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Tomaten aus der Region: „Mehr als rot und rund“

von Stefan Weber

Tomateneinkauf ist mehr als nur ein Job: Christina Hartmann im Gewächshaus / Fotos: Achim Bachhausen

Im rheinischen Neurath werden nachhaltigere Tomaten für die REWE Group angebaut. Einkäuferin Christina Hartmann hat für one die Türen geöffnet – und erklärt, warum die Beschaffung von Tomaten für sie mehr als nur ein Job ist.

Der Weg zum Gewächshaus der Zukunft führt über eine breite Landstraße entlang der Tagebaue des rheinischen Braunkohlereviers und immer in Sichtweite des größten deutschen Kraftwerks Neurath. Irgendwann heißt es: rechts abbiegen! Und dann ist da plötzlich nur noch Glas, soweit das Auge reicht. Ein Treibhaus ist das nicht. Das ist eine Treibhauslandschaft, mehr als 16.000 Quadratmeter groß. Wer das Gelände zu Fuß umrunden möchte, ist etwa 40 Minuten unterwegs – vorausgesetzt, er hat einen strammen Schritt.

Beeindruckend: Treibhauslandschaft unter lichtem Glas

Den Grundstein für diesen Gewächshauspark haben die vier „Neurather Gärtner“ vor gut fünf Jahren gelegt. Ihre Idee: Qualitativ hochwertige Tomaten im großen Stil anbauen, und zwar nach dem Konzept „Aus der Region für die Region“. Inzwischen ernten sie hier jährlich etwa 7.500 Tonnen, und einer der Hauptabnehmer der aromatischen, farbenfrohen Früchte ist die REWE Group. Sie vermarktet die Neurather Tomaten in den REWE-Märkten unter den Marken REWE Beste Wahl sowie REWE Regional mit Regionalfensterzertifizierung. Aber auch bei PENNY ermöglicht die Regionalfensterauszeichnung ein bewusstes Einkaufen regionaler Produkte. Das Gemüse wird bald – wie auch die Tomaten und Paprika aus dem bayerischen Gewächshaus -  aufgrund des ressourcenschonenderen Anbaus das Pro Planet-Label tragen. So wird jetzt schon zum Heizen ausschließlich regenerative Energie genutzt und für die Bewässerung Regenwasser.

Ab April mit Pro Planet-Label
Nach der Saison ist vor der Saison. Schon bald werden hier die neuen Tomatenpflanzen einziehen / Fotos: Achim Bachhausen


Allerdings sind die Produkte noch nicht entsprechend ausgezeichnet. Aktuell werden die einzelnen Tomatensorten noch an drei weiteren Standorten in Nordrhein-Westfalen produziert, die nicht den Vorgaben für die Vergabe des Pro Planet-Labels entsprechen. „Aber das wird sich bald ändern“, sagt Christina Hartmann, 49. Die studierte Betriebswirtin und gelernte Fruchtkauffrau ist bei der REWE Group seit bald 15 Jahren für den Einkauf von Paprika, Fein- und Stangengemüse, Hülsenfrüchte, Kohl – und eben Tomaten zuständig. Spätestens ab April 2016, so kündigt sie an, werden Tomaten aus Neurath das Pro Planet-Label tragen. Denn ab diesem Zeitpunkt sei ein sortenreiner Anbau der Früchte in Neurath sichergestellt.

„Streng genommen müsste dieser Betrieb Manufaktur heißen“, meint Hartman. Denn trotz einer hochmodernen Gewächshausanlage erfolgen viele Prozesse, wie zum Beispiel die Ernte, noch von Hand. Sie steht in einem der schier endlosen Gänge der Neurather Gewächshauslandschaft, zwischen Tomatenpflanzen, die bis zu 16 Meter lang werden, zupft an dunkelgrünen Stengeln und zeigt auf die ausgereiften Früchte, die dem Qualitätsstandard von REWE und PENNY entsprechen. Die Beschäftigung mit Tomaten ist für die gebürtige Wuppertalerin kein Job, sondern eine Herzensangelegenheit.

Als junge Auszubildende war ihre erste Station Mitte der achtziger Jahre der Zentraleinkauf Obst, Gemüse und Blumen in Köln. Danach, so meint sie schmunzelnd, wollte sie nichts mehr anderes machen. Obst und Gemüse ist ihre Leidenschaft und „eine ungemein spannende und Innovative Warengruppe“. Da lasse sich viel bewegen. Vor allem bei Tomaten. Immer wieder gebe es neue Sorten, neue Trends, neue Entwicklungen, betont die REWE-Managerin.

