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23. September 2019

„Viele Kinder ernähren sich zu unausgewogen“


Ernährungsberaterin Urte Brink im Interview

Eine Lunchbox mit gesunden Lebensmitteln

Rund zehn Prozent der Grundschüler gehen Studien zufolge ohne Frühstück aus dem Haus. Gleichzeitig steigt der Anteil an Kindern, die bereits im Grundschulalter übergewichtig sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Seit zehn Jahren setzt sich die REWE Group mit der Initiative „Power Kiste“ und ihrem Vorgänger, der „Power Tüte“, dafür ein, Kindern einen Zugang zu einem gesunden und ausgewogenen Frühstück zu ermöglichen. Die „Power Tüte“ war eine Papiertüte mit vorgepacktem Frühstück, die an die Schulkinder verteilt wurde. Mit der Einführung der „Power Kiste“ hat sich das geändert: Nun werden die Lebensmittel in Boxen an die Schulen geliefert, wo die Schulkinder gemeinsam mit den Lehrern ihr Frühstück zubereiten und im Klassenverbund essen. Das spart nicht nur viel Papier, sondern bezieht die Kinder auch aktiv mit ein – in der Gruppe macht frühstücken einfach mehr Spaß. In zehn Jahren wurden über 1,6 Millionen Frühstücke ausgegeben, rund 13.000 „Power Tüten und „Power Kisten“ an Schulkinder verteilt.

Urte Brink hat die „Power Tüte“ und den Nachfolger, die „Power Kiste“, mit-konzipiert. Seit zehn Jahren beschäftigt sich die Ernährungsberaterin intensiv mit der Schulernährung von Kindern. Was sie während dieser Zeit über Essgewohnheiten und teilweise fehlendes Verantwortungsbewusstsein gelernt hat, verrät sie im Interview.

Porträt von Urte Brink

Frau Brink, eine Studie des Robert-Koch-Instituts zeigt, dass rund 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren bereits übergewichtig sind. Wo sehen Sie die Gründe?
Urte Brink: Zunächst einmal essen und trinken viele Kinder oftmals zu unausgewogen und wählen Lebensmittel, die unvorteilhaft sind. Gewohnheiten werden im Kindesalter geprägt, heißt: Wer von Anfang an ungesunde Gewohnheiten wie beispielsweise regelmäßigen Verzehr von zuckergesüßten Lebensmitteln wie Limonade oder Vanillemilch, Frucht-Joghurt kennenlernt, wird selten bei den weniger gesüßten Produkten zugreifen oder plötzlich auf Wasser als Durstlöscher umsteigen.

„Man sollte nie aus dem Haus gehen ohne etwas Wasser oder Tee zu trinken.“

Welche Folgen resultieren daraus für die Kinder?
Urte Brink: Neben der erhöhten Gefahr, bei einer unangemessenen Auswahl und zu wenig Bewegung übergewichtig zu werden, treten Karies oder eventuell auch Mineralien- oder Vitaminmangel auf. Das kann sich zunächst durch Wadenkrämpfe, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen zeigen. Osteoporose oder beispielsweise Diabetes wird sich gegebenenfalls erst später zeigen.

Sind da nicht zuallererst mal die Eltern in der Pflicht?
Urte Brink: Ganz richtig und oft funktioniert das auch. In einigen Fällen aber auch nicht. Dabei können Eltern allein durch eine Vorbildfunktion sehr viel erreichen. Viele Kinder bringen aber Limonade oder gar koffeinhaltige Getränke wie Cola oder Eistee mit zur Schule, die letztlich gar nicht den Durst löschen und unnötige Kalorien liefern Das wird dann entweder von den Eltern so vorgelebt oder im Umkehrschluss nicht verhindert.

„An den Schulen wird die Power Kiste extrem gut angenommen und hilft dort auch den richtigen Menschen.“

Studien zufolge geht jedes zehnte Grundschulkind ohne Frühstück aus dem Haus. Wie bewerten Sie das?
Urte Brink: Hier muss man differenzieren. Es stimmt, dass Studien zeigen, dass immer mehr Kinder, gerade auch im Grundschulalter, gar nicht oder nur ungenügend frühstücken. Das kann aber unterschiedliche Gründe haben. Tatsächlich schlafen einige Schüler lieber etwas länger und gehen ohne Frühstück und öfter auch ohne Schulbrot aus dem Haus. Und da wären wieder die Eltern in die Verantwortung zu nehmen. Leider scheint es einige Eltern zu geben, die nicht immer auf eine Frühstücksverpflegung ihrer Kinder achten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Kinder dies eigenständig lernen und übergangsweise in der Schule etwas bereit zu halten.

Genau da setzt ja auch das Projekt Power-Kiste an. Bewirken solche Initiativen wirklich etwas?
Urte Brink: An den Schulen wird die Power Kiste extrem gut angenommen und hilft dort auch den richtigen Menschen. Sowohl die Schulkinder als auch das Lehrpersonal profitieren davon, und das ohne einen finanziellen Aufwand dafür leisten zu müssen. Die Kinder lernen zum Beispiel Schwarzbrot, Naturjoghurt, Wasser, Milch sowie saisonal die Obstsorten kennen und bereiten aus den Lebensmitteln in der Power Kiste ihr eigenes Frühstück zu – so wird automatisch die Geschmacksdifferenzierung und die Eigenverantwortung der Kinder gefördert.