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„Immer nur gerade, schön und glatt – das ist nicht die Natur“


Heike und Andreas Mager bauen in Alfter Äpfel für die PENNY Bio-Helden an. Im Interview erzählen die Öko-Landwirte, warum die Bio-Helden nicht nur wirtschaftlich ein Erfolg sind, sondern auch echte Bio-Botschafter mit Ecken und Kanten sind.

Heike und Andreas Mager bewirtschaften gemeinsam mit ihren Kindern Christiane und Benedikt als Familienunternehmen einen 30 Hektar großen Kernobstbetrieb nach Naturland-Richtlinien (Foto: Michael Pröck)

Herr Mager, Frau Mager, was bringen die Bio-Helden wirtschaftlich für Ihren Hof?

Andreas Mager: Für uns ist vor allem wichtig, dass wir das komplette Größenspektrum der Äpfel verkaufen können – und nicht nur die mittlere, gleichmäßige Größe. Wir können nun Äpfel ab einem Umfang von 60 Millimetern verkaufen. Und wir können auch Äpfel mit leichten äußeren Schäden mit verpacken. Da geht es ja nur um Optik. Es freut uns natürlich zu sehen, dass die Kunden das akzeptieren und der Absatz der Bio-Helden sogar zunimmt.


Was haben Sie vor Einführung der Bio-Helden mit nicht normkonformen Äpfeln gemacht?
Andreas Mager: Die haben wir an den Naturkosthandel verkauft – allerdings unter Preis. PENNY bezahlt dagegen den normalen Preis, auch wenn hier und da mal ein Apfel mit äußerlicher Macke dabei ist. Die Qualität ist natürlich bei jedem Apfel einwandfrei.

„Es ist wichtig für uns, einen Handelspartner zu haben, der akzeptiert, dass Bio-Äpfel auch mal eine raue Schale haben oder etwas kleiner sind.“ Heike Mager
Foto: Michael Pröck

Welche Rolle spielt für Sie der ökologische Aspekt?
Heike Mager: Als ökologisch arbeitender Betrieb können wir nicht wie im konventionellen Bereich mit allen Mitteln dafür sorgen, äußerlich perfekte Äpfel zu produzieren. Umso wichtiger ist es für uns, einen Handelspartner zu haben, der akzeptiert, dass Bio-Äpfel auch mal eine raue Schale haben oder etwas kleiner sind.

Damit tragen Sie ja auch dazu bei, Verbraucher zu sensibilisieren.
Andreas Mager: Im dogmatischen Bio-Bereich wird es natürlich nicht gern gesehen, dass man an einen Discounter verkauft. Wir sagen: Wenn wir es schaffen, so andere Käuferschichten für Bio zu gewinnen, dann ist das der richtige Weg.

Heike Mager: Wir wollen ja auch, dass nicht nur eine bestimmte, gutverdienende Bürgerschicht Bio kauft. Eigentlich müsste Bio doch gerade für Familien mit vielen Kindern da sein.

Hätten Sie damit gerechnet, dass die Bio-Helden bei einem Discounter wie PENNY eine so große Akzeptanz finden?
Heike Mager: Wissen Sie, viel Wissen über Landwirtschaft ist verlorengegangen. Man muss den Kunden erklären, dass es völlig normal ist, wenn Produkte von einer Norm abweichen. Dass ein perfekter, runder Apfel nicht besser ist, als sein Artgenosse mit Ecken und Kanten. Viele denken darüber gar nicht mehr nach. Immer nur gerade, schön und glatt – das ist nicht die Natur. Projekte wie die Bio-Helden tragen dazu bei, dass die Menschen so langsam wieder verstehen, dass nicht alles jederzeit verfügbar ist und dass auch eine krumme Gurke oder eine zweibeinige Möhre ganz normal sind.

Sie erhalten neben den gut 25 Hektar Apfelanbau auch fünf Hektar Biotope. Was steckt dahinter?
Heike Mager: Wir haben von Natur aus gute Voraussetzungen, um Lebensräume für Insekten, Vögel und Pflanzen zu schaffen: Zahlreiche Bäche, Sümpfe, Weiher und Randflächen, die wir schon früh angefangen haben, zu pflegen und mit Blühwiesen oder Gehölzen zu gestalten. So schaffen wir etwa Nistmöglichkeiten für Vögel und Wildbienen. Wir haben hier auch einen Imker in der Plantage und kümmern uns um zehn Wildbienen-Stationen.

„Die Bio-Helden tragen dazu bei, dass die Menschen wieder verstehen, dass auch eine krumme Gurke oder eine zweibeinige Möhre ganz normal sind.“ Heike Mager
Ein Jahr nach der Einführung erfreuen sich die Naturgut Bio-Helden großer Beliebtheit bei den PENNY-Kunden

Worauf kommt es dabei an?
Heike Mager: Man muss genau hinschauen: Wie geht es den Bienen und den Hummeln? Wo müssen wir schonen, wo fördern? Wo können wir mähen und wo lassen wir Gräser und Klee wachsen, um den Bienen eine Nahrungsgrundlage zu verschaffen? Da muss man natürlich offen sein und die Wahrnehmung schärfen: Wie reagieren die Tiere? Mit diesem Blick fangen wir an, wirklich mit der Natur zu arbeiten. Ich habe zum Beispiel im Moment einen kleinen Fuchs, der mir jeder Nacht so einen kleinen Knödel wegfrisst. Ich nehme an, dem geht’s nicht so gut. Der Fuchs frisst aber auch die Mäuse, die uns sonst die Baumwurzeln zerstören. Deshalb lass ich ihn den Knödel fressen.

Woran merken Sie noch, dass Sie damit Erfolg haben?
Heike Mager: Wir waren vor ein paar Tagen in der Obstplantage, um zu schauen, was da so fliegt. Da war zwar keine einzige Biene unterwegs, für die war es zu nass und zu kalt,  aber es waren Hummeln in Massen, wie ich es noch nie erlebt hab. Da frag ich mich: ist das ein Resultat unserer Arbeit, weil sie sich besser verstecken können und Löcher und Ecken ausfinden machen, um ihre Bauten anzulegen? Das macht es so spannend. Zum ökologischen Wirtschaften gehört eben mehr als der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, Herbizide oder Unkrautbekämpfung.

Das Gespräch führte Sebastian Amaral Anders