Welche Sorte für welchen Zweck?
Trotz aller Technik: Geerntet wird nach wie vor mit der Hand / Fotos: Achim Bachhausen

Zum Beispiel die Mini Cherry Rispentomate, die auch in Neurath produziert wird. Klein, mit einem super fruchtigen Geschmack. „Ideal als Snack zwischendurch oder als Salat“, meint Hartmann. Etwa 25 Kilogramm Tomaten verzehrt jeder Bundesbürger im Durchschnitt pro Jahr. Da ist verarbeitete Ware, etwa auf der Pizza oder im Ketchup, mit eingerechnet. Die REWE-Einkäuferin toppt diesen Wert um ein Vielfaches: „Ich esse bestimmt bis zu zwei Kilo in der Woche.“ Macht gut 100 Kilogramm im Jahr.

Hartmann beobachtet, dass immer mehr Tomatenkäufer zu qualitativ hochwertiger Ware greifen. Geschmackstomaten lägen absolut im Trend. Gleichwohl benötigen die meisten Verbraucher nach ihrer Überzeugung Orientierungshilfen: „Für viele sind Tomaten vor allem rund, rot und sehen ähnlich aus. Sie kennen oft nicht den feinen Unterschied und wissen nicht, welche Sorte sich für welchen Verwendungszweck am besten eignet.“ Für REWE- und PENNY-Märkte sind Tomaten ein ungemein wichtiges Produkt. Die roten Früchte sind der umsatzstärkste Artikel in der Warengruppe Obst und Gemüse, vor Bananen.

Lieferantenbesuche wie in Neurath gehören für Hartmann zum Tagesgeschäft. Vor Ort zu sein, enge Kontakte zu halten im In- und Ausland - das ist ihr wichtig. Zusammen mit den Category Managern von REWE und PENNY setzt sie sich nach jeder abgelaufenen Tomatenernte mit Vertretern von Anbaubetrieben und Saatgutherstellern zusammen und analysiert, was positiv gelaufen ist und wo es Verbesserungspotential gibt. Zum Beispiel, welche Innovationen man gemeinsam anstoßen kann - als Ergänzung zu Rivolo und den anderen vier Sorten, die derzeit in Neurath kultiviert werden, um weiter erfolgreich in dieser Kategorie zu wachsen.

Handarbeit

Dirk Drießens Dienstfahrzeug ist weiß, hat zwei Räder, 24 Gänge, dicke Stollenreifen und ist – ein Mountain Bike. Das ideale Gefährt, um sich in dem riesigen Gewächshauspark am Stadtrand von Grevenbroich zu bewegen. Drießen ist einer der vier „Neurather Gärtner“, die dort seit 2010 Tomaten im großen Stil anbauen. „Qualität statt Quantität“ – nach dieser Devise züchtet der Betrieb bevorzugt Sorten, die besonders intensiv schmecken. Das kommt an. Zweimal schon erweiterten die Unternehmer ihre Treibhauslandschaft. Inzwischen gehören sie zu den größten Betrieben in Deutschland.

Der Standort an der Energiestraße, in unmittelbarer Nachbarschaft zum mächtigen Braunkohlekraftwerk Neurath, ist wohl bedacht. Mit der Abwärme des Kraftwerks heizen die Neurather Gärtner ihre Gewächshäuser. Auch das Wassermanagement ist nachhaltig: Überschusswasser aus der Bewässerung der Tomaten-Pflanzen wird aufgefangen, mit UV-Licht entkeimt und erneut zum Bewässern genutzt. „So vermeiden wir Einträge von Dünger in das Grundwasser“, betont Drießen.

Für die Bestäubung der Tomaten sorgen Hummeln, und gegen tierische Schädlinge lassen die Gärtner Nützlinge arbeiten. Krankheiten werden, so weit möglich, ebenfalls mit biologischen Methoden bekämpft.

Moderne Computertechnologie sorgt für klimatische Bedingungen, die die Tomaten optimal wachsen lassen. Trotz aller Technik: Geerntet wird nach wie vor mit der Hand. Wenn es soweit ist, zupfen mehr als 50 geübte Helfer die Früchte von den Stengeln, legen sie vorsichtig in kleine Kisten, die wiederum von selbstfahrenden Wagen abtransportiert werden. Wie an einer Schnur gezogen surren dann die kleinen Erntehelfer durch die kilometerlangen Gänge des Gewächshausparks. Alles muss schnell gehen. Denn schon 48 Stunden nach der Ernte sollen die Tomaten in den Märkten von REWE und PENNY liegen. Frisch, aromatisch und nachhaltig produziert. Qualität, so sagen die Neurather Gärtner, sei, wenn der Kunde zurückkomme und nicht das Produkt.

Dr. Josef Lüneburg-Wolthaus ist als Funktionsbereichsverantwortlicher in der strategischen Qualitätssicherung verantwortlich für die Themenbereiche Pflanzenschutz, Biodiversität und nachhaltige Produktion im Gartenbau. Als Projektmoderator für Pro Planet betreut er vorwiegend Projekte in den Warengruppen Obst, Gemüse, Blumen, Papier und Holz.