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26. Juni 2019

Nachhaltigere Verpackungen: Herausforderungen


In vielen Schritten zu 100 Prozent

Verschiedene Verpackungsalternativen, zum Beispiel: Natural Branding, Rezyklat-Flaschen, Bananen-Banderole etc.

Vermeiden, verringern, verbessern – in ihrer Leitlinie zeigt die REWE Group den Weg auf, wie sie ihr ehrgeiziges Ziel erreichen will: 100 Prozent der Eigenmarkenverpackungen bis Ende 2030 umweltfreundlicher zu gestalten. Die Wege sind dabei vielfältig. Von spannenden Innovationen bei Materialien bis hin zu Detailarbeit an der Einzelverpackung. In dieser Serie begleiten wir Mitarbeiter aus dem gesamten Unternehmen bei ihren Fortschritten und beobachten, wie das große Ziel Schritt für Schritt näher rückt.

Folge 2: Herausforderungen

Porträtfoto von Jan Weynand, Einkaufs- und Supply-Chain-Experte

„Es gibt wahnsinnig viele Anforderungen an eine Verpackung“

Rund 6.000 verschiedene Artikel hat das Team um Einkaufs- und Supply-Chain-Experte Jan Weynand mit den Eigenmarken-Einkäufern der REWE Group auf Verbesserungen der Verpackungen hin überprüft. Im Interview erklärt Jan Weynand, warum es oft keine einfachen Lösungen bei der umweltfreundlicheren Gestaltung von Verpackungen gibt – und warum Plastik zugleich die größte Herausforderung und die größte Chance ist.

Sie haben für den Einkauf eine Bestandsaufnahme der Eigenmarken-Verpackungen gemacht. Ist Plastik die größte Herausforderung?
Jan Weynand: Wir haben uns für REWE und PENNY rund 6.000 Eigenmarken-Food & Near-Food-Artikel angeschaut. Bei mehr als der Hälfte davon ist Kunststoff Teil der Verpackung. Plastik steht also im Fokus und ist zugleich die größte Herausforderung, weil es so viele unterschiedliche Verpackungstypen aus Kunststoff gibt. Dazu kommt die Komplexität der Verbund-Verpackungen, bei denen verschiedene Materialien miteinander verbunden sind und sich nicht ohne Weiteres von Hand trennen lassen. Zum Beispiel beim Getränkekarton für Milch oder Saft, der ein Verbund aus Kunststoff, Karton und Aluminium ist. Oder mehrschichtige Verbundfolien, die verschiedene Kunststoff-Arten beinhalten. Das gibt es häufig bei Käseverpackungen im SB-Bereich: Polyamid (PA) dient als Sauerstoffbarriere, Polyethylen (PE) ist als Wasserdampfbarriere und Versieglung der Verpackung notwendig.

Ist Plastik grundsätzliche schlechter als andere Verpackungsmaterialien?
Jan Weynand: Kunststoff hat sehr viele gute Eigenschaften, er wird ja nicht ohne Grund so oft verwendet. Kunststoff ist günstig in der Herstellung, sehr leicht, widerstandsfähig, und für viele Warenbereiche flexibel einsetzbar. Und vor allem: Er schützt das Produkt gut und unterstützt die Haltbarkeit. Wenn man Faktoren wie fossiler Rohstoff, Recycelbarkeit und Vermüllung ausklammert, ist das ein sehr gutes Material. Verpackungen aus anderen nicht-nachwachsenden Rohstoffen wie Aluminium sind etwa aufgrund der energieaufwändigen Herstellung nicht per se besser als Kunststoff. Wir werden nicht vollumfänglich auf Kunststoff verzichten können, aber es ist unsere Aufgabe, diesen möglichst zu reduzieren und dann so umweltfreundlich wie möglich einzusetzen. Wenn er recycelt und mehrfach wiederverwertet wird, sind wir diesem Ziel schon einen Schritt nähergekommen. Die gute Nachricht ist: Der Kunststoffmarkt ist in Bewegung, hier gibt es durch innovative Ansätze noch viel Potenzial.

Haben Sie schon konkrete Maßnahmen beschlossen?
Jan Weynand: Ja, wir prüfen aktuell über 150 Maßnahmen und haben schon einige mit den Einkäufern umgesetzt. Wenn möglich lassen wir Verpackungsbestandteile ganz weg („Vermeiden“), wie etwa den Deckel bei der Convenience-Salatschale. Bei Nudelbeuteln konnten wir Rüschenbeutel mit Wiederverschlussclip auf einen einfachen Standbeutel verändern und fast 20 Prozent Kunststoff einsparen („Verringern“). Spannend sind auch die Trays, in denen Kekse liegen. Die sind häufig aus speziellem dunklem Kunststoff, den klassische Recycling-Anlagen beim Aussortieren nicht erkennen. Dieser Kunststoff wird dann in der Restefraktion verbrannt. Diese Trays stellen wir nun auf transparent um, damit sie flächendeckend aussortiert und recycelt werden können („Verbessern“). Zudem steigern wir den Einsatz von Sekundärrohstoffen wie beispielsweise recyceltem Kunststoff (Rezyklat), vor allem im Getränke- und Drogeriebereich.

