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30. Juli 2019

Getränkeflaschen aus recyceltem Kunststoff: Meisterstücke


In vielen Schritten zu 100 Prozent

Rezyklat-Flaschen

Vermeiden, verringern, verbessern – in ihrer Leitlinie zeigt die REWE Group den Weg auf, wie sie ihr ehrgeiziges Ziel erreichen will: 100 Prozent der Eigenmarkenverpackungen bis Ende 2030 umweltfreundlicher zu gestalten. Die Wege sind dabei vielfältig. Von spannenden Innovationen bei Materialien bis hin zu Detailarbeit an der Einzelverpackung. In dieser Serie begleiten wir Mitarbeiter aus dem gesamten Unternehmen bei ihren Fortschritten und beobachten, wie das große Ziel Schritt für Schritt näher rückt.

Folge 3: Rezyklat

Porträtfoto von Rino Iacobellis, Senior Buyer alkoholfreie Getränke/Bie

„Es muss das Ziel sein, deutlich mehr Flaschen im Kreislauf zu lassen.“

Eine Wasserflasche, die zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff besteht? Als Rino Iacobellis, Senior Buyer alkoholfreie Getränke/Bier der REWE Group Buying, und seine Kollegen im Herbst vergangenen Jahres auf Anregung des Category Managements Vollsortiment mit diesem Wunsch bei Lieferanten anklopften, erhielten sie zunächst nur Absagen. Die einen sorgten sich, PET-Rohlinge aus Rezyklat könnten beim Aufblasen platzen, anderen war die Versorgungssituation zu unsicher. Als mit Hansa Heemann dann doch ein Produzent gefunden war, ging alles ganz schnell.

Schon im Mai brachte REWE als erster Händler eine Eigenmarken-Flasche (Aqua Mia Sport 0,75 Liter) in die Märkte, die komplett aus recyceltem Kunststoff besteht. Im Interview erläutert Rino Iacobellis, wie aus einer PET-Flasche erneut eine Flasche werden kann und wie die REWE Group Getränkeverpackungen in Zukunft noch nachhaltiger machen möchte.

Hersteller von PET-Getränkeflaschen setzen schon lange durchaus nennenswerte Mengen Rezyklat ein. Warum ist es eine besondere Herausforderung, Flaschen komplett aus Sekundärrohstoffen zu produzieren?
Rino Iacobellis: PET-Rohlinge aus recyceltem Kunststoff sind dunkler als Preformen aus Originärkunststoff, aber sie sind nicht gleichmäßig eingefärbt. Das erhöht das Risiko, dass die Flaschen beim Aufblasen zur Originalgröße unter hoher Temperatur platzen. Denn je dunkler eine Stelle ist, umso eher nimmt sie Hitze an und dehnt sich aus. Somit müssen sich die Hersteller sehr vorsichtig an den jeweils passenden Temperaturbereich herantasten. Schon eine veränderte Raumtemperatur kann es nötig machen, die Maschine neu einzustellen. Geplatzte Flaschenformen sind für jeden Produzenten ein Graus – denn dann steht die Anlage erst einmal still. 

Das heißt, Getränkeindustrie und Handel müssen explizit die Verwendung von Rezyklat verlangen, damit die Flaschenhersteller reagieren?  
Rino Iacobellis: Ganz so ist es nicht. Die Hersteller mischen durchaus Sekundärmaterial bei – nur eben meist nicht in nennenswertem Umfang. Das hat neben dem erhöhten Produktionsrisiko auch damit zu tun, dass sie sich sorgen, stets ausreichend Rezyklat zur Verfügung zu haben. Und dann spielt natürlich auch der Preis eine Rolle: Knappe  Materialien sind teurer als jederzeit verfügbare Rohstoffe. 

Dank des Flaschenpfands werden nahezu alle verkauften PET-Gebinde wieder zurückgebracht. Somit müsste doch eigentlich genügend Rezyklat vorhanden sein.
Rino Iacobellis: Im Fall eines geschlossenen Kreislaufs wäre das so. Aber die Verhältnisse in Deutschland sind anders. Nur etwa ein Drittel dieser qualitativ hochwertigen Rezyklate finden den Weg zurück in Getränkeverpackungen. Die übrigen Mengen werden meist für die Herstellung von Folien, Fasern und Füllstoffen verwendet, obwohl diese Produkte so hochwertiges Sekundärmaterial in den meisten Fällen gar nicht benötigen. So kann es bei der Flaschenproduktion durchaus zu Engpässen kommen. Künftig muss es das Ziel sein, deutlich mehr Flaschen im Kreislauf zu lassen.

„Wir werden den Rezyklat-Anteil bei vielen Getränkeverpackungen in den nächsten Jahren kontinuierlich steigern“

Wie ist es trotz dieser Herausforderungen gelungen, einen Hersteller für die 100-Prozent-Rezyklat-Flasche zu finden?
Rino Iacobellis: Wir haben unseren Lieferanten Hansa Heemann angesprochen, weil wir wussten, dass er Erfahrungen mit der Beimischung von Sekundärrohstoffen besitzt und Gebinde mit einem Rezyklat-Anteil von 80 Prozent fertigen kann. Darauf hat Hansa Heemann Tests gestartet und uns bereits im Februar mitgeteilt, dass er auch eine 100 Prozent-Rezyklat-Flasche produzieren kann. Als einer der größeren, besonders innovativen Lieferanten im Getränke-Eigenmarkenbereich hat das Unternehmen Zugriff auf ausreichend Rohmaterial. Dann ging alles ganz schnell. Im Mai hatten wir die 100-Prozent-Rezyklat-Flasche bei REWE im Regal. Kurz darauf nahm PENNY zwei Wasser-Flaschen ins Sortiment, die zu 100 Prozent beziehungsweise zu 80 Prozent aus Rezyklat hergestellt werden. 

