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2015

Qualität - aber sicher!


Die Deutschen vertrauen ihren Lebensmitteln, wie eine aktuelle Studie beweist. Der Leiter des REWE-Group-Qualitätsmanagements erklärt, wie das Unternehmen dieses Vertrauen schafft – und wieso es dabei für Lieferanten auch unbequem werden kann.

70 Prozent der Verbraucher halten unsere Lebensmittel für sicher. Das ist ein Ergebnis des BfR-Verbrauchermonitors für das erste Halbjahr. Die repräsentative Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) soll zeigen, wie sehr die Bevölkerung Risiken wahrnimmt und in welchem Maße diese Einschätzung von der wissenschaftlichen abweicht. Dazu befragt das Institut regelmäßig 1.000 Konsumenten.

Der aktuellen Studie zufolge sehen Verbraucher Rauchen, Klima- und Umweltbelastung, Alkohol und ungesunde Ernährung als Hauptrisiken für ihre Gesundheit. Erst an fünfter Stelle nennen die Befragten ungesunde und belastete Lebensmittel als Risiko, gefolgt von Bewegungsmangel und Drogenkonsum. Damit schätzen die Deutschen ihre gesundheitlichen Risiken ziemlich realistisch ein, so das BfR.

Wir sprachen anlässlich der Veröffentlichung mit Dr. Klaus Mayer, Leiter des REWE-Group-Qualitätsmanagements.

Dr. Mayer, beinahe Dreiviertel der Deutschen halten unsere Lebensmittel für sicher. Das bedeutet doch ruhige Zeiten für das Qualitätsmanagement?

Dr. Klaus Mayer: Das ist zweifelsfrei ein klarer Vertrauensbeweis. Die Kunden sehen, dass unsere Lebensmittel mit die sichersten auf der Welt sind. Dennoch haben wir 30 Prozent der Kunden noch nicht überzeugt. 72 Prozent der Befragten sorgen sich zudem um „Antibiotikaresistenzen“, 69 Prozent um „Chemikalien in Lebensmitteln“ oder 67 Prozent um „gentechnisch veränderte Lebensmittel“. Es gibt also noch viel zu tun.

"Qualität fängt heute schon bei der Auswahl der Lieferanten und Partner an"

Wie soll die Überzeugungsarbeit aussehen?

Wir beauftragen bei anerkannten Laboren für unsere Eigenmarken pro Jahr durchschnittlich 26.000 Untersuchungen. Hinzu kommen die Kontrollen der Lieferanten und Behörden. Das ist schon sehr engmaschig. Aber mit der steigenden Anzahl und Bedeutung von Eigenmarken steigt der Druck auf die Qualitätssicherung. Hinzu kommt, dass wir heute den Mut haben, unsere Eigenmarken nach unseren Vertriebslinien zu benennen. Im Fall einer Krise – zum Beispiel einem öffentlichen Rückruf – ist der Schaden dann noch größer. Das sind dann immer REWE- oder PENNY-Krisen. Als Qualitätsmanagement richten wir den Blick daher immer weiter nach vorne. Qualität fängt heute schon bei der Auswahl der Lieferanten und Partner an. Nur wer über eine funktionierende und vor allem belegbare Qualitätssicherung verfügt, kommt überhaupt infrage. Wir sind da durchaus lästig, denn wir machen gerne auch mal einen Überraschungsbesuch bei unseren Lieferanten.

 

Nun argumentieren Kritiker immer damit, dass globale Lieferketten überhaupt nicht beherrschbar sind und propagieren daher regionale und Bio-Produkte.

Diese Argumentation klingt zweifelfrei verlockend. Es besteht auch kein Zweifel, dass ökologisch erzeugte oder regionale Produkte viele Vorteile haben. Aber wir leben heute in einer anderen Zeit. Die Kunden erwarten immer noch ganzjährig volle Sortimente. Und das in Spitzenqualität zu günstigen Preisen. Daher müssen wir auch weiterhin Lebensmittel aus dem Ausland beziehen. Da nützt es nicht pessimistisch zu sagen, das sei eh alles schlecht. Wir müssen uns die Lieferketten vornehmen und daran systematisch abarbeiten. Wir müssen die schwarzen Schafe – und das sind in der Regel diejenigen, die Skandale skrupellos verursachen – finden und hart bestrafen. Wir müssen die globalen Standards weiterentwickeln. Und das geht nur, wenn wir aktiv mitarbeiten. Deutschland ist nicht in der Lage, sich selbst und damit ohne Importe zu versorgen. Das mag dem ein oder anderen nicht gefallen, aber das sind nun einmal die Tatsachen.

 

Das alles hat dann aber seinen Preis. Werden Lebensmittel teurer?

 Der Preis umfasst Facetten wie Rohstoffpreise, Nachfrage, Löhne oder Transportkosten. Qualität bekommt der Verbraucher nicht zum Nulltarif. Sie ist aber sicher kein Preistreiber. Teuer wird eher der Verzicht auf Qualität. Denn oftmals schlagen sich schlechte Anbaumethoden und -bedingungen in der geringen Qualität eines Produktes nieder. Wer beispielsweise über Jahr zu viele Pestizide einsetzt der riskiert nicht nur Grenzwertüberschreitungen, der schädigt die Umwelt und senkt seine Erträge. Das wiederum kann dann zu noch mehr Pestiziden führen. Wer einmal in einer solchen Negativspirale ist, der kommt da nur sehr schwer wieder raus. Nur wer Qualitätsmanagement betreibt kann sicher sein, dass seine Ressource auch in Zukunft noch verfüg- und bezahlbar ist. Deswegen verstehen wir unter dem Wort „Qualität“ nicht nur die Qualität des Produktes, sondern das aktive Handeln schon zu Beginn des Beschaffungsprozesses.