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„Mehr Tierwohl gibt es nicht zum Nulltarif“


Christian Schmidt (CSU) hat ein Ziel: Deutschland soll Trendsetter beim Thema Tierwohl werden. Im Interview spricht der Bundesagrarminister über sein neues staatliches Label, Ernährungsbildung in den Schulen und die Chancen von intelligenten Lebensmittelverpackungen.

Die Deutschen essen immer weniger Fleisch, zugleich wird hierzulande so viel geschlachtet wie nie. Die Preise für Schweinefleisch sind am Boden, die Ställe werden immer größer. Was läuft schief?

Christian Schmidt: Das mag ihr Gefühl sein, die Fakten sind andere. Sowohl der Pro-Kopf-Verbrauch als auch die Fleischerzeugung waren in den letzten Jahren recht stabil. Mal etwas rauf, mal etwas runter. Da ist kein Trend sichtbar. Und ich verstehe auch nicht, warum der Export von Autos und Maschinen gut für Deutschland ist, der von Lebensmitteln und Fleisch aber schlecht sein soll? Beides geht nicht ohne Belastungen für die Umwelt, beides trägt aber auch zu unserem Wohlstand bei. Das soll aber nicht heißen, dass wir keine Probleme anpacken. Bei der Frage der Umweltbelastung durch die Gülle und bei der Förderung des Tierwohls sind wir in den letzten Monaten große Schritte vorangekommen. Daran werden wir nach der Wahl weiterarbeiten.     

Sie haben ein staatliches Tierwohllabel angekündigt. Dabei gibt es bereits andere Tierwohl-Siegel, etwa vom Deutschen Tierschutzbund. Warum braucht es noch ein weiteres?

Christian Schmidt: Aktuelle Umfragen belegen, dass eine große Mehrheit der Verbraucher der Tierschutz beim Einkauf von Lebensmitteln wichtig ist. Die Verbraucher sind bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, das von Tieren aus besseren Haltungsbedingungen stammt. Eine klare und transparente Kennzeichnung ist dabei für die Kaufentscheidung wichtig. Diesem Wunsch kommen wir mit der Einführung eines staatlichen Tierwohllabels nach.
Mit dem staatlichen Tierwohllabel geben wir den Verbrauchern die Möglichkeit, gezielt Produkte mit mehr Tierwohl zu kaufen. Das nützt den Tieren und den Einkommen der Landwirte. Der Staat bürgt dafür mit seinem Namen.
Das Tierwohllabel soll eine Art Einkaufshilfe für die Verbraucherinnen und Verbraucher sein. Wir brauchen ein Bündnis der Wertschöpfungskette vom Bauern über den Supermarkt bis zum Verbraucher, damit unsere Tierwohllabel-Produkte ein Erfolg wird. Mein Ziel ist es, dass Deutschland Trendsetter beim Tierwohl wird. Wir wollen das Label für den breiten Markt und nicht nur für die Nische.

Die Distanz zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern wird immer größer. Jeder wünscht sich grasende Kühe auf der Weide, aber nur wenige wissen heute noch, wie Fleisch überhaupt produziert wird. Was muss passieren, um wieder ein Verständnis für Lebensmittelproduktion und Tierhaltung zu wecken?

Christian Schmidt: Wir müssen das Wissen und Verständnis über landwirtschaftliche Prozesse in der Bevölkerung wieder stärker verankern. Die Verbraucher müssen die Zusammenhänge verstehen: Mehr Tierwohl und weniger Umweltbelastungen gibt es nicht zum Nulltarif. In Verantwortung stehen hier die Bauern, genauso wie der Handel und der Staat. Mit dem neu gegründeten Bundesinformationszentrum Landwirtschaft stellen wir neutrale und wissensbasierte Informationen zur Verfügung um ein besseres Verständnis heutiger Landwirtschaft zu fördern. Aber, am besten ist, man setzt schon bei den Kleinsten an. Deshalb brauchen wir mehr Ernährungsbildung in der Schule, am besten als eigenes Schulfach.


Sie haben mehrfach betont, dass Sie Steigerungsbedarf bei der Qualität der Schulverpflegung sehen. Was konkret möchten Sie verbessern – und wie?