Für die Kunden ist noch nicht erkennbar, was die Flaschen so besonders macht….
Rino Iacobellis: Es ging alles so unerwartet schnell, dass wir den Rezyklat-Anteil auf den ersten Chargen noch nicht auf den Flaschen ausloben konnten. Das wird nicht so bleiben. Schon in Kürze werden die Verbraucher auf den Etiketten informiert, dass sie ein Gebinde in der Hand halten, das vollständig aus Sekundärrohstoff besteht. Dazu haben REWE und PENNY ein spezielles Logo entwickelt.

Wie oft kann Rezyklat bei der Produktion von Getränkeflaschen wiederverwendet werden?
Rino Iacobellis: Ich kann keine Zahl nennen, aber sicher nicht unendlich oft! Es muss immer wieder etwa 30 Prozent Primärmaterial in den Kreislauf gepumpt werden, damit Getränkeflaschen ihre Stabilität behalten und nur in geringem Umfang Sauerstoff durchlassen.

Rezyklatflaschen

Wie geht es weiter? Wird künftig branchenweit mehr Rezyklat bei der Herstellung von Getränkeflaschen eingesetzt und welche Ziele hat sich die REWE Group gesteckt?
Rino Iacobellis: Die EU hat im Mai einen Gesetzentwurf verabschiedet, wonach bis 2025 im Durchschnitt über alle PET-Einwegkunststoffflaschen 25 Prozent Rezyklat eingesetzt werden müssen. Bis 2030 sollen es sogar 30 Prozent sein. Das heißt, spätestens jetzt fängt jeder an, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Die Voraussetzungen in Deutschland sind vergleichsweise gut. Denn nirgendwo sonst in Europa gibt es ein vergleichbares Pfandsystem, das einen so hohen Flaschenrücklauf garantiert. Wir bei REWE haben uns keine bestimmte Quote zum Ziel gesetzt, aber klar ist, dass wir den Rezyklat-Anteil in den nächsten Jahren kontinuierlich steigern wollen. Zum Beispiel bei Säften oder Eis-Tee, deren Verpackungen bereits heute zu 10, 20 Prozent oder noch mehr aus Sekundärrohstoffen bestehen. Wenn die Hersteller garantieren können, dass sie jederzeit über ausreichend Rohmaterial verfügen, um diese Quote sicherzustellen, können wir dies auch stärker kommunizieren. Denn wenn es um nachhaltige Verpackungen geht, werden die Kunden immer aufmerksamer.

Grafik eines Rezyklatkreislaufs

Von Flakes zur Flasche und wieder zurück

Ex …..und später ab in den Pfandautomat. So endet gewöhnlich das meist kurze Leben einer PET-Flasche. Das Pfandgeld von 25 Cent sorgt dafür, dass in Deutschland mehr als 96 Prozent der verkauften Behälter zurückgegeben werden. Damit ist für sie jedoch nicht alles vorbei. Die Flaschen haben eine gute Chance auf ein zweites Leben. Doch der Reihe nach.

Von den REWE- und PENNY-Märkten gehen die zu Ballen zerdrückten (und damit besser transportierbaren) Flaschen aus dem Pfandautomaten zunächst in die Läger. Dort holt ein Entsorger das Leergut ab und bereitet es auf: Die ehemaligen Behälter werden nach Farbe sortiert, zerkleinert und in ein Wasserbad geschüttet. Nach der Trocknung erfolgt die Weiterverarbeitung zu den für die Lebensmittelproduktion freigegebenen Flakes.

Um eine neue Flasche herzustellen, wird aus den eingeschmolzenen Flakes zunächst eine fingergroße Form gefertigt – die Preform. Hals und Gewinde dieses Rohlings besitzen bereits die spätere Flaschenform. Bei etwa 250 Grad werden die Preformen später zu Flaschen geformt.

Der weitaus größte Anteil von PET-Rezyklaten entstammt dem Recycling von Getränkeflaschen (86 Prozent). Aber nur 34 Prozent dieser Rezyklate finden den Weg zurück in Getränkeverpackungen. Die übrigen Mengen gehen in andere Warengruppen (etwa Textilien oder andere Lebensmittelverpackungen). Nicht alle dieser Warengruppen benötigen zwingend ein solch reines Sekundärmaterial. Ein Großteil des Sekundärmaterials geht somit für den Getränkekreislauf verloren.

Verschiedene Verpackungsalternativen, zum Beispiel: Natural Branding, Rezyklat-Flasche, Bananen-Banderole etc.

Um Verpackungsmüll zu reduzieren, arbeitet die REWE Group daran, Verpackungen nach Möglichkeit durch alternative Lösungen zu ersetzen. So wurden bereits die Verpackungen von über 1.400 Artikeln umweltfreundlicher gestaltet. Auch andere Maßnahmen haben dazu geführt, den Verbrauch von Plastik zu reduzieren. Durch die bereits umgesetzten Verpackungsänderungen sparen wir insgesamt alleine bei REWE und PENNY über 8.200 Tonnen an Kunststoff pro Jahr.