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11. Juni 2019

Nachhaltigere Verpackungen: Strategie


In vielen Schritten zu 100 Prozent

Verschiedene Verpackungsalternativen, zum Beispiel: Natural Branding, Rezyklat-Flaschen, Bananen-Banderole etc.

Vermeiden, verringern, verbessern – in ihrer Leitlinie zeigt die REWE Group den Weg auf, wie sie ihr ehrgeiziges Ziel erreichen will: 100 Prozent der Eigenmarkenverpackungen bis Ende 2030 umweltfreundlicher zu gestalten. Die Wege sind dabei vielfältig. Von spannenden Innovationen bei Materialien bis hin zu Detailarbeit an der Einzelverpackung. In dieser Serie begleiten wir Mitarbeiter aus dem gesamten Unternehmen bei ihren Fortschritten und beobachten, wie das große Ziel Schritt für Schritt näher rückt.

Folge 1: Strategie

Porträtfoto von Maria Schäfer, Funktionsbereichsleiterin Nachhaltigkeit Ware

„Wir haben ein Bewusstsein für umweltfreundlichere Verpackungen geschaffen“

Maria Schäfer koordiniert für die REWE Group ein Projekt, bei dem alle Warenbereiche die Eigenmarkenverpackungen auf ihre Umweltfreundlichkeit hin überprüfen. Im Interview erklärt die Funktionsbereichsleiterin Nachhaltigkeit Ware, wo die Herausforderungen liegen – und warum Verpackungen aus Pflanzenfasern die nächste große Innovation sein können.

Frau Schäfer, Sie koordinieren für die REWE Group ein Projekt, bei dem alle Warenbereiche die Eigenmarkenverpackungen auf ihre Umweltfreundlichkeit hin überprüfen – wo liegen die Herausforderungen?
Maria Schäfer: Die größte Herausforderung war, dass wir zunächst mehr Informationen zu den Verpackungen zusammentragen mussten und auch immer noch dabei sind. Die Frage nach der Umweltfreundlichkeit von Verpackungen ist erst in der jüngeren Vergangenheit immer stärker in den Fokus gerückt. Die Informationen etwa zur Material-Zusammensetzung einzelner Verpackungen wurden nicht systembasiert erhoben. Der Inhalt und somit das Produkt standen im Vordergrund. Die Verpackung war Mittel zum Zweck: Sie sollte möglichst günstig in der Herstellung sein, das Produkt schützen, die Frische sicherstellen, die Handhabung erleichtern, den Transport ermöglichen und als Informationsträger dienen. Wir hatten folglich kaum Daten zu unseren Eigenmarken-Verpackungen in unseren Systemen. Über unseren Entsorger bekamen wir zwar die Gesamtmengen, konnten sie aber nicht auf einzelne Produkte herunterbrechen. Wieviel Kunststoff steckt in welcher Verpackung, wieviel Papier? Welche Kunststoffe wurden verwendet? Das konnten wir nicht systematisch beantworten. Mittlerweile haben wir viel erreicht. Alle Warenbereiche kommen im Verpackungsprojekt zusammen, man tauscht sich aus und lernt voneinander. Wir sind stolz darauf, dass wir ein gemeinsames Bewusstsein für das Thema umweltfreundlichere Verpackungen geschaffen haben und im gesamten Unternehmen an einem Strang ziehen.

Warum haben Sie das Thema gerade jetzt angepackt?
Maria Schäfer: Ressourcenschonung ist für uns als großer Händler natürlich schon seit langem ein zentrales Thema der Nachhaltigkeitsstrategie. Ab 2016 haben wir dann im Bereich Nachhaltigkeit Ware die ersten strategischen Projekte gemeinsam mit Einkauf und Category Management zum Thema Verpackung lanciert, etwa Natural Branding oder Graspapier. Die vielen positiven Reaktionen darauf haben noch einmal verdeutlicht, dass sich die Kunden gerade bei Obst und Gemüse immer stärker für Verpackungen interessieren und sich vor allem gegen Plastikverpackungen aussprechen. Das hat dann immer mehr Schwung aufgenommen: Die Politik sowie NGOs haben das Thema aufgegriffen, die Zahl der Kundenanfragen hat weiter zugenommen, es wurden Petitionen gestartet. Das alles war Grund für uns, das Thema systematisch anzupacken, mit dem Ziel 100 Prozent unserer Eigenmarkenverpackungen bis Ende 2030 umweltfreundlicher zu gestalten.

„Es gibt keine offizielle Definition einer umweltfreundlichen Verpackung.“

Ab wann ist eine Verpackung umweltfreundlich?
Maria Schäfer: Es gibt keine offizielle Definition einer umweltfreundlichen Verpackung. Zu Beginn des Verpackungsprojektes haben wir zunächst grundlegende Standards für umweltfreundlichere Verpackungen bei der REWE Group geschaffen, die die Basis für die Arbeit in den Warenbereichen bildet. Diese gilt es weiterzuentwickeln. Gerade jetzt gibt es eine starke Dynamik, es kommen immer neue Materialien und Entwicklungen auf den Markt. Wir arbeiten mit externen Instituten und Hochschulen an einer klaren Hierarchisierung von Materialien und wollen bis Ende des Jahres eine Antwort auf die Frage geben, welche Alternative zum Kunststoff nun die beste ist – Papier, Aluminium oder Glas? In unserer Verpackungs-Leitlinie haben wir definiert, was wir heute unter einer umweltfreundlicheren Verpackung verstehen. Zusammengefasst kann man sagen, dass Mehrweg aus unserer Sicht umweltfreundlicher ist, weil die Verpackungen im Kreislauf bleiben. Für Einweg haben wir Kriterien definiert, müssen dabei aber viele unterschiedliche Anforderungen an eine Verpackung unter einen Hut bringen.

