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2015

Mindest­haltbarkeits­datum: „Ist das noch gut?"


Der Joghurt ist gestern abgelaufen, der Käse letzte Woche, und im Schrank liegt noch eine Packung Spaghetti vom vergangenen Jahr: Viele Lebensmittel landen im Müll, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist - obwohl man sie womöglich noch essen könnte.

Durchschnittlich wirft jeder Bundesbürger im Jahr rund 82 Kilogramm Lebensmittel weg. Das entspricht zwei vollgepackten Einkaufswagen. Einer der Gründe: Viele Kunden interpretieren das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung falsch. Dr. Klaus Mayer, Leiter Qualitätsmanagement der REWE Group, erklärt im Interview, was es mit der Angabe wirklich auf sich hat.

 

Julia Klotz: Herr Dr. Mayer, ich habe gestern eine ungeöffnete Packung Nudeln in meinem Schrank gefunden – mindestens haltbar bis Dezember 2014. Muss ich die nun entsorgen?

Dr. Klaus Mayer: Nein, Nudeln sind sehr lange haltbar – oft weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Ähnliches gilt für Mehl, Reis oder Kaffee. Dass das MHD abgelaufen ist, bedeutet noch lange nicht, dass ein Produkt verdorben ist.  Es zeigt lediglich an, bis wann der Hersteller garantiert, dass das Lebensmittel noch so schmeckt, riecht und aussieht wie versprochen – vorausgesetzt das Produkt war ungeöffnet und wurde richtig gelagert.  Das MHD ist also kein Verfalls- oder gar Wegwerfdatum, sondern vielmehr eine Orientierungshilfe, bis wann ein Lebensmittel in „Bestform“ ist.

Wer bestimmt das Datum, und wie wird es überprüft?

Verantwortlich für das Datum sind die Hersteller. Dabei stützen sie sich auf Erkenntnisse, wie sich der Zustand des Produkts unter bestimmten Bedingungen verändert - etwa auch beim Vitamingehalt. Zuständig für die Kontrolle der Kennzeichnungen sind die Lebensmittelbehörden der Bundesländer.

Gibt es eine Faustregel, wie lange nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ein Lebensmittel noch haltbar ist?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Als Faustregel gilt: Trockene Nahrungsmittel, zum Beispiel Getreideprodukte, verderben nicht so schnell wie solche mit einem hohen Wasser- und/oder Eiweißgehalt, beispielsweise Joghurt. Fetthaltige Lebensmittel dagegen können ranzig werden. Mehl oder Nudeln ohne Frischei halten bei richtiger Lagerung in der Regel über das MHD hinaus. Einige Produkte sind sogar so lange haltbar, dass sie gar kein MHD tragen – wie Kaugummi oder Essig.

"Bei Lebensmitteln sollten Verbraucher ihre Sinne einschalten und nicht nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten"

Wie finde ich denn heraus, ob ein Lebensmittel  noch bedenkenlos essbar ist?

Grundsätzlich gilt: Bei Lebensmitteln sollten Verbraucher ihre Sinne einschalten und nicht nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten. Sieht das Produkt unauffällig aus? Riecht es noch gut? Schmeckt es noch? Solange keine fremden Eigenschaften feststellgestellt werden, kann man es in der Regel noch essen. Wenn jedoch einer der Punkte nicht optimal erscheint, sollte man das Produkt besser entsorgen.

Gilt das Mindesthaltbarkeitsdatum auch für bereits geöffnete Packungen?

Nein, dann hat das MHD keine Gültigkeit mehr. Denn aus der Luft treffen nun Bakterien und Feuchtigkeit auf das Produkt und es verdirbt viel schneller. Auch die richtige Lagerung beeinflusst die Haltbarkeit. Bei Frischeprodukten sollte die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Mehl, Reis und Nudeln sollten kühl und trocken gelagert werden. Dann halten sie sich oft über das MHD hinaus.

Einige Lebensmittel tragen ein Verbrauchsdatum. Was ist der Unterschied zum Mindesthaltbarkeitsdatum?

Um ein Verbrauchsdatum handelt es sich, wenn ein Produkt mit „zu verbrauchen bis:“ gekennzeichnet ist. Es ist für leicht verderbliche Lebensmittel vorgesehen, wie frisches Geflügel oder Hackfleisch. Es nennt den letzten Tag, an dem das Produkt noch verzehrt werden kann. Das sollte man ernst nehmen und es nach Ablauf des Verbrauchsdatums nicht mehr essen.

Wenn viele Lebensmittel länger haltbar sind, als das Mindesthaltbarkeitsdatum anzeigt – warum schaffen wir es dann nicht einfach ab?

Generell ist das Mindesthaltbarkeitsdatum aus Gründen der Lebensmittelsicherheit wichtig und dient als Orientierung für den Verbraucher. Gibt es gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum, werfen die Verbraucher möglicherweise ebenfalls Lebensmittel weg, die noch völlig in Ordnung sind - einfach, weil sie nicht wissen, wie lange diese schon im Schrank stehen.

Könnte man nicht statt des Mindesthaltbarkeitsdatums ein Herstellungsdatum angeben?

Das würde nur Sinn machen, wenn der Verbraucher einschätzen kann, wie lange er ein Produkt guten Gewissens verwenden kann. Aber wie viele Verbraucher wissen beispielsweise, wie lange Kaffee haltbar ist? Da bietet das MHD die vergleichsweise bessere Orientierung.

Zusammengefasst: Welchen Rat haben Sie für mich, damit ich möglichst wenige Lebensmittel entsorgen muss?

Vertrauen Sie wieder mehr den eigenen Sinnen und werfen Sie Lebensmittel nicht weg, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist. Beachten Sie außerdem, welche Lagerungshinweise auf der Verpackung im Zusammenhang mit dem MHD angegeben sind. So bleiben Lebensmittel länger frisch und landen nicht so schnell im Müll.