiel. „Milch geht jeden an. Milch ist ein Grundnahrungsmittel“, sagt Florian Handke, 39. Er ist bei der REWE Group für den Einkauf von Milch verantwortlich.  

Seit Sommer ist Milch wieder sehr viel teurer geworden – das hat viel mit Politik zu tun und ist eine eigene Geschichte. Hier soll es mehr um die Kühe gehen, die die Milch liefern. Konkret: um deren Ernährung. Bekommen die Tiere gentechnisch veränderte Futtermittel, etwa Soja aus Übersee, wo gentechnisch veränderte Sorten Standard sind? Diese Frage beschäftigt immer mehr Verbraucher. Weil Milch nicht aus, sondern mit Hilfe gentechnisch veränderter Organismen (GVO) wie beispielsweise Soja hergestellt wird, besteht keine Kennzeichnungspflicht. Hersteller müssen keinen Hinweis auf die Verpackung drucken, wenn die Kühe gentechnisch verändertes Futter erhalten haben. „Das ist unbefriedigend. Viele Umfragen belegen, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnt.  Immer mehr Verbraucher möchten Milch kaufen, die nachweislich von Tieren stammt, die GVO-frei gefüttert worden sind“, betont Handke. Der Kunde achtet nach seiner Beobachtung verstärkt auf Qualität, auch bei Artikeln im Preiseinstieg. „Das Thema nachhaltiger Konsum ist in den Köpfen angekommen.“

„GVO-freie Frischmilch gab es bisher nur in Süddeutschland“

Aus diesem Grund weiten REWE und PENNY ihr Angebot an gentechnikfreien Milchprodukten mit Beginn des nächsten Jahres deutlich aus. Los geht es mit der Eigenmarken-Frischmilch: Ab 2. Januar verkaufen die bundesweit 5500 Märkte von REWE und PENNY GVO-freie Frischmilch. Und das nicht etwa nur im Premiumbereich, sondern auch im Preiseinstieg. „Dieses Angebot gab es bisher nur in ausgesuchten Regionen, vornehmlich in Süddeutschland“, erläutert Handke. Was wenige wissen: Die REWE Group ist Pionier bei GVO-freier Frischmilch. Sie hatte bereits 2012 als erstes deutsches Handelsunternehmen GVO-freie Frischmilch der Marburger Molkerei regional auf den Markt gebracht.

„Auch bei den großen Molkereien hat ein Umdenken eingesetzt“

Nach der Frischmilch werden REWE und PENNY in den ersten Wochen 2017 auch GVO-freien Eigenmarken-Käse wie Emmentaler, Gouda oder Mozzarella ins Sortiment aufnehmen. Im Jahresverlauf rücken dann weitere Milchbasisprodukte wie H-Milch, Sahne, Quark oder Saure Sahne in die Kühlregale der Märkte von REWE und PENNY. Viele Experten hätten das noch vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten – weil es nur wenige Molkereien gab, die in die Verarbeitung GVO-freier Milch einstiegen. „Das hat sich geändert. Viele kleine Betriebe vor allem in Bayern haben komplett auf die Erzeugung ohne Gentechnik umgestellt, und auch bei den großen Molkereien hat ein Umdenken eingesetzt“, beobachtet Handke. Nach seiner Einschätzung gibt es ausreichend GVO-freie Futtermittel: „Es geht auch ohne gentechnisch verändertes Soja aus Übersee.“

Aber: Der Einsatz gentechnikfreier und bevorzugt heimischer Futtermittel verursacht bei den Landwirten Mehrkosten. Dafür zahlt die REWE Group einen Zuschlag an die Milchbauern. „Die Kunden müssen für GVO-freie Milche nicht mehr bezahlen als für konventionelle Milch“, betont Handke.

Die Umstellung ist für ihn wieder einmal ein Beleg dafür, dass Milch keineswegs ein so langweilig, wenig innovatives Produkt ist wie manche vermuten. Verglichen mit einem Joghurt, so sagt Handke, gebe es zwar weniger Möglichkeiten zu differenzieren. „Aber auch unsere Bergbauern- und Weidemilch zeigen, dass Innovationen von den Kunden honoriert werden.“  Vielleicht ist das gerade die Herausforderung: einem vermeintlich austauschbaren Produkt wie Milch ein Profil zu geben. Die Aufmerksamkeit der Verbraucher ist Handke und seinem Team gewiss. Sie wollen wissen, was mit „ihrer“ Milch passiert – nicht nur, wenn die Bauern in Berlin wieder einmal  für höhere Preise demonstrieren.

Grünes Siegel, gleicher Preis

In allen EU-Ländern gelten die gleichen Vorschriften zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Grundsätzlich gilt: Jede bewusste und gezielte Anwendung gentechnisch veränderter Organismen muss auf dem Etikett eines Lebensmittels durch einen entsprechenden Hinweis zu erkennen sein.

Auch wenn viele Konsumenten es so verstehen: Die Gentechnik-Kennzeichnung ist kein Warnhinweis. Gäbe es wissenschaftlich begründete Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit, dürften GVO-Lebensmittel gar nicht in den Handel kommen. Gleichwohl möchten immer mehr Verbraucher GVO-freie Produkte kaufen. „Wir respektieren diese Haltung und weiten unserer Sortiment an Produkten, die von Tieren stammen, die nachweislich GVO-frei gefüttert wurden, systematisch aus“, betont Jan Kunath, im Vorstand der REWE Group auch für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich.

Das Eigenmarken-Sortiment bei Molkereiprodukten, Käse und Milchbasisprodukten wird bundesweit Schritt für Schritt komplett umgestellt – ohne, dass die Kunden künftig mehr bezahlen müssen. „Im Kühlregel steht dann beispielsweise nicht GVO-freie Milch neben traditioneller Milch, sondern es wird nur noch GVO-freie Milch geben“, betont Einkäufer Florian Handke. Eine solche Umstellung funktioniert aber nicht auf Knopfdruck. Die Molkereien steigen erst allmählich in die Verarbeitung gentechnikfreier Milch ein. Wenn beispielsweise ein Betrieb mit gentechnikfreier Fütterung Jungkühe von nicht zertifizierten Betrieben kauft, darf er deren Milch erst dann als GVO-frei vermarkten, wenn er die Tiere drei Monate mit gentechnikfreiem Futter versorgt hat.  Ob ein Produkt ohne Gentechnik auskommt, erkennen Verbraucher an einem kleinen grünen Siegel („Ohne Gentechnik“) auf der Verpackung.