Was müssen Sie bei der Umsetzung beachten?
Jan Weynand: Es gibt wahnsinnig viele Anforderungen an eine Verpackung: Im Lebensmittelbereich steht Produktschutz und Haltbarkeit an erster Stelle. Zudem erwartet der Kunde einen gewissen Convenience-Faktor, zusätzlich ist die Verpackung Werbeträger. Unter dem Aspekt Umweltfreundlichkeit analysieren wir nun Eigenschaften wie Materialart, Materialmasse, Trennbarkeit, Recycelbarkeit – und zuletzt muss die Verpackung auch noch wirtschaftlich umsetzbar sein. Bei einer Verpackungsoptimierung müssen wir alle Anforderungen im Blick haben.

Eine einfache Lösung gibt es in vielen Fällen nicht?
Jan Weynand: Nein, die gibt es oft tatsächlich nicht. Wenn man zur Erfüllung einer Anforderung eine Änderung durchführt, kann es sein, dass man dadurch einen anderen Aspekt wieder verschlechtert – es entstehen Zielkonflikte. Zum Beispiel beim Joghurtbecher: Machen wir den Kunststoff dünner und stabilisieren den Becher mit einer Papierbanderole, verbrauchen wir zwar weniger Kunststoff. Jedoch hängt die Recyclingfähigkeit dann maßgeblich davon ab, ob der Kunden die beiden Materialen getrennt entsorgt. Wir müssen da mit Augenmaß rangehen und im Rahmen unserer strategischen Leitlinie viele Fälle individuell entscheiden. Dazu nutzen wir auch das Know-how anderer Fachbereiche, wie etwa Category Management, Qualitätsmanagement sowie die Erfahrung der Kollegen aus der Nachhaltigkeit. Das ist kein Thema, womit sich nur der Einkauf beschäftigt.

„Wir werden Branchenlösungen finden müssen, da die Kreislaufwirtschaft wichtiger wird.“

Wie kaufen wir in den nächsten 20 Jahren ein?
Jan Weynand: Ich denke, dass wir – wo es umsetzbar ist – immer mehr auf Verpackungen verzichten werden. Die Kollegen aus der Ultrafrische testen bei REWE gerade, Verpackungen bei Bio-Obst und -Gemüse wegzulassen. Auch unsere Kaufleute probieren viel aus. Zudem wird die Bedeutung von Mehrwegsysteme wachsen, neben dem Getränkebereich vor allem auch in neuen Segmenten wie dem Drogeriebereich. Kunststoff und Verpackungen werden auf jeden Fall in den nächsten Jahren im Fokus des Nachhaltigkeits-Engagements bleiben. Aber: Wir werden Branchenlösungen finden müssen, da die Kreislaufwirtschaft eine wachsende Rolle spielen wird. Das betrifft die gesamte Wertschöpfungskette. Zugleich haben wir konträre Entwicklungen wie den Convenience-Trend oder den wachsenden Online-Handel, der ganz neue Herausforderungen beim Thema Verpackung verursacht. Es bleibt also spannend.

Grafik von Jogurtbechern

Welcher Joghurt-Becher ist besser?

Eine Verpackung umweltfreundlicher zu machen, ist manchmal komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Häufig entstehen „Zielkonflikte“: Zur Erfüllung einer Anforderung wird eine Änderung durchgeführt, die dann wiederum einen anderen Aspekt verschlechtert. Welche das sein können, zeigt sich etwa, wenn man den konventionellen Kunststoff-Joghurtbecher dem Becher mit Karton-Banderole gegenüberstellt.

Verschiedene Verpackungsalternativen, zum Beispiel: Natural Branding, Rezyklat-Flasche, Bananen-Banderole etc.

Um Verpackungsmüll zu reduzieren, arbeitet die REWE Group daran, Verpackungen nach Möglichkeit durch alternative Lösungen zu ersetzen. So wurden bereits die Verpackungen von über 1.400 Artikeln umweltfreundlicher gestaltet. Auch andere Maßnahmen haben dazu geführt, den Verbrauch von Plastik zu reduzieren. Durch die bereits umgesetzten Verpackungsänderungen sparen wir insgesamt alleine bei REWE und PENNY über 8.200 Tonnen an Kunststoff pro Jahr.