Christian Schmidt: Wir haben im vergangenen Jahr das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) eingerichtet. Das NQZ ist ein Meilenstein in der Qualitätsoffensive für das Kita- und Schulessen. Wir stellen Deutschland beim Thema gesunde Ernährung institutionell neu auf. Das NQZ soll einen Qualitätsnachweis für Caterer und Anbieter von Schul- und Kitaessen erarbeiten. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bereitet das NQZ hierzu ein Caterer-Netzwerk vor. Ziel ist, überall in Deutschland die DGE-Qualitätsstandards für Kitas und Schulen verpflichtend bei Ausschreibungen von Verpflegungsleistungen zugrunde zu legen.

Aber wir müssen auch bei der Ernährungsbildung bei den Kindern ansetzen. Das kleine Einmaleins der Ernährung muss im Unterricht verankert werden – am besten als eigenes Schulfach.  Gute Ernährungspraxis in den Kantinen und Ernährungstheorie im Unterricht sind zwei Seiten einer Medaille.

Bleiben Bio-Produkte auch langfristig Lebensmittel nur für eine kleine Bevölkerungsgruppe?

Christian Schmidt: Das Interesse an ökologisch erzeugten Lebensmitteln wächst, das zeigen mir aktuelle Befragungen meines Hauses. Fast ein Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen häufig oder sogar ausschließlich Bio-Produkte. Auch die Wertigkeit von Bioprodukten ist in der Bevölkerung angekommen: Die Verbraucher sind bereit, für Bio-Produkte mehr zu bezahlen. Mit dem Bio-Siegel haben wir ein Instrument, das Transparenz und eine verlässliche Orientierungshilfe für den bewussten Kauf von Bio-Produkten schafft. Seit Einführung im Jahr 2001 wurde das Siegel für mehr als 76.000 Produkte verwendet. „Bio“ ist längst kein Nischenprodukt mehr. Ich möchte, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten noch stärker durch heimische Produkte gedeckt werden kann. Die Bäuerinnen und Bauern sollen die Chancen nutzen können, die der wachsende Absatzmarkt vor ihrer Haustür bietet. Hier setze ich mit meiner Zukunftsstrategie ökologischer Landbau an. Mein Ziel ist es, den Anteil der Bio-Landwirtschaftsfläche auf 20 Prozent zu erhöhen.

Noch immer landen viele Lebensmittel im Müll statt auf dem Teller. Sie wollen dagegen vorgehen – und probeweise ein „Verbrauchsverfallsdatum“ einführen. Was versprechen Sie sich davon?

Christian Schmidt: Knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaushalten entsorgt. Aus ethischer und ökologischer Sicht sind vermeidbare Lebensmittelabfälle nicht akzeptabel. Wir haben im Bundesernährungsministerium 2012 die Initiative Zu gut für die Tonne gestartet. Zu gut für die Tonne ist elementarer Baustein der vom Deutschen Bundestag geforderten nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelabfälle, die in meinem Haus erarbeitet wird. Mit der Initiative Zu gut für die Tonne ist es uns in den letzten Jahren schon gelungen, das Bewusstsein für die Wertschätzung unserer Lebensmittel zu schärfen. Zudem haben wir die Nutzung der Beste-Reste-Boxen in Gastronomie und Großhandel verankert. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Aus Untersuchungen wissen wir, dass mancher Verbraucher Lebensmittel sofort ungeprüft wegwirft, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Deshalb brauchen wir ein Verbrauchsverfallsdatum. Und mit „intelligenten Verpackungen“ könnten wir verhindern, dass Lebensmittel, die noch für den Verzehr geeignet sind, weggeworfen werden. Zum Beispiel durch ein Anzeigefenster auf einem Joghurtbecher, das durch farbliche Veränderungen den Zustand des Joghurts anzeigt. Wir wollen Deutschland zum internationalen Leitmarkt, zum Weltleitmarkt, für intelligente Lebensmittelverpackungen machen.

Worauf achten Sie bei der Lebensmittelauswahl?

Christian Schmidt: Ich persönlich achte bei meiner Auswahl auf Vielfalt und Regionalität.

Kochen Sie selber gerne? Und wenn ja: Was am liebsten?

Christian Schmidt: Ich koche wirklich sehr gerne selber, komme nur viel zu selten dazu. Doch wenn, dann bereite ich gerne eine klassische Gemüsesuppe zu.