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11. Oktober 2018

„Sich mit dem eigenen Anderssein einbringen können, bereichert das Team“


Was hat die sexuelle Orientierung am Arbeitsplatz verloren? di.to-Beraterin Astrid Jansen über die richtige Art zu fragen und den richtigen Moment zum Outen.

Astrid Jansen, di.to.-Beraterin

Frau Jansen, darf man einen Kollegen oder eine Kollegin nach seiner oder ihrer sexuellen Orientierung fragen?
Astrid Jansen: Ich selbst würde mich im Vorfeld fragen: Warum möchte ich eigentlich wissen, wie der Kollege, die Kollegin lebt? Bin ich einfach neugierig, habe ich Spaß an Klatsch und Tratsch? Oder mag ich den Menschen und interessiere mich für ihn?

Denn wen man liebt - das ist für die einen eine sehr persönliche, schützenswerte Angelegenheit, andere gehen eher offen damit um. Wenn ich nun wissen möchte, ob meine Kollegin lesbisch ist, weiß ich vorher leider nicht genau, ob sie zu den offenen oder zu den zurückhaltenden Menschen gehört. Wenn ich mir da nicht sicher bin, wie viel an Offenheit die Beziehung verträgt, kann ich mein Gegenüber ganz pragmatisch fragen: „Mich interessiert, wie du privat lebst. Darf ich dazu fragen oder trennst du das Private eher vom Beruflichen?“

Wichtig finde ich auch, dass man prüft, ob beziehungsweise auf welche Weise man selbst gerne gefragt werden würde, wenn es um Persönliches und Privates geht.

„Den richtigen Zeitpunkt fürs Outen nicht verpassen.“ Astrid Jansen

Muss oder sollte ich mich Kollegen oder Vorgesetzten gegenüber „outen“?
Astrid Jansen: Mit den Fragen „soll ich mich outen?“ oder „wann ist der richtige Zeitpunkt?“ müssen sich Menschen, die jenseits der Mehrheitsgesellschaft leben, regelmäßig auseinandersetzen. Das ist so, weil Heteros oder Cis vielfach voraussetzen, dass alle Menschen, also auch LGBTIQ lebende Menschen so leben wie sie selbst.

Würden wir die heterosexuellen Cis-Leser und Leserinnen in diesem Interview per se als trans- oder homosexuell ansprechen, hätten sie vermutlich auch das Bedürfnis, das aufzuklären und die für sie passende Selbstbeschreibung kundzutun.

Doch die meisten Menschen, die mir bisher begegnet sind, tragen ihre sexuelle Identität beziehungswiese Orientierung eben nicht vor sich her. Denn sie bildet für sie nur einen Aspekt ihrer Person unter vielen und daher wollen sie ihr nicht so eine große Bedeutung geben. Sie haben wenig Lust, immer wieder die „Quotenlesbe“ im Heteroteam zu sein. Daraus ergibt sich oft ein Dilemma zwischen „outen“ oder „nicht outen“.

Wichtig ist auch, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Verpasst man den, kann das unangenehm sein („Warum hast du mir das nicht eher erzählt?“). Ist man zu früh, dann auch („der spielt sich mit seinem Schwul-Sein in dem Mittelpunkt“). Dieser Entscheidungsprozess kostet Gefühle und Kopf gleichermaßen Kraft.

Warum überhaupt im Arbeitsumfeld über die eigene Lebens- oder Liebessituation sprechen?
Astrid Jansen: Was will ich montags morgens vom Wochenende, von meiner Familie preisgeben, die vielleicht aus zwei Vätern oder zwei Müttern besteht? Wenn Menschen dauerhaft einen Teil des eigenen Lebens ausblenden müssen, weil das Arbeitsklima nicht offen genug ist, dann ist das für die Betroffenen oft belastend. Im Gegensatz dazu bereichert es Teams, wenn unterschiedliche Menschen sich mit dem eigenen Anderssein einbringen können. Solche Teams sind kreativer und bereiten den Boden für ein gesundes Miteinander aller.

Astrid Jansen ist Psychologin, hypnosystemische Coach und Beraterin Gesundheitsmanagement des Gesundheitsdienstleisters B.A.D. Sie berät im Rahmen ihrer Tätigkeit für die REWE Group auch die Mitglieder des di:to-Netzwerks und Kolleginnen und Kollegen zu Fragen aus dem Bereich LGBTIQ.