Gibt es Produkte, die auch in Zukunft nicht ohne Verpackung auskommen?
Maria Schäfer: Ja, auf jeden Fall, etwa empfindliche Beeren sowie Kräuter oder auch Obst- und Gemüse in Konserven. Wir können nicht aktionistisch einfach alle Verpackungen weglassen und plötzlich alles nur noch unverpackt anbieten. Im Kundenservice gehen übrigens auch Beschwerden von Kunden ein. Denn Verpackungen können auch einen praktischen Nutzen für den Kunden erfüllen. Wenn wir hier etwas verändern, müssen wir auch den Kunden auf diesen Weg mitnehmen und ihm erklären, warum wir Veränderungen vornehmen.

Der Nabu hat kürzlich vorgerechnet, dass im Lebensmittelhandel in den vergangenen Jahren die Verpackungen gerade im Obst- und Gemüse-Bereich drastisch zu- statt abgenommen haben. Wie erklären Sie das?
Maria Schäfer: Das starke Bewusstsein für das Thema im Handel und bei den Verbrauchern – wie wir es heute erleben – ist noch ein relativ junges Phänomen. Zudem führen gesellschaftliche Veränderungen wie die Zunahme der Single-Haushalte zu mehr einzeln verpackten, kleinen Einheiten. Wir sind heute mobiler und die Nachfrage nach to-go-Artikel steigt, denken Sie nur an den Kaffee unterwegs und den Salat zwischendurch. Die Einkaufsbereiche arbeiten jetzt daran, Verpackungen zu reduzieren oder zu verbessern – und das Marketing sowie die Kommunikation arbeiten daran, dieses Bewusstsein bei den Verbrauchern zu schaffen und darüber aufzuklären, wie Verpackungen richtig entsorgt werden. Und wir reden mit den anderen Akteuren im Kreislauf, etwa den Entsorgern. Heute werden bei weitem noch nicht alle Kunststoffe recycelt, die recycelt werden könnten.

„Ich hoffe, dass wir in Zukunft bewusster mit Verpackungen umgehen und sie als Wertstoff schätzen.“

Welche Innovationen könnten eine Lösung für die Zukunft sein?
Maria Schäfer: Graspapier ist ja im Obst- und Gemüsebereich schon recht bekannt. Die Einkaufsbereiche prüfen derzeit, ob es in weiteren Warenbereichen eingesetzt werden kann, etwa im Trockensortiment oder auch bei Investitions- und Verbrauchsgütern. Darüber hinaus arbeiten wir mit verschiedenen Startups zusammen an alternativen Materialien für Verpackungen, zum Beispiel Verpackungen oder Einweg-Produkten aus Pflanzenfasern. Bio-Kunststoffe dagegen haben für uns derzeit noch keine Priorität, weil sie Stand heute keine ökologischen Vorteile gegen über herkömmlichem Kunststoff haben und eine Lebensmittelkonkurrenz entstehen kann, wenn etwa Mais in Form von Maisstärke für Verpackungen und nicht als Nahrungsmittel verwendet wird.

Wie ist der Weg von einer Idee zu einer umweltfreundlicheren Verpackung?
Maria Schäfer: In unseren REWE Group-weiten Verpackungsprojekt arbeiten wir eng mit allen Einkaufsbereichen zusammen, die ja letztlich alle Veränderungen mit den Lieferanten umsetzen. Daraus entstehen Synergien, etwa zwischen Food und Ultrafrische, die ähnliche Verpackungsarten haben. Wir lernen innerhalb der REWE Group über Ländergrenzen hinweg und profitieren alle enorm.

Wagen Sie eine Prognose – wie kaufen wir in 20 Jahren ein?
Maria Schäfer: Ich hoffe, dass wir bewusster mit Verpackungen umgehen und sie als Wertstoff schätzen. Und dass die Verpackung bei der Produktentwicklung bewusst mitgedacht wird, im besten Falle so, dass sie in eine Kreislaufwirtschaft zurückgeführt wird. Dies wird langfristig aber nur Branchenlösungen und Kooperationen über Lieferketten hinweg möglich sein.

Verschiedene Verpackungsalternativen, zum Beispiel: Natural Branding, Rezyklat-Flasche, Bananen-Banderole etc.

Um Verpackungsmüll zu reduzieren, arbeitet die REWE Group daran, Verpackungen nach Möglichkeit durch alternative Lösungen zu ersetzen. So wurden bereits die Verpackungen von über 1.400 Artikeln umweltfreundlicher gestaltet. Auch andere Maßnahmen haben dazu geführt, den Verbrauch von Plastik zu reduzieren. Durch die bereits umgesetzten Verpackungsänderungen sparen wir insgesamt alleine bei REWE und PENNY über 8.200 Tonnen an Kunststoff pro Jahr.